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So könnte der Friedgarten aussehen: eine Simulation für den Karlsfelder Friedhof.

Gemeinderat diskutiert über neue Bestattungsmöglichkeiten

Konzept für einen Friedgarten in Karlsfeld

Wie sieht der Friedhof der Zukunft aus? Darüber grübelt der der Karlsfelder Gemeinderat. Vergangenes Jahr hatten Mechthild Hofner (Bündnis für Karlsfeld) und Holger Linde (CSU) beantragt, zu prüfen, ob in Karlsfeld ein Naturfriedhof oder ein Friedwald errichtet werden kann. Jetzt wurde ein Konzept vorgestellt.

Karlsfeld – Die Firma Weiher hatten ein Konzept erarbeitet, das die beiden Friedhofsexperten Stefan Lubowitzki und Jens Düsterhöft in der vergangenen Sitzung des Hauptausschusses vorstellten.

Von der Idee eines Friedwaldes ist man in Karlsfeld inzwischen abgekommen, weil der Gemeinde keine geeignete Waldfläche zur Verfügung steht. Baumbestattungen sollen künftig aber trotzdem ermöglicht werden. Die Friedhofsgestalter der Firma Weiher entwarfen dazu nun Pläne für einen Friedgarten auf der rund 300 Quadratmeter großen freien Fläche vor den Priestergräbern östlich des Kriegerdenkmals.

Im Hauptausschuss zeigten sie zwei Varianten: Bei der einen Version ist eine Gestaltung mit klaren Linien und rechteckigen Formen vorgesehen. Die andere setzt auf geschwungene Wege und eine aufgelockerte, modernere Architektur, was den Gemeinderäten über alle Fraktionen hinweg besser gefiel. Geplant sind dabei zum einen Rasen- oder Staudenflächen, in die Bäume gepflanzt werden. Um diese Bäume herum werden in den Boden Edelstahlröhren eingelassen, die Raum für zwei bis vier Urnen bieten. Die Röhren werden mit einer Platte verschlossen, die mit dem Namen des Verstorbenen beschriftet werden kann. „Das ist eine Bestattungsform, bei der die Angehörigen keinen Aufwand mit der Grabpflege haben, die aber trotzdem sehr würdevoll ist“, erklärte Lubowitzki.

Wer mit Kerzen- oder Blumenschmuck an den Verstorbenen erinnern möchte, kann diesen auf einer Blumenbank am Wegrand ablegen. Aufgelockert wird der Friedgarten durch Granit-Stelen mit Nischen für bis zu drei Urnen. Die Stelen sollen in einer Gräser- oder Kräuterbepflanzung errichtet werden. In der Mitte des Areals ist eine Rundbank vorgesehen, auf der die Trauernden Platz nehmen können. „Es soll ein kommunikativer Ort sein, der gleichzeitig aber auch die nötige Privatsphäre bietet“, sagte Lubowitzki.

Die Planer gehen davon aus, dass bis zu 44 Baumbestattungsplätze sowie bis zu 30 Stelen realisiert werden könnten. Lubowitzki riet der Gemeinde dabei, vor allem Partnergrabstätten anzubieten. „Das reicht in den meisten Fällen“, erklärte er. „Familiengrabstätten werden nur noch sehr selten nachgefragt.“ Auch in Karlsfeld gibt es bereits den Trend, dass viele Familiengräber aufgelöst werden. Zum einen sind sie vergleichsweise teuer, zum anderen leben immer mehr Angehörige weiter weg und können sich nicht um die Pflege kümmern.

Inzwischen sind 75 Prozent aller Beisetzungen Urnenbeisetzungen. Bei einigen Gemeinderatsmitgliedern kam deshalb die Frage auf, ob die geplanten Baumgräber und Stelen überhaupt ausreichend sein würden. „Wenn wir schon so etwas machen, sollte es Erweiterungsmöglichkeiten geben“, regte Holger Linde (CSU) an. Auch Beate Full (SPD) forderte eine sparsame Flächenbewirtschaftung: „Es ist sinnvoll, die Urnen eng zu setzen.“

Friedhofsexperte Lubowitzki aber war skeptisch: „Wenn wir es zu voll laden, wirkt es nicht mehr“, gab er zu bedenken. „Zum Abschied nehmen möchte man auch mal alleine sein.“ Er riet der Gemeinde, eine Gesamtkonzeption zu erstellen, wie sich der Friedhof entwickeln soll.

Tendenziell würde der Flächenbedarf durch die Auflösung von Erdgräbern eher abnehmen, darum bräuchte es eine aktive Steuerung der Friedhofsbelegung, damit „der Flickenteppich wieder zu etwas Ganzem wird“, erklärte er. Auch Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) sprach sich für eine Folgeuntersuchung aus. Die Gemeinderäte werden jetzt erst einmal in den Fraktionen über das Thema beraten.

Bei der Ausschusssitzung zeichnete sich bereits eine Tendenz ab, dass viele dem Konzept offen gegenüber stehen. Peter Neumann (Bündnis für Karlsfeld) aber hätte sich eine etwas naturnahere Lösung gewünscht. „Hier sieht alles gleich aus“, bemängelte er. „Die Stelen erinnern mich eher an eine Lautsprecherbox als an eine Bestattungsstätte.“

Noch geklärt werden muss auch die Kostenfrage. Laut einer groben Schätzung könnten für das Anliegen der Flächen netto zwischen 18 000 und 24 000 Euro anfallen, dazu kämen rund 12 000 Euro für die Urnenerdrohrsysteme sowie 20 000 bis 22 000 Euro für die Stelen. Claudia Schuri

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