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Nach 14 Jahren als Leiterin geht Brigitte Speer in Ruhestand. foto: ep

Karlsfelder Büchereileiterin Brigitte Speer geht in Ruhestand

„Ein bisschen Abschiedswehmut“

„Ein bisschen Abschiedswehmut gab es schon, die letzten Wochen, wenn man sich nach und nach ausklinkt. Aber jetzt freue ich mich.“ Brigitte Speer geht nach 14 Jahren als Leiterin der Gemeindebücherei Karlsfeld in den Ruhestand.

Karlsfeld – Sie hat den riesigen Umzug aus dem Keller im Rathaus in die Räume der Sparkasse erfolgreich im Juni 2014 gemeistert. Jedes Buch, jede Zeitschrift, jede CD und DVD, überhaupt jedes Medium nahm sie in die Hand, um zu prüfen: Kann das bleiben oder muss es raus? Und dann kam der nächste Akt für die rund 22 000 Medieneinheiten: Alles musste den entscheidenden Chip bekommen, der die „Selbstverbuchung“ innen und die automatische Rückgabe außen ermöglicht. „Wenn etwas nicht korrekt verbucht ist, piepst es an den Gates.“ Wie im richtigen Leben an der Ladenschwelle. „Wir waren personell an der Grenze. Ohne diese technische Möglichkeit, selber zu verbuchen, wäre es so nicht weitergegangen.“

Die Elektronik ist unüberhörbar und unübersehbar in die Büchereien eingezogen. „Wir mussten und wir wollten mit der Zeit gehen.“ Das Angebot an digitalen Medien wurde laufend erweitert (eBooks, eAudios oder eVideos, Konsolenspiele, Playstation und Ähnliches). „Die „Onleihe“, die Ausleihe von daheim am Computer, ist längst Standard auch in Karlsfeld. Sie wird intensiv und gerne genutzt. Und die „Bibliotheks-Assistentin“ von damals heißt in diesen elektronischen Zeiten natürlich entsprechend: „Fachangestellte für Medien und Informationsdienste“, oder schlicht: „FaMi“.

„Klassisch“ gelesen wird aber immer noch, die Bücher sterben nicht aus. „Aber weniger Romane“, sagt die Diplom-Bibliothekarin Speer. „Bei den Sachbüchern haben wir sehr gute Ausleihen, etwa zur eigenen Fortbildung. Da muss man im Bestand sehr pflegen.“

Gut pflegt man in Karlsfeld auch die nachwachsenden Leser. Regelmäßig sind Kindergartengruppen zu Gast und lassen sich von den neuesten oder altgeliebten Bilderbüchern faszinieren. Und weil ja schlecht 15 Kinder in ein Buch gucken können, hilft auch hier die Technik: Mit dem Bilderbuchkino „Onilo“, einem Programm, das Bilder (über den Beamer) und Vorlesen verbindet. Jeden Donnerstag um 15 Uhr gibt es außerdem die Vorlesestunde mit der Karlsfelderin Inge Straub. Jedesmal gibt es einen Stempel, bei zehn bekommt das zuhörbegeisterte Kind ein Buch geschenkt.

Die neuen Räume ermöglichen solche Veranstaltungen besser als die alten. 300 Quadratmeter (gegenüber 200 im Rathauskeller) sind nicht das, was mal erhofft war in der Neuen Mitte mit 1000 Quadratmetern. Aber nach dem Umbau der Stadtsparkasse entstand ein Bereich, wo man nicht nur gemütlich die Tageszeitungen lesen und einen Kaffee trinken kann. „Lounge“ heißt das ja heutzutage. Etwa fünfmal im Jahr hat Brigitte Speer hier zu Lesungen eingeladen, Autoren von Neuerscheinungen oder besonders beliebte Schriftsteller. Es kommen treue Leserinnen – weniger Männer – aber auch Neugierige, die noch nie einen Fuß in die Gemeindebücherei gesetzt haben.

Der Kontakt zu den Leserinnen war Brigitte Speer immer ein großes Anliegen. „Das macht die Arbeit lebendig.“ Jetzt im neuen Domizil ist sie selbst nicht mehr „so sichtbar und ansprechbar“ wie im Rathauskeller. Deshalb geht sie manchmal extra aus ihrem abgelegenen Büro heraus und sucht diesen Kontakt.

Den wird sie anfangs vermissen, im Ruhestand. Aber sie freut sich auch auf den Garten, der brach liegt und der sich vermutlich auch auf sie freut. Einfach erholen möchte sie sich und mehr mit ihrem Mann unternehmen zu. Er geht auch in den Ruhestand. 

Elfriede Peil

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