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Volle Besetzung ist nicht möglich, Abstände müssen eingehalten werden: Dirigent Bernhard Koch und seine Musiker proben derzeit unter erschwerten Bedingungen, dafür aber erst recht engagiert. Foto: ep

Proben unter Corona-Bedingungen – Adventskonzert soll stattfinden

Sinfonieorchester Karlsfeld: Kleinere Besetzung, kleinere Werke

„Diesen Termin steuern wir an“, sagt mit viel Zuversicht in der Stimme Ingrid Reh, Vorsitzende des Karlsfelder Sinfonieorchesters. „Das Konzert im Advent ist für den 13. Dezember im Bürgerhaus geplant.“ Und das ist auch das Ziel, das Dirigent und musikalischer Leiter Bernhard Koch und das zur Zeit etwas verkleinerte Orchester vor sich sehen.

Karlsfeld – Bei den Proben im Pfarrsaal von St. Josef wirken sie fast verloren in dem großen Raum. Aber die zwei ersten Geigen, die drei zweiten Geigen, Bratsche, Cello, Bass, Querflöte, Klarinette, Oboe und Horn spielen besonders engagiert, mit eindrucksvollem Klang, sie scheinen sich jetzt doppelt ins Zeug zu legen.

Sonst sind sie 30 Orchestermitglieder. „Es sind doch einige, die lieber nicht kommen. Sie wollen nichts riskieren“, sagt Ingrid Reh. „Das ist verständlich.“

Sie erinnert sich gut an die Sitzung vom 13. März beim „Runden Tisch Kultur“ der Gemeinde im Bürgertreff, wie alle kulturell Engagierten voller Ideen und Pläne waren für einen tollen musikalischen, künstlerischen und literarischen Sommer. Da war das Sinfoniekonzert noch für den 22. März angesetzt. Aber ein paar Tage später, nach Markus Söders Pressekonferenz zur Corona-Lage, war ihr klar: „Nein, das kann nicht stattfinden!“ Und so haben sie es tatsächlich abgesagt, ebenso wie die traditionelle Serenade im Juli.

Als man ab dem 15. Juni wieder proben konnte und sie wieder in den Pfarrsaal durften, war anfangs nicht klar, was die Behörden erlaubten und was nicht: „Ein organisatorisches Chaos“, so Bernhard Koch. Viele große Konzertveranstalter klagten gegen die Aufführungseinschränkungen. Die Berliner Philharmoniker ließen in einer großen Studie die Aerosol-Wirkungen der Bläser messen. Koch zum Ergebnis: „Alles halb so schlimm.“ Inzwischen steht fest: Zwischen Streichern ist ein Abstand von 1,5 Metern, zwischen den Bläsern von zwei Metern einzuhalten.

Dass momentan nicht mit voller Besetzung gerechnet (und geprobt) werden kann, wirkt sich auch auf die Gestaltung des Programms aus. Es sind es die kleineren Werke, die sie aufführen werden. Etwa eine Sinfonia von Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn von Johann Sebastian Bach. Oder, ebenfalls eine Sinfonia, des selten gespielten portugiesischen Komponisten Domingos Bomtempo. Er lebte von 1775 bis 1842, ist also „klassisch“ zu nennen, wie Koch mitteilt. Ein Oboenkonzert von Joseph Haydn ist eingeplant, ebenso wie ein Satz aus der Suite zur Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel. Man darf sich vorfreuen, aber lieber unverbindlich: „In diesen Zeiten kann man nichts sicher planen“, so Ingrid Reh.

Die Unsicherheit ficht aber das derzeit kleine Orchester nicht an. Mit sichtlichem Vergnügen und ebensolcher Energie proben die Musiker gerade das Scherzo aus dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy, angespornt vom gut gelaunten Dirigenten.

Dem entgeht nichts. Wenn mal ein Einsatz nicht exakt genug ist, sagt er aber nur: „Hoppala.“ Oder fordert die Musiker heraus: „Sofort noch mal, und alle etwas schneller!“ Oder gibt präzise Anweisungen: „Das mit den Staccato-Achteln muss sehr kurz, sehr frech kommen!“ Kochs Silben-Kombinationen beim Anspornen für mehr Ausdruck in einzelnen Taktfolgen sind unerschöpflich: „Japampam“ oder auch „eins und bijamamjabim.“

Das Lob des musikalischen Leiters an seine Musiker ist dagegen so schlicht wie wirkungsvoll: „Klappt hervorragend!“ Elfriede Peil

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