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Immer für Späßchen zu haben: Günter Meikis (rechts) irgendwann in den 90er Jahren bei einer Faschingsveranstaltung mit Ex-Bürgermeister Fritz Nustede.

Der Häufelkönig von 1990 macht Schluss

Der Karlsfelder Günter Meikis zieht sich nach drei Jahrzehnten aus der Kommunalpolitik zurück

Karlsfeld – Man wird ihn vermissen. Wenn Günter Meikis sich ab den Wahlen im März aus der Kommunalpolitik zurückzieht, fehlt nicht nur sein Sachverstand bei den Beratungen. Auch seine witzigen Kommentare und Sprüche, mit denen der 78-Jährige so manche staubtrockenen Sitzungen auffrischte, werden fehlen. Aber sein Entschluss steht fest: Aus gesundheitlichen und aus Altersgründen kandidiert Günter Meikis bei der Kommunalwahl am 15. März nicht mehr, nicht für den Karlsfelder Gemeinderat, nicht für den Kreistag.

„Einen 78-Jährigen braucht man nicht in die Gremien schicken, die Politik braucht junge Leute.“ 30 Jahre hat Meikis sich ehrenamtlich für das Gemeinwesen eingesetzt. Sein Engagement würdigte die Gemeinde Karlsfeld mit Verleihung des Goldenen Ehrenrings im Jahr 2015.

Meikis sitzt seit 1990 für die SPD im Gemeinderat, er ist damit das dienstälteste Mitglied des Gremiums. Seit 2002 ist er Mitglied des Kreistags. Er war zeitweise Fraktionsvorsitzender, 2. Bürgermeister, Werkreferent und Baureferent. In dieser Funktion ärgerte er sich oft über die vielen Paragrafen und Bauvorschriften, etwa wenn eine Gaube nur 75 Zentimeter breit sein durfte und nicht, wie vom Antragsteller gewünscht, 150 Zentimeter. „Dann verändern wir doch die Gaubensatzung“, forderte er. Aber die Bürokratie war stärker.

In einem anderen Fall wurde ein Bauantrag nicht genehmigt, weil ein Betrieb angeblich zu viel Lärm machte. Ein Ortstermin ergab für ihn: „Da hörte man nur die Vöglein zwitschern.“ Aber auch das überzeugte nicht.

Gerne erinnert er sich dagegen an die Kämpfe um einen Fußweg entlang des Krebsbaches. Der wurde erst heftig abgelehnt, und dann doch Stück um Stück verwirklicht – und ist jetzt einer der beliebtesten Spazierwege.

„Die Politik braucht junge Leute!“ Günter Meikis kandidiert nicht mehr.

In die Politik kam Günter Meikis quasi über den Humor. Als Mitglied in der Handballabteilung des TSV Eintracht Karlsfeld setzte er nur zu gerne die Auffassung des damaligen Leiters Paul Kotzok um, der meinte: „Wenn wir Sport machen, müssen wir auch was für die Kultur tun.“ Und so wurde Meikis Mitbegründer und Namensgeber des TSV-Brettls und avancierte in der Theatergruppe des Vereins zum beliebten Schauspieler. Er schrieb auch selber Stücke und Sketche, die zum Kaputtlachen waren wie die „Fidele Gemeinderatssitzung“ oder der berühmte Sketch mit Alfred Mertl auf dem Starkbierfest „Don Carlos und Don Alfredo“.

Es darf vermutet werden, dass ihn dieser Sinn für Spaß und Spiel auch bei seiner ersten Gemeinderatswahl von Listenplatz 18 auf Platz acht katapultiert hat – Meikis war einfach bekannt und beliebt und wurde somit zum Häufelkönig.

Sein komödiantisches Talent konnte man auch viele Jahre genießen beim SPD-Kabarett, den „Red Socks and Roses“. Unvergessen seine Loriot-Auftritte mit dem berühmten „Frühstücksei“ oder die Parodie auf Bernhard Grzimek mit der Hund-Katze-Kombi: „Die Hundtze.“

Wenn Günter Meiskis aus seinem Leben erzählt, dann spürt man: Seine Frau Gisela ist der ganz große Halt. Er lernte sie bei der MAN kennen und kommentiert auch das mit Witz. Weil sie einmal beide eine Verletzung hatten und sich zum Verbandswechsel beim Betriebssanitäter trafen, sagte er zu ihr: „Verbunden sind wir Schwachen stark.“

Sie heirateten 1966, haben drei Töchter und sieben Enkelkinder und sind oft als Großeltern gefragt.

Zu seinem 70. Geburtstag besuchte Günter Meikis seine Geburtsstadt Klaipeda in Litauen, früher das ostpreußische Memel. Die abenteuerliche Flucht mit Mutter und Großmutter und den vier Geschwistern im Oktober 1945 begann mit dem „Schippern im Minensuchboot über die Ostsee.“ Sie erlebten die Bombardierung von Dresden mit, kamen über Prag nach Österreich und langten schließlich in einem Lager in Allach an. „Das war eigentlich der Beginn der Karlsfelder Karriere“, sagt er schmunzelnd. Nach der achten Klasse Volksschule machte Meikis eine Lehre zum Werkzeugmacher bei MAN-Turbomotoren, besuchte parallel die Abendschule zur Mittleren Reife und studierte dann am Oskar-von Miller-Polytechnikum mit dem Maschinenbau-Ingenieur als Abschluss. Bei der MTU arbeitete Meikis bis zum Renteneintritt im Jahr 2005.

Man kann ihm stundenlang zuhören, wenn er aus seinem Leben erzählt, immer gewürzt mit einer Prise oder auch einer kräftigen Dosis Humor. Wie gesagt, man wird ihn in der Politik vermissen. Aber die persönlichen Begegnungen bleiben. Zum Glück. Elfriede Peil

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