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Abschied: Geschäftsführer Markus Vater (links) und Inhaber Markus Flamisch. Er übernahm den Laden von seinem Onkel Walter Kopp junior. Dessen Vater hatte vor 60 Jahren mit einem Kramerladen in der Gerberau mit dem Getränkeverkauf begonnen. 

Karlsfelder Traditionsunternehmen schließt zum 1. August

Getränke Kopp – das Corona-Opfer

Die Umsätze sind dramatisch weggebrochen. Hauptgrund ist Corona. Deswegen muss das Karlsfelder Traditionsunternehmen Getränke Kopp zum 1. August schließen

VON ELFRIEDE PEIL

Karlsfeld – Aus und vorbei. Ab 1. August wird es Getränke Kopp nicht mehr geben. Nach 60 Jahren und drei Generationen sehen die jetzigen Besitzer Alexandra Förster und ihr Mann Markus Flamisch keine Chance mehr, das Geschäft zu halten. „Das bricht mir die Seele“, sagt ein Kunde. „I könnt waona“, sagt Geschäftsführer Markus Vater. Vier Arbeitsplätze gehen verloren.

Natürlich ist Corona der Hauptgrund. Dramatisch weggebrochen sind die Umsätze seit März. Laut Alexandra Förster und Markus Flamisch haben der Abholmarkt und der Bringdienst zwar noch einigermaßen funktioniert. Aber die Schulden wurden immer größer.

Eine Mietreduzierung hätte ihnen geholfen. Deshalb beantragten die beiden beim Vermieter, der Immobilienfirma BVG in München, dass die Miete für den Laden in der Rathausstraße 40 um 50 Prozent gesenkt würde, wenigstens für ein Jahr. Die Antwort kam letzte Woche und war überdeutlich: Auch die BVG habe ihre „laufenden Ausgaben“ und „Objektkosten“, da sei eine Reduzierung nicht möglich. BVG hat auf die Bitte der Heimatzeitung zu einer Stellungnahme nicht reagiert.

Bevor der Getränkemarkt ihr Mieter wurde, stand der Laden viele Jahre lang leer. Davor war im Gebäude eine Schlecker-Filiale untergebracht und davor der kleine HL-Supermarkt – mit einer Vinzenz Murr Theke im hinteren Teil.

Getränke Kopp war von 2009 bis 2016 an der Jägerstraße, gegenüber der Bäckerei Slanitz. Dort mussten sie raus, das Gebäude ist inzwischen abgerissen für eine vierstöckige Wohnanlage.

Und jetzt müssen sie wieder raus. „Tief traurig“ darüber ist Peter Freis, Wirtschaftsförderer der Gemeinde. „Gerade der Kopp hat uns immer so unterstützt, zuletzt beim Hüttenzauber. Wir konnten bei ihm bestellen auf Kommission. Das macht kein großer Konzern.“ Es sei in der Tat das erste Corona-Wirtschaftsopfer. „Das ist der Wahnsinn“, sagt Freis. Die Gemeinde habe leider nichts, was sie ihm als Ersatz anbieten könnte. Bei den Kosten habe man „keine Handhabe“, das sei eine „privatrechtliche Sache.“ Und er weiß: „Es gibt Vermieter, die rufen einen Preis aus, und wenn der nicht bedient wird, ist es ihnen egal, dass der Laden jahrelang leer steht.“

„Wir haben Kunden, die sind 80, 90 Jahre alt, da hör ich an der Stimme, wer es ist.“

Wenn es bald „den Kopp“ nicht mehr gibt, wird man sich in Karlsfeld umschauen. Außer der „Laufkundschaft“, die ihr Bier oder Wasser auch in Supermärkten kaufen kann, hing vieles mehr am Geschäft. „Wir haben Kindergärten mit Getränken beliefert, Firmen bis an die Schreibtische bedient“, sagt Markus Vater. Und die Vereine, Parteien und Veranstalter von Gemeindefesten, Geburtstagen, Hochzeiten und Caterer – sie alle werden ohne Kopp auskommen müssen. Auch die kleinen regionalen Brauereien, die Kopp bewusst im Sortiment hatte, verlieren eine Absatzmöglichkeit.

Was ihnen auch noch so leidtut: „Wir haben betagte Kunden, die sind 80, 90 Jahre alt, da hör ich schon an der Stimme, wer es ist,“ sagt Alexandra Förster. „Andi, der Fahrer, hat auch alle persönlich gekannt. Wir haben Schlüssel von Familien, die tagsüber arbeiten.“

Und Markus Flamisch erinnert sich an so manche Anekdote: „Da hat einmal nachts um 2 Uhr eine Feierrunde angerufen: „Bist Du noch wach?“ War er – und lieferte den nötigen Stoff aus.

Jetzt hoffen sie nur mehr auf etwas Erlös durch den Verkauf von Waren und Inventar wie Biergartengarnituren und Kühlwagen.

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