Unter Quarantäne: Das Seniorenheim Haus Curanum in Karlsfeld kämpft derzeit gegen das Coronavirus.
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Unter Quarantäne: Das Seniorenheim Haus Curanum in Karlsfeld kämpft derzeit gegen das Coronavirus.

Corona-Ausbruch im Karlsfelder Altenheim Curanum

„Es gibt keinen 100-prozentigen Schutz vor der Einschleppung des Virus!“

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Der jüngste Corona-Ausbruch in einem Karlsfelder Altenheim hat gezeigt, wie gefährlich das Virus ist: Von 129 Bewohnern wurden 48 positiv auf Covid-19 getestet, 17 Bewohner starben bislang laut Heimbetreiber. Könnte ein Antigen-Schnelltest den Seniorenheimen der Region künftig Schutz vor derartigen Ausbrüchen liefern? Die Verantwortlichen sind skeptisch.

Dachau – Im Karlsfelder Haus Curanum ist in der vergangenen Woche das eingetreten, wovor sich derzeit alle Altenheim-Betreiber fürchten: Auf bislang unbekanntem Weg gelangte das Coronavirus in die Einrichtung, die aktuell 118 Mitarbeiter und 129 Bewohner zählt.

„Trotz intensivster Bemühungen der Kontaktpersonennachverfolgung“ habe man „leider nicht nachvollziehen können“, wie es zu dem Ausbruch kam, betont Sprecherin Tanja Kurz. Was man dagegen sicher weiß: Das Virus hat sich rasend schnell verbreitet: Stand Montagnachmittag wurden laut Kurz 48 Bewohner und 30 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet; neun Bewohner sind im Krankenhaus, 17 starben, 13 Bewohner und 16 Mitarbeiter gelten als genesen.

Im Heim herrscht derzeit Ausnahmezustand: Die Einrichtung steht unter Quarantäne, Besuche sind nicht mehr möglich. Auch der Kontakt untereinander: Die Senioren dürfen sich nicht mehr sehen. „Die Bewohner nehmen ihre Mahlzeiten in den Zimmern ein, auch Gruppenbeschäftigung wird derzeit nicht angeboten. Stattdessen erhalten unsere Bewohner Einzelbetreuung“, erklärt Kurz. Sowohl Angehörige als auch die Bewohner wären mit diesen Maßnahmen einverstanden, so Kurz: „Ihnen ist bewusst, dass diese zeitlich begrenzt sind und ihrem Schutz dienen.“

Doch wie soll man derartige Ausbrüche in Zukunft verhindern? Im Haus Curanum betont man, dass man sich streng an ein mit den Behörden abgestimmtes Hygienekonzept halte: Die Mitarbeiter trügen dabei Mund-Nasen-Schutz, die Bewohner erhielten zweimal täglich Temperaturkontrollen, zweimal täglich finde eine Wischdesinfektion der bewohnernahen Flächen statt. Trotzdem, betont Kurz, „gibt es keinen 100-prozentigen Schutz vor der Einschleppung des Virus“.

Das sehen auch andere Altenheim-Verantwortliche so. Denn, so formuliert es Silvia Große vom Dachauer Friedrich-Meinzolt-Haus: „Was im März passiert ist, das will ich nie wieder. Das war inakzeptabel!“ Zur Erinnerung: Im März galt in den Altenheimen ein generelles Besuchsverbot. Laut Große hätten „einzelne Bewohner darunter sehr, sehr gelitten. Und noch schlimmer war es für die Angehörigen!“

Auch Sandra Emmer vom Senterra Pflegezentrum in Indersdorf betont, dass sie ihr Haus so lange wie möglich offen halten will. Grundsätzlich aber, sagt sie, „kann sich gerade niemand vorstellen, was diese Situation für uns Heimleiter bedeutet“.

Um derartige Ausbrüche mit reihenweise Infizierten und – schlimmstenfalls – Toten künftig zu verhindern, sollen die Einrichtungen sogenannte Antigen-Schnelltests an Mitarbeitern und Bewohnern durchführen. Das Problem: Die Tests dürfen nur von geschultem Fachpersonal durchgeführt werden; zudem gelten sie zumindest bei Personen, die keine Symptome aufweisen, als nicht allzu zuverlässig (siehe auch Kasten unten).

Silvia Große vom Meinzolt-Haus sieht daher noch „keine Erleichterung“ der Situation; in ihrem Haus setzt man daher weiterhin auf das bestehende Hygienekonzept. Und auch im Haus Curanum, wo seit 9. November alle Mitarbeiter vor Dienstbeginn einen Schnelltest absolvieren müssen, nennt man das Prozedere „eine Herausforderung“. Denn nicht nur, dass das medizinische Fach- sowie das Pflegepersonal erst vom Gesundheitsamt in das Schnelltestverfahren eingewiesen werden musste; jeder Test nimmt laut Curanum-Sprecherin Kurz auch „mit Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung rund 20 Minuten Arbeitszeit in Anspruch. Im Personalschlüssel der Einrichtungen sind diese besonderen Aufgaben nicht vorgesehen. Die Zeit für die Durchführung der Tests geht deshalb vom Tagesgeschäft ab“.

Immerhin: Die Bewohner und Angehörigen hätten bislang mit „sehr viel Verständnis“ auf die Situation reagiert, Vorwürfe habe es nicht gegeben. Dafür, sagt Tanja Kurz, „möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken. Das tut gut und gibt uns Kraft“!

Am 15. Oktober verkündete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, wie er Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen künftig vermeiden will: So genannte Antigen-Schnelltests sollen die Lösung sein!

Laut Dr. Christian Günzel vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Dachau liegt bei den Antigen-Schnelltests das Ergebnis bereits nach 15 Minuten vor. Zum Vergleich: Bei den bislang üblichen PCR-Tests kann es mehrere Tage dauern, bis ein Ergebnis vorliegt.

Günzel zufolge ist der Schnelltest für Pflegeeinrichtungen geeignet: So könnte eine soziale Isolation der Bewohner, wie es sie zu Beginn der Pandemie gab, vermieden werden. Allerdings hat das Verfahren auch seine Schwächen: Die Tests dürfen nur durch medizinische Fachkräfte, die vorab für die Durchführung geschult werden, vorgenommen werden. In vielen Pflegeheimen fehle dafür Personal und Zeit. Zudem ist der Schnelltest wenig zuverlässig bei Infizierten, die keine Symptome aufweisen. Die Frage „Ist jemand infiziert?“ kann Günzel zufolge der Schnelltest daher nicht sicher beantworten. Was er aber kann: Bei Menschen mit Symptomen – wenn der Getestete also Husten oder Schnupfen hat – unterscheidet der Test mit 98-prozentiger Sicherheit genau zwischen Grippe oder Corona. Der Test, so Günzel, „kann also Menschen, die krank zur Arbeit gehen, aus der Einrichtung raushalten. Er erkennt Superspreader“.

Wie dieser laut Günzel „zusätzliche Schutz“ für die Heime finanziert werden soll, dazu habe Minister Spahn leider noch keine Aussagen getroffen. Bislang, so der Dachauer Mediziner, würden Heime oder auch das MVZ die Schnelltests „auf eigene Kosten“ anbieten

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