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Drei Badeunfälle an Baggersee: Verunglückter Schwimmer in Lebensgefahr ‒ „wird nie mehr der Alte sein“

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Von: Stefanie Zipfer

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Der Rettungshubschrauber musste am Sonntag zweimal am Karlsfelder See landen.
Der Rettungshubschrauber musste am Sonntag zweimal am Karlsfelder See landen. © wasserwacht

Drei Badeunfälle haben sich am Sonntag im Karlsfelder See ereignet. Zwei endeten glimpflich, auch dank des beherzten Eingreifens von Passanten. Der dritte Fall aber hat schwerwiegende Folgen.

Karlsfeld – Der vergangene Sonntag eignete sich perfekt für einen Ausflug an den Karlsfelder Badesee: Es war sonnig und warm, das Wasser glasklar und erfrischend. Laut Oliver Welter, Vorsitzender der Dachauer BRK-Kreiswasserwacht, herrschte entsprechend viel Andrang im und um den See: „Es war ziemlich voll.“

Drei Badeunfälle am Karlsfelder See: Badegäste retten zwei verunglückte Schwimmer

Diesem Umstand – und dem beherzten Eingreifen einiger Badegäste – aber verdanken zwei Schwimmer vermutlich ihr Leben. Wie die Wasserwacht berichtet, kam es am Sonntag nämlich zu drei Badeunfällen, bei denen die Einsatzkräfte gemeinsam mit hilfsbereiten Passanten Schlimmeres verhindern konnten.

Der erste Unfall ereignete sich laut Welter gegen 12 Uhr. Ein vorerkrankter Mann mittleren Alters erlitt im Wasser einen „medizinischen Notfall und konnte sich nicht mehr aus eigener Kraft über Wasser halten“, wie der Wasserwacht-Chef es formuliert. Ein Stand-Up-Paddler, also ein Stehpaddler, bemerkte die Notlage des Mannes, zog ihn aus dem Wasser und transportierte ihn auf seinem Brett in Richtung Ufer. Dort übernahmen die Retter der Wasserwacht die medizinische Versorgung des Patienten, der schließlich vom Rettungsdienst ins Krankenhaus transportiert wurde.

Der zweite Unfall, ein ähnlicher Notfall, ereignete sich direkt im Anschluss. Ein 82-jähriger Mann aus dem Landkreis Dachau erlitt im Wasser einen Schwächeanfall und ging unter, wobei auch in diesem Fall andere Badegäste sofort reagierten, den Notruf 112 wählten und den Mann aus dem Wasser ans Ufer holten, wo dieser wieder zu sich kam und ärztlich versorgt wurde.

Der dritte Unfall endete dann aber leider nicht so glimpflich. Gegen 14.20 Uhr verschwand ein 40-jähriger Münchner direkt unterhalb der Uferkante im Wasser. Wie Welter erklärt, weisen im Prinzip alle oberbayerischen Baggerseen – als ehemalige Kiesgruben – das gleiche Profil auf: Nach einem flachen Einstieg fällt der See dann plötzlich steil ab – was vor allem für Nichtschwimmer ein Problem ist und andernorts, so Welter, „immer wieder zu Unfällen führt“.

Auch in Karlsfeld breche der Seegrund „plötzlich ab“; dass es dort aber bislang „Gott sei Dank kein Problem“ deswegen gegeben habe, erklärt Welter damit, dass das Wasser in Karlsfeld zumeist sehr klar und eine Sicht bis auf den Grund möglich ist. Warum der 40-Jährige an der Kante unterging, ist laut Polizei und Wasserwacht noch nicht klar. Medizinische Gründe, so viel steht zumindest fest, waren es nicht.

Schwimmer verunglücken im Karlsfelder See: Badegäste reagieren auf der Stelle

Nach dem Verschwinden des Mannes funktionierte auch hier die Rettungskette: Badegäste alarmierten – unter Angabe der Rettungssäulennummer – die Integrierte Leitstelle 112, andere riefen die Wasserwacht, wieder andere suchten den Untergegangenen.

Nach quälend langen Minuten erkannte schließlich ein Schwimmer in fünf Metern Tiefe den bereits bewusstlosen Münchner. Zwei Wasserretter holten den Mann aus dem Wasser, brachten ihn ans Ufer und begannen mit der Reanimation. Gemeinsam mit dem mittlerweile eingetroffenen Rettungsdienst und den THW-Ersthelfern gelang die Wiederbelebung.

Kampf ums Überleben: Schwimmer bewusstlos am Grund des Karlsfelder See

Als der Patient laut Welter nach einer halben Stunde „immerhin Kreislauf hatte, aber kein Bewusstsein“, wurde er per Rettungsheli ins Klinikum Großhadern geflogen. Dort kämpft er nun weiter um sein Leben. Sicher dürfte sein, so Welter, dass der 40-Jährige – selbst wenn er aus dem Koma erwachen sollte – nach so vielen Minuten unter Wasser und damit ohne Sauerstoff – „nie mehr der Alte sein wird“.

