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Mit Bürgermeisterkandidatin Birgit Piroué (mit schwarz-weißer Jacke) an der Spitze geht das Bündnis für Karlsfeld in den Wahlkampf. Die größte Überraschung auf der Liste ist CSU-Gemeinderat Holger Linde (mit Krawatte). 

CSU-Mann kandidiert auf Bündnis-Liste

Karlsfelder Gemeinderat Holger Linde wechselt die Seiten

Das Bündnis für Karlsfeld hat Birgit Piroué einigermaßen überraschend zur Bürgermeisterkandidatin gekürt (wir berichteten). Bei der Nominierungsversammlung im Sportheim sorgte allerdings eine andere Personalie für weitaus mehr Verblüffung: Mit Holger Linde wird ein langjähriger CSU-Gemeinderat bei der Kommunalwahl im März 2020 auf der Bündnis-Liste kandidieren.

Seit 1993 sitzt Holger Linde für die Christsozialen im Karlsfelder Gemeinderat, aktuell ist er Finanzreferent der Gemeinde. Seine Arbeit werde jedoch von der CSU-Fraktion und vor allem von Bürgermeister Stefan Kolbe nicht angemessen wertgeschätzt, so der 68-Jährige gestern. Bei der Nominierungsversammlung habe man ihm nur einen Platz weit hinten auf der Liste angeboten. „Das war wohl ein Denkzettel dafür, weil ich bei CSU-Veranstaltungen nicht so viel Präsenz gezeigt habe.“

Enttäuscht sei er vor allem von Bürgermeister Stefan Kolbe. „Wenn er meine Arbeit weiterhin im Gemeinderat gewollt hätte, hätte er dafür gesorgt, dass ich auf der Liste einen Platz weiter vorne bekomme.“ Dabei habe er, Linde, den damaligen Rathausbeamten Stefan Kolbe vor der Wahl 2008 doch überhaupt erst zur Kandidatur um das Bürgermeisteramt gebracht. Linde: „Ich habe ihn gewissermaßen entdeckt.“

Das Bündnis habe ihm im Gegensatz dazu einen guten Listenplatz verschafft (Linde kandidiert auf Platz 7). So habe er eher die Möglichkeit, „weiter für die Bürger in Karlsfeld zu arbeiten“.

Über seinen Entschluss habe er seine Gemeinderatskollegen und Bürgermeister Kolbe per E-Mail informiert. Linde wird auch die CSU verlassen.

Bei manchem strittigen Thema wird Linde als Bündnis-Gemeinderat seine über Jahre vertretende Position überdenken müssen. Vor allem beim Gewerbegebiet, das Karlsfeld an der Schleißheimer Straße an der Grenze zu Dachau bauen möchte. Dieses Gewerbegebiet hatte Linde als CSU-Mann und Finanzreferent mehrfach und unmissverständlich gefordert, um mehr Steuereinnahmen zu generieren. Das Bündnis hingegen lehnte das Gewerbegebiet stets ab. „Aber beim Bündnis gibt es keinen Fraktionszwang“, sagte Linde gestern dazu.

Bis vor wenigen Wochen war nicht klar, ob das Bündnis überhaupt einen Kandidaten oder eine Kandidatin für die Bürgermeisterwahl aufstellen wird. Dass Birgit Piroué antreten würde, dürften die Wenigsten erwartet haben. Eher hatte man mit einer erneuten Kandidatur von Fraktionssprecherin Mechthild Hofner oder einer Kandidatur von Bündnis-Vorstand und Gemeinderat Adrian Heim gerechet.

Piroué lebt seit 25 Jahren in Karlsfeld und vertritt das Bündnis seit 2014 im Gemeinderat. Die 61-Jährige war und ist vielfältig ehrenamtlich aktiv, aktuell zum Beispiel als Vizepräsidentin des TSV Eintracht Karlsfeld. Sie wolle sich für eine „bürgerfreundliche Gemeindeentwicklung einsetzen, weil ich überzeugt bin, dass wir der nachfolgenden Generation ein schönes Karlsfeld übergeben müssen“, so Birgit Piroué in ihrer Vorstellungsrede zur Motivation, warum sie zur Bürgermeisterwahl antritt. Sie bat um Unterstützung im Wahlkampf: „Zukunft für Karlsfeld – gemeinsam gestalten! Wir wollen, wir können, wir machen!“

Anschließend stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeinderatsliste vor. Die vom Vorstand vorgeschlagene Liste mit 30 Frauen und Männern wurde ebenfalls einstimmig von der Mitgliederversammlung gewählt.

Auf den vorderen Plätzen der Gemeinderatsliste kandidieren neben Birgit Piroué als Listenführerin mit Adrian Heim, Mechthild Hofner, Peter Neumann und Bernd Rath wieder alle aktuellen Mandatsträger. Auf Platz zehn kandidiert Marco Brandstetter, der nach einer Wahlperiode Pause die Rückkehr in den Gemeinderat anstrebt. Weitere bekannte Namen auf der Bündnis-Liste sind Marion Matura-Schwarz, Bund-Naturschutz-Vorsitzende in Karlsfeld, und Toni Cremers, ehemaliger Präsident des TSV Eintracht Karlsfeld.

Zum Schluss diskutierten die Mitglieder noch über die Erwartungen an die kommende Wahl, bei der erstmals seit der Bündnis-Gründung die Grünen wieder mit einer eigenen Liste antreten. „Ich bin überzeugt davon, dass beide Listen zusammengerechnet mehr Wählerstimmen bekommen werden als das Bündnis für Karlsfeld alleine. Beim aktuellen Höhenflug der Grünen sollte es möglich sein, gemeinsam mehr als 30 Prozent der Gemeinderatssitze zu gewinnen“, so Bündnis-Vorstand Adrian Heim. 

Die Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl:

  • 1. Birgit Piroué (auch Bürgermeisterkandidatin); 
  • 2. Adrian Heim; 
  • 3. Mechthild Hofner; 
  • 4. Peter Neumann; 
  • 5. Anette Hager;
  •  6. Bernd Rath; 
  • 7. Holger Linde; 
  • 8. Dursun Kilic; 
  • 9. Christoph Holzner; 
  • 10. Marco Brandstetter; 
  • 11. Bärbel Lehmann; 
  • 12. Belen Vasquez-Torres; 
  • 13. Robert Brauneis; 
  • 14. Jutta Fischer; 
  • 15. Ernst Lindorfer; 
  • 16. Yvonne Rubik; 
  • 17. Jakob Stärk; 
  • 18. Robert Isztl; 
  • 19. Martin Kristmann; 
  • 20. Anita Bartling; 
  • 21. Sven Groll; 
  • 22. Klaus Schwingeler; 
  • 23. Sebastian Hofner; 
  • 24. Elfriede Holzer; 
  • 25. Antje Hauger; 
  • 26. Sebastian Paintner; 
  • 27. Jochen Seyboth; 
  • 28. Marion Matura- Schwarz; 
  • 29. Erika Seidenspinner; 
  • 30. Toni Cremers. 
  • Ersatzkandidat ist Armin Wagner.

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