Andreas Froschmayer beschallte das Bürgerhaus
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Rockender Gemeinderat: Andreas Froschmayer beschallte das Bürgerhaus nachhaltig.

Vivaldi-Orchester brilliert beim Wasserwerke-Konzert

„Smoke on the Water“ geht nicht? Geht doch!

„Wasserwerke“ war das Motto des Frühjahrskonzerts beim Vivaldi-Orchester in Karlsfeld. Unglaublich, was Komponisten zu diesem Thema alles eingefallen ist.

Karlsfeld – In Karlsfeld wohnt bekanntlich ein musikbegeistertes Völkchen. Es applaudiert bei Konzerten gern und ausgiebig und erklatscht sich, bei welchem Orchester auch immer, diverse Zugaben. Ab und an hört man auch ein „Bravo“, alles gemäßigt begeistert. Beim Konzert des Vivaldiorchesters am Wochenende allerdings ging es gegen Ende zu wie auf einem Pop-Konzert: mit trampelnden Füßen, Anerkennungspfiffen und lauten Zugabe-Rufen. Und das, weil das Orchester noch mal alles gab, was es drauf hat, und mit einer Lust spielte, die ansteckend war. Und weil im Karlsfelder Bürgerhaus ein neuer Popstar geboren wurde: CSU-Gemeinderat Andreas Froschmayer als E-Gitarrist.

In der Programmvorschau war gefragt worden: „Können 40 Gitarren, Mandolinen, Mandolen und Kontrabässe wirklich ‚Smoke on the Water‘ spielen?“ Diesen Rock-Klassiker von Deep Purple mit dem vermutlich bekanntesten Gitarrenriff der Musikgeschichte? Naja, dachte man. Aber jetzt wissen wir es: Sie können das – zumal die E-Gitarre den rockigen Sound dazu liefert. Tief dröhnend bis röhrend, hoch jauchzend, virtuos im Solo, jagt Froschmayer die Töne und zieht auch das Orchester mit. Es macht allen einen Riesenspaß. Und das Publikum, siehe oben: „Wow!“

„Wasserwerke“ war das Motto des Frühjahrskonzertes. Unglaublich, was Komponisten zu diesem Thema alles eingefallen ist. Und faszinierend, wie Dirigentin und Leiterin Monika Fuchs-Warmhold das Programm zusammengestellt hat. Die Auswahl der Stücke von Renaissance und Barock bis hin zu zeitgenössischer Musik, bewies die große Bandbreite des Orchesters. Der Abend zeigt aber auch die Talentbreite von Fuchs-Warmhold selbst: Sie hat das Bühnenbild gestaltet, in zarten hellblauen Wassertönen. Bilder zum Thema des Dachauer Malers Tadeusz Stupka, bei dem sie Unterricht hat, sind im Foyer des Bürgerhauses zu sehen.

Die Dirigentin motiviert. Die Jüngeren, die Vivaldi-Tiger, spielen den „Regen“ von Fabian Payr so, dass man sich wie in der Natur fühlt: Erst tröpfelt er nur, dann wird er erfrischend, bis er langsam aufhört. Auch einige „Mäuse“, also die Jüngsten, machen diesmal mit. Alle sind konzentriert und mit Eifer dabei. Für ihre insgesamt drei Stücke bekommen sie viel Anerkennung vom Publikum.

Angelika Tausch und Ralf Hanrieder führen kurz und knackig, informativ und lustig durch den Abend. Karlsfeld biete sich geradezu an für das Wasser-Thema: Es hat reichlich davon, in Bächen und Seen.

Die bekannte Wassermusik von Georg Friedrich Händel kann man nicht oft genug hören. Die vier Sätze daraus für Zupfer waren ein besonderes Schmankerl. Die „Hornpipe“ bekam noch einen frischen Akzent durch die helle Flöte von Ulrike Pobel.

Überhaupt gab es viele solistische Höhepunkte bei diesem Konzert. Christine Hupfauf mit ihrem kräftigen Sopran im Lied „Flow my Tears“ von John Dowland. „Tränen“, so hatte es Angelika Tausch angekündigt, „sind Wasser in seiner emotionalsten Form.“ Darauf muss man erst mal kommen. So war es denn auch: Der Schmerz der Tränen strömte nur so aus der Stimme heraus.

Ganz das Gegenteil davon besang Julia Warmhold. „It‘s Raining Men“ kommt als witziger, bekannter Popsong ins Ohr. Sie singt ihn locker-jazzig. Und die Vorstellung, dass die Männer nur so herabregnen, ist äußerst amüsant.

Hervorragende Instrumentalsolistin ist Brigitte Rost mit ihrer Mandoline im Allegro des Concerto F-Dur „La tempesta di Mare“ von Antonio Vivaldi. Mit dem Saxophon überzeugt Martin Ziegenaus beim „Cool Blues“ – er ist echt cool swingend. Und der „Dance of Dionysus“ von Timotheus Arvanitaki gewinnt durch Jürgen Schieber am Xylophon enorm an munterer Dynamik.

Düstere Klänge bewegen im Erzählepos „La Légande de Ulisse“ von Francesco Civitareale, geboren 1959. Das ist griechische Tragödie pur, dumpf und bedrohlich braut sich das Schicksal zusammen. Die ganze Klangfülle dieses Orchesters entfaltet sich. Der Bühnenhintergrund ist nun nicht mehr sanft-blau, sondern blutig-rot.

Monika Fuchs-Warmhold ist, zusammen mit ihren jungen Musizierenden, wieder ein toller Musikabend gelungen – spannend und entspannend, dramatisch und melancholisch, gefühlvoll und lustig. Dass als Zugabe die schöne blaue Donau gezupft wurde, war das i-Tüpferl auf das Wasserwerk im Bürgerhaus.

ep

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