Die Hilfsbereitschaft war enorm! Gaffer, die im Weg stehen und mit dem Handy den Einsatz filmen, sind eine Ausnahme geworden.

Oliver Welter, Vorsitzender der Kreis-Wasserwacht

Wasserwachts-Vorsitzender Welter betont jedoch, auch namens seiner Kollegen, dass sich die Badegäste, trotz dieses tragischen Unfalls, einwandfrei verhalten hätten: „Die Hilfsbereitschaft war enorm! Gaffer, die im Weg stehen und mit dem Handy den Einsatz filmen, sind eine Ausnahme geworden.“

Badeunfall am Karlsfelder See: Mit gutem Beispiel voran

Grundsätzlich gehe es bei Unglücken dieser Art um Schnelligkeit, wie der Rettungsprofi betont. Augenzeugen von Unfällen sollten sich daher am Beispiel der helfenden Badegäste vom Sonntag orientieren: „Einer hat den Rettungsversuch unternommen, ein anderer parallel den Notruf gerufen und die Nummer des Rettungspunkts dazu gesagt.“ Zehn dieser nummerierten Notfall-Schilder gibt es derzeit rund um den See; für die Einsatzkräfte sind sie laut Welter Gold wert. Denn: „Sie stellen zu 95 Prozent sicher, dass Patient und Retter sich schnell finden.“ Stefanie Zipfer

Ursprungsmeldung vom 13. Juni, 9.43 Uhr: : Gleich drei lebensrettende Einsätze mussten die Wasserretter am Karlsfelder See am Sonntag bewältigen, zwei Patienten verdanken ihr Leben dem beherzten Einsatz anderer Badegäste!

Gegen 12 Uhr wurde die Wachmannschaft auf einen SUP-Fahrer aufmerksam, der einen Schwimmer aus dem Wasser aufnahm, wie die Wasserwacht in einem Pressebericht mitteilte.

Dieser konnte sich aufgrund eines medizinischen Notfalls nicht mehr aus eigener Kraft über Wasser halten und drohte unterzugehen, am Ufer übernahmen die Retter der Wasserwacht die medizinische Versorgung des Patienten der schließlich vom Rettungsdienst ins Krankenhaus transportiert wurde.

Dauereinsatz für Wasserwacht am Karlsfelder See: Andere Badegäste reagieren sofort

Direkt im Anschluss ereignete sich ein ähnlicher Notfall, ein 82-jähriger Mann aus dem Landkreis erlitt im Wasser einen Schwächeanfall und ging unter, andere Badegäste reagierten sofort, wählten den Notruf 112 und holten den Mann aus dem Wasser ans Ufer, wo dieser wieder zu sich kam.

Die Wasserwacht räumt zur Landung des Rettungshubschraubers die Halbinsel und versorgt den Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.

Karlsfelder See: Wasserwacht rettet Mann vor dem Ertrinken

Der dritte Einsatz hat leider kein derart positives Ende gefunden – gegen 14.20 Uhr hörten die Retter Hilferufe, zeitgleich ging über die 112 ein Notruf bei der Leitstelle ein: Bei Rettungspunkt 4 rief ein Mann um Hilfe und ging schließlich unter – das Rettungsboot der Wasserwacht war mit zwei Wasserrettern sofort zur Stelle, gemeinsam mit Badegästen suchten sie die Uferkante ab.

Ein Badegast erkannte in etwa fünf Metern Wassertiefe den Ertrunkenen – zwei Wasserretter holten den leblosen Mann aus der Tiefe und brachten ihn ans Ufer. Gemeinsam mit Ersthelfern des THW begannen sie mit der Reanimation, nach etwa 30 Minutenwar der Patient soweit stabilisiert, dass dieser mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden konnte. „Der Zustand des Patienten war kritisch, ob er den Unfall überleben wird, ist unklar“, so die Wasserwacht.

Wachleiter Andreas Fichtl ist mit dem Sonntag insgesamt sehr zufrieden: „Die Ausbildung unserer Mitglieder ist super, der Ablauf der Rettungsmaßnahmen war bei jedem Einsatz sehr gut“.

Er lobte zudem die gute Mithilfe der Badegäste, ohne deren Hilfe wohl alle drei Patienten nicht mehr am Leben wären: „Die Hilfsbereitschaft ist enorm gestiegen - Gaffer, die im Weg stehen und mit dem Handy den Einsatz filmen sind, eine Ausnahme geworden“. dn

Für einen 50-jährigen Mann kam im vergangenen Jahr jedoch jede Hilfe zu spät. Er ertrank im Karlsfelder See.

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