Ein Gebäude mit Bäumen und Himmel
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Es hat eine Zukunft: Einstimmig entschied sich der Karlsfelder Gemeinderat für die Sanierung des Hallenbads. Die befürchtete Schließung ist vom Tisch.

Gemeinderat fällt einstimmige Entscheidung

Doch nicht geschlossen: Karlsfelder Hallenbad wird saniert

  • vonThomas Leichsenring
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Das Karlsfelder Hallenbad wird nicht geschlossen. Der Gemeinderat hat am Donnerstagabend einstimmig entschieden, dass das Bad saniert werden soll. Die finanziell schwer angeschlagene Gemeinde leistet sich damit ein weiteres Großprojekt – für rund elf Millionen Euro.

Karlsfeld – Karlsfeld ist klamm, die Auswirkungen der Corona-Krise haben die finanzielle Situation massiv verschlimmert. In den vergangenen Wochen wurde deshalb immer häufiger darüber spekuliert, ob das sanierungsbedürftige und im laufenden Betrieb teure Hallenbad geschlossen werden könnte. Doch der Gemeinderat stimmte einhellig für den Erhalt: Das Bad wird für elf Millionen Euro saniert.

Kritik sind Gemeinderäte gewohnt, Applaus bekommen sie selten. Am Donnerstagabend wurde ihre Entscheidung pro Baderhalt von den rund 30 Zuhörern im Festsaal des Bürgerhauses beklatscht. Die relativ hohe Zahl von Sitzungsbesuchern zeigte, wie wichtig den Karlsfeldern ihr Hallenbad ist. Vor der Sitzung wurde an Bürgermeister Stefan Kolbe eine Liste mit 347 Unterschriften übergeben, zudem waren Gemeinderäte in den vergangenen Tagen vielfach von Karlsfelder Bürgern kontaktiert und um ein Bekenntnis zum Bad aufgefordert worden.

Marco Mühlenhoff von der Abteilung Gebäudemanagement der Gemeinde stellte in der Sitzung einige „Denkmodelle“ vor, wie das hochdefizitäre Bad nach einer Sanierung deutlich wirtschaftlicher betrieben werden könnte. „Das Hallenbad hat viel Potenzial“, sagte Mühlenhoff.

Eine Erhöhung der Eintrittspreise sei nicht empfehlenswert, „hier sind wir am Limit angenommen“. Aber es gebe einige Möglichkeiten, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Das Bad könnte zum Beispiel privaten Anbietern von Schwimmkursen zur Verfügung gestellt werden, hier sei der Bedarf enorm. Man könnte weitere Veranstaltungen im Bad anbieten, eine Ausweitung der Öffnungszeiten etwa mit Frühschwimmer- und Mondscheintarifen wäre eine weitere Möglichkeit. Hinzu komme, dass ein saniertes und demnach technisch wieder modernisiertes Hallenbad im laufenden Betrieb günstiger werde.

Das Karlsfelder Hallenbad ist genau 50 Jahre alt. Im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte wurden immer wieder Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen. Doch jetzt ist eine umfangreiche Komplettsanierung nötig, wenn das Bad langfristig erhalten werden soll. Schäden gibt es in allen Bereichen. Das Dach ist in schlechtem Zustand, Böden, Wände und Decken müssen gemacht werden, ebenso die Fassade. Im Gegensatz zum 1998 sanierten Schwimmerbecken ist das Springerbecken 50 Jahre alt und unsaniert. Die Technik ist in vielen Bereichen nicht mehr auf dem Stand der Zeit, zudem sollen der Umkleidebereich und der Eingangsbereich umgestaltet werden.

Die Gemeindeverwaltung legte dem Gemeinderat eine Zeit- und Finanzplanung vor. Demnach müssen für die Sanierung von 2021 bis 2026 insgesamt elf Millionen Euro in die Hand genommen werden.

Dieses Geld hat Karlsfeld nicht. Eine Finanzierung des Großprojekts ist nur über weitere Kredite möglich. Ob die Gemeinde staatliche Fördergelder für die Hallenbadsanierung erhalten wird, ist noch unklar. In der ersten Runde eines Bundesförderprogramms fand Karlsfeld keine Berücksichtigung (wir berichteten).

Beate Full (SPD) sagte, sie bezweifle, dass die Rechtsaufsicht im Landratsamt eine weitere Kreditaufnahme ohne Weiteres genehmigen würde. Eine Gegenfinanzierung ist ihrer Auffassung nur über die Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuer machbar.

Letztlich aber stimmte auch die SPD-Fraktion für die kostenintensive Sanierung des Hallenbads. „Man sieht, wir haben ein gemeinsames Ziel“, sagte Bürgermeister Stefan Kolbe, „den Erhalt unseres Hallenbads.“

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