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Gemeinderat

Überschwemmungsgebiete in Karlsfeld: Berechnung umstritten

Das Wasserwirtschaftsamt hat berechnet, wo in Karlsfeld es zu Überschwemmungen kommen könnte, wenn die Würm über die Ufer tritt. Ein extrem unwahrscheinliches Szenario. Dennoch hat das Rechenspiel womöglich unliebsame Folgen. Denn in Überschwemmungsgebieten darf praktisch nicht mehr gebaut werden. Schlecht für die Gemeinde und private Bauherren.

Karlsfeld – „Hochwasserrisikomanagement“ – ein langes, sperriges Wort. Ziel ist es, Mensch und Umwelt vor Hochwasserschäden zu schützen und Maßnahmen zur Vorsorge und zum Schutz festzulegen. Grundlage ist eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2007, deren Vorgaben 2010 in Bundes- und Landesrecht übernommen wurden.

Dr. Stefan Fach, beim Wasserwirtschaftsamt München für den Landkreis Dachau zuständig, hat dem Karlsfelder Gemeinderat am Dienstagabend die Ergebnisse einer Berechnung vorgestellt, wo in der Gemeinde von Würm und Würmkanal verursachte Überschwemmungen eintreten könnten. Zumindest bei extremem Hochwasser seien „großflächige Überschwemmungen“ mit einer Wasserstandshöhe von zehn bis 15 Zentimetern möglich, sagte Fach.

Hochwasserlagen in einem solchen Ausmaß sind rein rechnerisch nur alle 100 Jahre zu erwarten. Im Juli 1999 drohte die Würm letztmals über die Ufer zu treten, damals fehlten nur wenige Zentimeter. Doch selbst bei einem weiteren Anstieg des Pegels wäre es wohl kaum zu größeren Überschwemmungen gekommen. Man müsse „schon viel Fantasie haben“, sich ein solches Ereignis in Karlsfeld vorzustellen, sagte Bürgermeister Stefan Kolbe.

Christian Bieberle, CSU-Gemeinderat und als Diplom-Ingenieur vom Fach, glaubt wegen der Lage Karlsfelds in der Münchner Schotterebene ohnehin nicht an die beschriebenen Überschwemmungen. Das Wasser versickere viel zu schnell. Das Wasserwirtschaftsamt lege ein „reines Rechenmodell“ vor, das die Wirklichkeit nicht abbilde, so Bieberle.

Doch das Management von Amtswegen läuft. Innerhalb der kommenden fünf Jahre werden die vom Wasserwirtschaftsamt ermittelten Überschwemmungsgebiete offiziell festgesetzt. Schon in wenigen Wochen wird das Landratsamt eine sogenannte „vorläufige Sicherung“ bekanntmachen, die einer Festsetzung gleichkommt.

In Überschwemmungsgebieten müssen unbebaute Flächen freigehalten werden. Gebäude dürfen nicht erweitert werden. Untersagt sind auch andere Veränderungen des Geländes und die Lagerung gewässergefährdender Substanzen. Und eine Gemeinde darf in Überschwemmungsgebieten keine Baugebiete ausweisen. Dies gefährdet Entwicklungsziele der Gemeinde Karlsfeld, zum Beispiel auf der Fläche zwischen Allacher Straße und Würmkanal und sogar in der Neuen Mitte.

Auch Grundstückseigentümer und private Bauherren sind von den Auswirkungen betroffen. Es wird zwar ein Bestandsschutz garantiert. Wer aber zum Beispiel auf seinem Grundstück ein weiteres Gebäude errichten will, hat ein Problem. Hinzu kommt, dass Versicherungsgesellschaften in Überschwemmungsgebieten in der Regel höhere Prämien verlangen.

Im weiteren Verfahren des Hochwassermanagements für die Würm sind sowohl die Gemeinde als auch die betroffenen Grundstückseigentümer beteiligt. Zudem denkt man in Karlsfeld über Schutzmaßnahmen nach. Doch die sind teuer, und eine Umsetzung dauert aufgrund weitreichender Verfahrensvorgaben Jahre.

Möglicherweise ist das letzte Wort jedoch noch nicht gesprochen. Wie Bürgermeister Kolbe gestern mitteilte, sei es durchaus denkbar, dass die Gemeinde ein eigenes Gutachten in Auftrag gibt.

THOMAS LEICHSENRING

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