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Kleine Häuschen, große Bedeutung: Die Korneliuskirche braucht die Einnahmen für ihre soziale Projekte. 

Unverzichtbare Einnahmequelle: Altpapier

Korneliuskirche Karlsfeld hat ein „Zeitungshaus“ aufgestellt

In Karlsfeld gibt es ein „Zeitungshaus“. Doch das „Zeitungshaus“ ist kein Haus, in dem Zeitungen hergestellt werden, sondern wo sie auf ihre wohlverdiente zweite Chance warten. Sie sind ausgelesen, werden von engagierten Mitmenschen ins Auto oder aufs Rad gepackt und zur Korneliuskirche chauffiert. Dort stapeln sie sich zu Tausenden und werden dann wieder gepackt und zum Container für Altpapier gebracht. Danach dann die neue Aufgabe: Sie gelangen wieder in die Produktion von Nachfolgezeitungen. 80 Prozent aller neuen Papiere stammten 2019 aus Altpapier. Recyceln lohnt sich – nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den, der es sammelt.

Das sperrige englische Wort setzt sich zusammen aus „re“, also „wieder“, und „cycle“, dem Kreis oder Kreislauf: Es wird ein Produkt wieder in den Kreislauf der Verarbeitung geschickt. In der Korneliuskirche hat das eine lange Tradition, mindestens 30 Jahre lang wird dort gesammelt. Initiator war Herbert Prigge, der rührige und erfinderische Alles-Macher im ehrenamtlichen Team der Gemeinde. Erst unterstützten sie die Altpapier-Aktion für das Montessori Kinderhaus in Dachau. Bis ein findiger Zivildienstleistender fragte: „Warum sammeln wir nicht selber?“ Seitdem gibt es eine offizielle Sammelgenehmigung vom Landkreis – der hat ja selber Container auf seinen Wertstoffhöfen stehen und somit die „Müllhoheit“. Zuerst wurde die Garage des Pfarrhauses zur Lagerstätte für das Papier. Bis dann – wieder – Herbert Prigge jenes Zeitungshaus plante und errichtete. Zwischen dem Bürgerhausparkplatz und dem Parkplatz des Hotels Schwertfirm, neben des Pfarrers Garage, steht es.

Eine engagierte Truppe von etwa sieben Ehrenamtlichen aus der Korneliusgemeinde kümmert sich seit Jahren um die Papiersammlung. Sie bewegen etwa 100 Tonnen Papier jährlich, wobei den größten Anteil daran Georg Breitwieser hat. Das Kirchenvorstandsmitglied ist mit ganzem körperlichen Einsatz dabei. Etwa viermal pro Woche schleppt er die mit Altpapier gefüllten Bananenkartons ins Auto und bringt sie zum früheren Recyclinghof am Föhrenweg in Karlsfeld. Breitwieser wiegt sie – auf Treu und Glauben – und legt alles in den Container der Organisation „Arbeitskreis Umweltschutz und Entwicklungshilfe“ von Johann Hechendorfer aus Dachau. Dabei achtet er darauf, dass keine Pappe, keine Kunststoffhüllen oder andere Verunreinigungen mitgeliefert werden.

Für die abwicklungstechnische Seite des Ganzen steht Eckart Moj. Er meldet das Gewicht, macht die Öffentlichkeitsarbeit. Der ehemalige Kirchenvorsteher fragt sich manchmal, „warum wir Deppen uns da eigentlich so reinhängen“, zumal von der Politik sogar Überlegungen kommen, den Ertrag der Sammelei mit Mehrwertsteuer zu belegen.

Über Geld spricht er deshalb nicht. Aber der Erlös ist nun mal der Motor für die Plackerei. Er fließt in die klamme Kasse der Kirchengemeinde, zu 100 Prozent. So manche Jugendfreizeit oder soziales Projekt konnte davon finanziert werden.

Durch die Handelspolitik von Donald Trump ist in China der Altpapiermarkt eingebrochen – mit Auswirkungen auf die Weltmarktpreise, was sich wiederum auf die Sammelbereitschaft bis hierher auswirkt, wie etwa bei der Feuerwehr Altomünster, (wir berichteten). Ganz weggefallen sind Erlöse für Kartonagen. Seit dem 1. Januar muss für deren Entsorgung sogar gezahlt werden. Deshalb ist es allen sammelnden Vereinen enorm wichtig, ausschließlich hochwertiges Papier zu bekommen. Nur dafür gibt es Geld, und nur dann können sie ihre sozialen Aufgaben erfüllen.

Geradezu dramatisch hört es sich an, wenn Johann Hechendorfer von dem „Schrott“ berichtet, der manchmal in die Container geworden wird, über zerlegte Schlafzimmerschränke bis zu dem achtlos weggeschmissenen Geschenkpapier, das nicht in die Papiertonne gehört, wie deutlich zu lesen war. „Die Zeit nach Weihnachten war Fegefeuer pur. Ich habe fünf Kubikmeter Geschenkpapier herausgefischt.“ Er appelliert ebenso wie Breitwieser und Moj an alle, die verantwortlich mithelfen wollen: „Bringen Sie uns bitte nur bedrucktes Papier auf weißer Grundlage. Braune Briefumschläge, Zigarettenschachteln oder Papiertaschentücher gehören da nicht rein.“

In Karlsfeld bietet Georg Breitwieser seinen besonderen Service an: Er kommt gerne auch ins Haus und holt das Altpapier persönlich ab. Ein Anruf bei der Kirchengemeinde genügt: Telefon 0 81 31/50 54 40. Elfriede Peil

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