Lärmschutzwand
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Sie muss länger werden: Die Lärmschutzwand wurde für das Altenheim Anna Elisabeth errichtet. Sie liegt 150 Meter Luftlinie entfernt von der Bebauung und endet nach der Kurve. Sie erreicht laut der BI nicht mehr die Wohnhäuser, die sich 110 Meter von der stark befahrenen B 304 befinden.

Karlsfelder wehren sich gegen Lärm

B 304: Bürgerinitiative lässt nicht locker

Zu viel Lärm, zu viele Abgase – viele, die in der Rothschwaige wohnen, haben genug: Sie fordern eine Temporeduzierung auf der autobahnähnlichen B 304 zwischen Karlsfeld und Dachau und mehr Lärmschutz. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, die Landrat Stefan Löwl kontaktierte. Doch der Landkreischef sieht wenig Chancen auf Besserung.

Karlsfeld – Es bestehe kein Rechtsanspruch auf einen „Lärmaktionsplan“, meinte Landrat Stefan Löwl gegenüber der Karlsfelder Bürgerinitiative (BI), da es sich nicht um ein Neubaugebiet handele. Außerdem seien die von der Vereinigung angeführten Lärmwerte von 67 Dezibel als 24-Stunden-Mittelwert und 57 als Nacht-Lärmindex kein „Auslösewert“ für eine solche Maßnahme. Doch die BI hält dagegen: „Im Jahr 2020 sind die Richtlinien um drei Dezibel gesenkt worden. Damit ergibt sich für die Rothschwaige ein maximal zulässiger Wert für die Nacht von 54 Dezibel. Gemessen wurden bis zu 60 Einheiten.“

Eine weitere Kernaussage von Landrat Löwl: Eine Reduzierung des Tempolimits von 100 Stundenkilometer auf 80 bringe lediglich eine Minderung des Lärms um ein Dezibel, eine Absenkung auf 60 Stundenkilometer nur drei Dezibel. Die Anwohner aber sind sich sicher: Eine Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen 22 Uhr und 6 Uhr auf 60 Stundenkilometer wäre für sie eine wünschenswerte, spürbare Entlastung.

In ihrem Antwortschreiben fragen sie deshalb Stefan Löwl, warum er das nicht als Teil der Lösung anerkennen könne. Außerdem: „Wie sehen Sie einen stationären Blitzer auf der B 304?“ Und die BI-Mitglieder möchten wissen, warum die Lärmschutzwand nicht fortgeführt wurde, „obwohl sich die Häuser der Reschenbachstraße und der Auwaldstaße größtenteils näher an der B 304 befinden als jene, die in den Genuss einer Lärmschutzwand kommen?“ Auf diese Fragen antwortete Löwl bislang nicht.

Zum Schluss, fast schon wie ein Appell, verweist die BI auf ein Video der CSU, in dem es um „Menschen geht, die die Schönheit der Natur für ihre Enkel bewahren möchten“. Und in dem Landrat Stefan Löwl seinen Trachtenjanker auszieht und nun offensichtlich kräftig anpacken will.

BI will Ärmel aufkrempeln

Die Ärmel aufkrempeln will nun auch die Bürgerinitiative. Auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten heißt es: „Wir lassen nicht locker.“ Die BI-Mitglieder sammeln in der Rothschwaige Unterschriften und wollen nachweisen, dass mindestens 50 Einwohner in einem „zusammenhängenden Gebiet“ betroffen sind, wie es nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz festgelegt ist. Sie hoffen darauf, dass sie endlich mehr Ruhe vom lästigen „Umgebungslärm“ finden – neben der B 304 liegt ja auch noch die Bahnstrecke München-Ingolstadt. Und was mit der mindestens fünfjährigen Sanierung des Allacher Tunnels alles auf die B 304 zukommt, wollen sie sich gar nicht erst ausmalen.

Schon im November hat die BI eine Online-Petition zum Lärmschutz an der B 304 gestartet. Es gab spontane Unterzeichner, auch von Gemeinderat Franz Trinkl (SPD) und dem früheren Gemeinderatsmitglied Wolfgang Offenbeck (CSU). Die BI hat auch den Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann und Bürgermeister Stefan Kolbe kontaktiert. Er bedauere, nicht weiterhelfen zu können, schrieb Hartmann, weil „der betreffende Straßenabschnitt außerhalb des Stadtgebiets und damit außerhalb meines Zuständigkeitsbereichs liegt“. Kolbe schrieb: „Ich sehe die Problematik ähnlich wie Sie. Ich werde mich mit unserem Landrat in Verbindung setzen und besprechen, welche Lösungsansätze es gibt.“

Kürzlich hat Adrian Heim vom Bündnis für Karlsfeld einen Antrag gestellt, die Gemeinde solle die BI und die Petition unterstützen. Es sei ihm klar, dass man für die geforderte Geschwindigkeitsreduzierung „einen langen Atem“ haben müsse. Ähnlich äußern sich auch Franz Trinkl und CSU-Gemeinderat Paul Offenbeck. Beide unterstützen die Forderung kräftig, wissen aber auch, dass es viel „Überzeugungsarbeit“ braucht – weil ja die Gemeinde selbst für die B 304 nicht zuständig ist, sondern das Staatliche Straßenbauamt Freising. Da wäre es am besten, „den Landrat mit ins Boot holen“, meint Trinkl. Nur wie – das bleibt nach wie vor die entscheidende Frage.

Auf der Internetplattform www.change.org hat die BI die Petition gestartet. Informationen dazu unter: http://chng.it/VkYpg8VrPv.

ep

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