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Die Ludl-Kapelle heißt Ludl-Kapelle, weil Anna Ludl sie erbauen ließ. Nach Anna Ludl wird nun auch die größte Straße des Baugebiets benannt.

Anna-Ludl-Straße, Muro-Lucano-Platz

Karlsfelder Gemeinderat hat sich Straßenbenennung im neuen Ludl-Wohn-Quartier nicht leicht gemacht

Auf dem Ludl-Gelände auf der Westseite der Münchner Straße entsteht auf 3,6 Hektar ein neuer Ortsteil. Die Straße, die hineinführt, bekommt den Namen Anna-Ludl-Straße. Das hat der Gemeinderat am Donnerstagabend einstimmig beschlossen. Vorausgegangen war die Empfehlung des Hauptausschusses.

Der Hauptausschuss war mit seiner Zustimmung am Tag zuvor dem Vorschlag der Grünen gefolgt, die Straße nach Anna Ludl zu benennen. Anna Ludl, geborene Wildmoser, ließ die im Jahr 1900 fertiggestellte Ludl-Kapelle errichten. Die kleine Kapelle steht immer noch an der Münchner Straße – ganz allein. Der alte Ludl-Hof und das Sommerhaus sind schon abgerissen worden. Die Kapelle ist das einzige denkmalgeschützte Gebäude in der Gemeinde Karlsfeld.

Zwei weitere Namensvorschläge hatten die Gemeinderatsfraktionen in den vergangenen Tagen intern diskutiert: Ludl-Straße und Alois-Ludl-Straße. Es sei zu befürchten, dass in der Öffentlichkeit aus einer offiziellen Ludl-Straße bald eine Lidl-Straße werden könnte, warnte Bernd Wanka, Fraktionsvorsitzender der CSU. Der Discounter will seine Filiale von der Nibelungenstraße in das neue Wohnquartier verlegen.

Alois Ludl war von 1939 bis 1945 der erste Bürgermeister der jungen politischen Gemeinde Karlsfeld. Er war Mitglied der NSDAP, aber wohl kein glühender Nationalsozialist. Ludl half zum Beispiel KZ-Häftlingen. Eine Straße nach einem Bürgermeister der NS-Zeit zu benennen, hielt der Hauptausschuss dennoch nicht für ratsam.

Gemeinderätin Cornelia Haberstumpf-Göres (Grüne) hat sich die Mühe gemacht und nach Männern benannte Karlsfelder Straßen und nach Frauen benannte gezählt. Das Verhältnis verändere die aktuelle Entscheidung natürlich nur in geringem Maße, teilte sie schmunzelnd ihren Kolleginnen und Kollegen mit, „es liegt jetzt bei 43:6 – fürs Protokoll“.

Der Platz inmitten des Ludl-Areals erhält den Namen Muro-Lucano-Platz. Das beschloss der Gemeinderat am Donnerstag einstimmig. Muro Lucano ist seit 2011 Partnergemeinde von Karlsfeld.

Peter Neumann (Bündnis für Karlsfeld) hatte allerdings Bedenken. Der Platz sei zu klein, er werde der Bedeutung der Gemeindepartnerschaft nicht gerecht, sagte er am Mittwoch im Hauptausschuss. Neumann schlug vor, die Karlsfelder über den Platznamen abstimmen zu lassen – eine Idee, die auch Venera Sansone (SPD) begrüßte. Dies lehnte die Mehrheit ab. Haberstumpf-Göres sagte, dass ein Platz in der öffentlichen Wahrnehmung „eine höhere Wertigkeit“ als eine Straße habe.

Einig war man sich bei der dritten und letzten Benennung: Der Weg, der zur Ludl-Kapelle führt, soll schlicht Kapellenweg heißen. Thomas Leichsenring

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