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Frohe Weihnachten: Tom (4), Mama Manilyn, Marvin (13), Marc (5), Baby Fiona mit Papa Frank und Kevin (7 Jahre alt, von links nach rechts).  

Zeit, um ins Krankenhaus zu fahren, blieb keine

Karlsfelder Vater holt Tochter selbst auf die Welt

  • vonChristiane Breitenberger
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Dieses Weihnachten wird Familie Sieke sicher nie vergessen. Rechtzeitig zum Fest kam Nesthäkchen Fiona zur Welt. Das erste Mädchen unter vier Brüdern. Doch der Weihnachtsengel hatte es super eilig. Zeit, um ins Krankenhaus zu fahren, blieb keine. Deshalb holte Papa Frank seine erste Tochter kurzum selbst auf die Welt.

Eigentlich ist es für Väter wirklich keine große Sache: Sie müssen überhaupt nichts Besonderes tun – für ihre Töchter werden sie immer ein Held sein. Frank Siekes Tochter Fiona wird allerdings ihr Leben lang eine wahre Helden-Geschichte über ihren Papa erzählen können – schließlich war er es, der sie auf die Welt geholt hat. In seinen Armen hat sie ihren ersten Atemzug gemacht.

Einen Tag nach der Geburt seiner kleinen Tochter ist der Karlsfelder immer noch aufgedreht. Das, was am Mittwochmorgen passiert ist, „erlebt man schließlich nur einmal im Leben“, sagt der fünffache Familienvater und lacht. Fionas Halbbrüder kamen alle per Kaiserschnitt auf die Welt. Sieke freute sich, mit seiner neuen Frau Manilyn mal eine natürliche Geburt zu erleben. „Konnte ja keiner ahnen, dass das Ganze so natürlich wird“, sagt der Papa und lacht wieder.

Die Siekes waren gut vorbereitet. Den Geburtsvorbereitungskurs hatten sie hinter sich, im Krankenhaus waren sie angemeldet, und eine Hebamme hatten sie auch schon. Geburtstermin sollte am 22. Dezember sein.

Doch am Mittwochmorgen ging alles super schnell: Die werdende Mama Manilyn hat eine unruhige Nacht hinter sich, schaltet um 6.45 Uhr das Licht an, hat Schmerzen, sie geht ins Bad. Für Papa Frank heißt das – ganz wie er es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hat – „ich hab’ jetzt gemütlich sechs bis 24 Stunden Zeit, bis das Baby kommt“.

Also sucht er die Sachen für seine Frau zusammen, damit sie in Krankenhaus fahren können, wenn sie bereit ist. Doch Frank Sieke hat nicht mal mehr Zeit, seinen Pulli anzuziehen. Seine Frau im Bad hat sehr, sehr starke Schmerzen. Da wagt der werdende Vater einen Blick. Er sieht: das Köpfchen – auf einer Fläche so groß wie ein Euro-Stück. Für Sieke ist sofort klar: Er muss den Notarzt rufen.

Einen Tag später schüttelt er immer noch den Kopf, wenn er sein winziges Töchterchen beobachtet. „Die Chancen gingen gegen Null, dass sowas passiert“, sagt er.

Typisch Ingenieur, wollte er für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Fragte also beim Geburtsvorbereitungskurs, was zu tun sei, wenn das Baby zu Hause auf die Welt kommt. Die Hebamme lachte nur. Er müsse sich keine Sorgen machen. Das passiere schon nicht. Die Wahrscheinlichkeit sei verschwindend gering. Doch sie klärte ihn trotzdem über alle Eventualitäten auf. „Gottseidank, sonst wäre ich ziemlich aufgeschmissen gewesen“, sagt der Papa. Der Mann kann nicht aufhören zu lachen. Er glaubt selbst noch nicht, was er erlebt hat.

Als er den Rettungsdienst alarmiert, beruhigt ihn am Telefon ein Geburtshelfer. „Hilfe ist unterwegs. Wir schaffen das schon zusammen.“ Sieke funktioniert. Er hilft seiner Frau, die immer noch im Bad ist, in die große Badewanne. Mit jeder Kontraktion kommt das Baby etwas mehr heraus. Der Papa greift nach dem Köpfchen, der Mann am Telefon assistiert aus der Ferne. Die Oma wartet auf der Straße auf den Krankenwagen. Und plötzlich, die letzte Presswehe, und Fiona ist auf der Welt. Liegt zart und zerbrechlich in den Armen ihres Papas. „Diese Sekunden waren endlos“, sagt Sieke. Fiona liegt ganz still, die Augen zu, atmet nicht. Doch dann: Ein zartes Hüsteln, die Augen gehen auf, die Kleine atmet. „Das war der schönste Moment, den man sich vorstellen kann“, sagt der Papa.

Er legt den Zwerg liebevoll auf den Bauch der Mama, der Assistent am Telefon sagt, die Kleine soll es warm haben. Nur etwa sechs Minuten nach dem Anruf stehen bereits zehn Leute im Zimmer. Der Rettungsdienst ist da. Sie bringen Mutter und Kind zur vorsorglichen Untersuchung ins Dachauer Krankenhaus.

Als sich zeigt, dass alles in Ordnung ist, darf die Familie auf eigenen Wunsch wieder nach Hause.

Als die vier Brüder Fiona am nächsten Tag sehen, sind sie wie verzaubert. „Das ist unsere erste Schwester“, sagt Kevin (7) ganz verzückt. Für Papa Frank steht fest: „Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, das es gibt.“

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