Ein Mann hebt eine Matratze aus dem Bettkasten.
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Völlig rat- und hilflos: Norbert Seidl aus Karlsfeld leidet unter Dauerbrummgeräuschen, deren Ursprung bislang nicht lokalisiert werden konnte. Um schlafen zu können, tauschte er sogar seine Matratze aus.

Seit einem Jahr Panik vor dem Schlafengehen

Wie im Horrorfilm: Mysteriöses Geräusch sucht Karlsfelder Paar jede Nacht heim - „Es ist nicht mehr auszuhalten“

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Wenn die Schlafenszeit hereinbricht, dann wird es Norbert Seidl jeden Abend angst und bange. Seit über einem Jahr vibriert es in seinem Haus in Karlsfeld, und es brummt.

Karlsfeld – Angenehmes Wohnklima, ruhige Lage, gute Nachbarschaft – Norbert Seidl (56) lebte seit Jahrzehnten zufrieden in seiner Doppelhaushälfte in der Schützenstraße in Karlsfeld. Doch dann kamen sie: die Dauervibrationen und Brummgeräusche. Seit Sommer 2019 und bis heute plagen sie Norbert Seidl und seine Lebensgefährtin Monika Schmucker (52), die mit im Haus wohnt, unentwegt. „Tagsüber machen sie keine Probleme“, sagt der Betriebselektriker bei der Stadt München, „aber nachts ist es dramatisch!“

Seltsames Geräusch raubt Paar in Karlsfeld (Dachau) den Schlaf

Dramatisch deshalb, weil die Emissionen durch den Fehlboden in dem Altbau verstärkt werden. So sehr, dass sich „eine gesundheitliche Beeinträchtigung aufgrund von Schlafstörungen und inzwischen Muskel- und Gliederschmerzen eingestellt hat“, so Nobert Seidl.

Karlsfelder tauschen ihre Matratzen - doch auch das bringt keine Linderung

Der Hausbesitzer und seine Partnerin tauschten ihre Federkernmatratzen gegen Matratzen aus Kaltschaum. „Die Federkerne hatten sich samt Fehlboden in Resonanzschwingungen versetzt, und Schlaf ist somit unmöglich geworden“, so Seidl. Zwar wurde es besser, nicht zuletzt, weil er neben neuen Matratzen auch noch eine Antivibrationsmatte unter das Bettgestell legte, dennoch seien die Vibrationen und das Brummen „wegen der langen Dauer nicht mehr auszuhalten“, so der 56-Jährige.

Detektivarbeit bei den Nachbarn: Bei Betondecken ist das Geräusch nicht da

Doch woher rühren die unerträglichen Vibrationen und Geräusche? „Um Störquellen ausschließen und eingrenzen zu können, haben wir bereits mit allen unmittelbaren Nachbarn Kontakt aufgenommen, gemeinsam nach möglichen Ursachen geforscht und sogar den Strom abgeschaltet.“ Das Fazit nach der „Detektivarbeit“: Seidl und seine Nachbarn stellten zwar fest, dass das Vibrieren und Brummen in Häusern mit Betondecken – wie es sie etwa auch der benachbarten Doppelhaushälfte gibt – nicht zu spüren bzw. hören ist. Nur: Woher die Störungen letztenendes herrühren, fanden sie nicht heraus.

Selstsames Geräusch in Karlsfeld: Verdacht fällt auf Pumpen - doch...

Einen Verdacht hat Seidl: die seit Frühjahr 2019 laufenden Arbeiten für den Neubau der Verbandsgrundschule in rund 240 Metern Entfernung. Dort waren Grundwasserpumpen im Einsatz, überdies noch Trocknungsgeräte. Der 56-Jährige wollte es genau wissen und schaltete das Landratsamt Dachau ein. Mitarbeiter aus dem Sachgebiet Technischer Umweltschutz begaben sich vor Ort und forschten nach. Das Ergebnis war für den geplagten Hauseigentümer ernüchternd.

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Die Grundwasserpumpen liefen nur bis Februar 2019, waren also zum Zeitpunkt, als die Störungen begannen, bereits abgeschaltet. Und die Trocknungsgeräte auf der Baustelle laufen erst seit Ende Oktober, wie Landratsamt-Pressesprecher Wolfgang Reichelt versichert. „Die Quelle, die uns der Hausbesitzer genannt hat, scheidet eigentlich aus.“ Immerhin: Laut Reichelt habe seine Behörde nach Rücksprache mit dem für den Schulbau zuständigen Architektenbüro erreichen können, dass die Trocknungsgeräte „schwingungsdämpfend aufgestellt werden“. Doch wenn es nicht die Schulbaustelle ist, wer oder was dann?

Seltsames Geräusch in der Nacht - Experte: Alles ist möglich

Alles Mögliche kommt infrage, so der Tenor eines Experten. Dr. med. Johannes Mayer aus Friedberg ist Mediziner und Fachmann auf dem Gebiet von störenden Emissionen. Er nennt etwa Gebläse, Lüftungen oder Motoren. Oft befänden sich solche Quellen in unmittelbarer Nähe und man ahne das nicht. Doch sie könnten der Grund für ein Vibrieren oder Brummen sein. Oder etwa Biogasanlagen oder die Lüftungsanlagen von Viehställen, „die können über eine Entfernung von bis zu eineinhalb Kilometern spürbar sein“, so Mayer. Er verweist auf Methoden, bei denen man genau unterscheiden könne, ob es sich etwa um Infraschall oder tief frequente Geräusche handele. Wisse man das, dann könne man auf das Gerät schließen. „Doch diese Messungen sind aufwendig und sehr teuer“, so Mayer.

Norbert Seidl und seine Partnerin sind nun „völlig rat- und hilflos“, wie sie sagen. Seidl hat sogar daran gedacht fortzuziehen und sein Haus zu vermieten. Nur: Er könne doch keinem Mieter zumuten, in einem Haus zu leben, indem es unaufhörlich vibriert und brummt.

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