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Baujahr 1997: Das Drehleiterfahrzeug der Karlsfelder Feuerwehr ist schwer in die Jahre gekommen. 

Gemeinde muss mehr als eine halbe Millionen Euro in die Hand nehmen

Karlsfelder Feuerwehr bekommt Drehleiterfahrzeug

Die Karlsfelder Feuerwehr bekommt 2022 ein neues Fahrzeug mit Drehleiter. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss des Gemeinderats am Dienstagabend einstimmig entschieden.

Angesichts der prekären Haushaltslage der Gemeinde schluckten die Gemeinderäte schwer, denn so ein Drehleiterfahrzeug kostet fast so viel wie in Karlsfeld ein Einfamilienhaus. Aber Kommandant Michael Peschke überzeugte sie mit einer detailreichen Präsentation: Die Feuerwehr braucht dieses Fahrzeug dringend!

850 000 Euro. Das ist der Preis für ein modernes Fahrzeug. 225 000 Euro schießt der Freistaat zu, zudem ließe sich das alte Drehleiterauto für 50 000 Euro verkaufen. Aber rund 575 000 Euro muss die Gemeinde selbst in die Hand nehmen.

Wie Peschke den Ausschussmitgliedern klar machte, ist eine Aufrüstung des 23 Jahre alten Fahrzeugs, das im Feuerwehrhaus steht, keine Alternative. „Die Störanfälligkeit nimmt zu“, sagte der Kommandant. Ersatzteile seien nur schwer oder gar nicht zu bekommen. Und eine Instandsetzung samt Umbau und Modernisierung koste mindestens 82 000 Euro.

Am Montag hatte es im Wachtelweg in einem Mehrfamilienhaus gebrannt (wir berichteten). Peschke und seine Kameraden waren schnell vor Ort und hatten das Feuer gelöscht. Weil sich niemand in der brennenden Wohnung aufgehalten hatte, waren gravierende Personenschäden zum Glück ausgeblieben. Dennoch machte Peschke deutlich: „Eine moderne Drehleiter hätte uns geholfen, schneller und besser zu sein.“

Das neue Fahrzeug hat viele Vorzüge. Dank des engeren Wendekreises ließe sich in den oft zugeparkten Karlsfelder Straßen leichter manövrieren, manche Straße in der Gemeinde ist für einen Einsatz des jetzigen Drehleiterwagens sogar zu eng. Aufgrund der Gelenktechnik ist auch der Drehkreis der Leiter der modernen Fahrzeuge wesentlich geringer. Der Korb lässt sich deshalb auch unter beengten Bedingungen schnell an den Einsatzort bringen. Peschke: „Zwei Meter Ausladung können über Leben und Tod entscheiden.“

Die Drehleiter kommt auch zum Einsatz, um hilfsbedürftige Patienten möglichst schonend aus höher gelegenen Stockwerken zum Erdgeschoss zu transportieren, wenn dies nicht anders möglich ist. Die maximale Traglast des Korbes ist hier ein Problem: Bei 120 Kilogramm ist Schluss. Beim modernen Fahrzeug sind es 250 Kilogramm.

Mit der Anschaffung ist das von der Feuerwehr 2017 ausgearbeitete Modernisierungskonzept des Fuhrparks abgeschlossen. Die ehrenamtlich Tätigen haben sich selbst stark eingebracht, erstellten zum Beispiel die Ausschreibungen. Über 50 000 Euro dürften sie auf diese Weise eingespart haben.

Das Drehleiterfahrzeug ist für Karlsfeld vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben. Denn im Ort gibt es alte, mehr als drei Stockwerke hohe Gebäude ohne zweiten Rettungsweg.

Der Ausschuss stimmte aus voller Überzeugung zu, wie die Wortmeldungen zeigten: „Sicherheit geht vor“ (Birgit Piroué, Bündnis für Karlsfeld), „absolut notwendig“ (Anton Flügel, Freie Wähler), „auf keinen Fall verschieben“ (Venera Sansone, SPD).

Der Kommandant verließ sichtlich erleichtert den Sitzungssaal. Er freue sich, aber gar nicht so sehr für sich und die Feuerwehr. Peschke: „Das ist eine gute Nachricht für alle Karlsfelder!“ Thomas Leichsenring

Mitglieder gesucht

Die Karlsfelder Feuerwehr ist gefragt wie nie. Allein im Juli gab es schon 16 Einsätze. Um handlungsfähig zu bleiben, werden neue Mitglieder gesucht. Seit einigen Monaten läuft eine Werbekampagne, die schon Erfolge zeigt, wie Kommandant Michael Peschke in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses sagte. Aber weitere Interessierte sind jederzeit willkommen. Mehr auf www.feuerwehr-karlsfeld.de.

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