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Zahlreiche Ehrungen erhielt Josef Koller (links) für sein unermüdliches Engagement. Der frühere Bürgermeister Fritz Nustede (rechts) etwa zeichnete ihn mit der Bürgermedaille aus.

Heute vor zehn Jahren starb der Karlsfelder Naturschützer und Vogelkundler Josef Koller

Der unvergessene Schwarzhölzl-Retter

Er war Naturschützer und Vogelkundler. Und seine große Liebe galt dem Schwarzhölzl. Heute vor zehn Jahren starb der Karlsfelder Josef Koller im Alter von 68 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

Karlsfeld – Koller hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Natur den Menschen im Landkreis Dachau nahe gebracht worden ist. Schon ab 1975, mit der Gründung der Kreisgruppe Dachau des Bund Naturschutz, engagierte sich Koller als Führer von ornithologischen Wanderungen und publizierte seine Erfahrungen 1982 im Buch „Vogelkundliche Wanderungen im Kreislauf der Jahreszeiten“. Die Erkenntnis, dass sich in rund 20 Jahren die Anzahl der Brutvögel fast halbiert hatte, führte 1990 zu einem Buch, das Koller laut Braun „mit Herzblut“ geschrieben hat: „Geliebtes Schwarzhölzl – Schicksal einer Landschaft im Münchner Nordwesten“. 1993 erschien „Dachauer Naturschätze – wiederentdeckt und dokumentiert anhand von Photographien aus den dreißiger Jahren“.

Die Prämie aus dem Bruno- Schubert-Preis, einem hoch dotierten Umweltpreis, investierte Josef Koller in den Kauf von Streuwiesen an der Amper bei Feldgeding, die er erforschte, aber auch fachgerecht pflegte. Damit entstand 1994 sein letztes Werk: „Die Bruno-Schubert-Wiese – Beobachtungen und Pflegemaßnahmen an einer Streuwiese an der Amper bei Dachau“.

1965 stellte er an die Regierung von Oberbayern den ersten Antrag auf Ausweisung des Schwarzhölzls zum Naturschutzgebiet. Doch erst 1994 war das Ziel erreicht. Auch die Bestandsaufnahme aller Brutvögel im Dachauer Moos ist Josef Koller zu verdanken.

Koller erhielt viele Auszeichnungen. Dem BrunoSchubert-Preis 1984 folgten 1990 der Umweltpreis der Gemeinde Karlsfeld, 1993 die Bayerische Umweltmedaille und 1999 die Goldene Verdienstnadel des Bund Naturschutz. 2006 wurde er von Bürgermeister Fritz Nustede mit der Karlsfelder Bürgermedaille geehrt. Auch eine besonders hohe Ehre wurde dem Karlsfelder zuteil: das Bundesverdienstkreuz.

Josef Koller war alleinstehend und lebte relativ zurückgezogen. Obwohl er bei der Post arbeitete, besaß er keinen Telefonanschluss.

Ein Naturidyll wird immer mit dem Namen Josef Koller verbunden sein: das Schwarzhölzl. Er hat es geliebt – und gerettet. Dem Karlsfelder Naturschützer ist es zu verdanken, dass dort heute noch viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten existieren.

Ein Rückblick aufs Jahr 1972, Olympische Spiele in München. Eine Ruderregatta- Anlage wird gebaut. Durch den Wald wird eine gewaltige Schneise geschlagen, Kolonnen von Lastwagen transportierten Aushub ins Schwarzhölzl, überschütteten das Paradies und türmten einen gewaltigen Kiesberg auf.

Josef Koller wollte nicht tatenlos zusehen, wie Tier- und Pflanzenarten weichen müssen. Der Karlsfelder nahm den Kampf auf und wurde zum „Retter des Schwarzhölzls“.

Ihm zu Ehren hat der Bund Naturschutz ein Denkmal aufgestellt. An dem Ort, der ohne ihn heute ganz anders aussehen würde.

Der Bund Naturschutz Karlsfeld veranstaltet am Donnerstag, 14. Mai, einen Gedenk-Spaziergang zu Kollers Ehren. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Brücke am Beginn des Kollerwegs. 

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