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Zusammengesackt: Weil wegen einer Schlägerei die Traglufthalle in Karlsfeld geräumt wurde, musste die Hülle der Flüchtlingsunterkunft wieder aufgestellt werden.

Immer wieder Polizeieinsätze in Traglufthalle

Landrat zu Schlägereien von Karlsfeld: Flüchtlinge zu unterschiedlich

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Karlsfeld - Schon wieder gab es eine Schlägerei in der Karlsfelder Flüchtlingsunterkunft, es ist der fünfte Polizeieinsatz in nur zwei Monaten. Die Gruppen kommen einfach nicht miteinander aus, sagt der Landrat.

Am Dienstagabend gegen 19 Uhr rufen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes die Polizei. Wieder einmal. Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Karlsfeld (Kreis Dachau) waren in Streit geraten. Aus einem Geschubse entwickelte sich eine Schlägerei mit rund 20 Beteiligten und vier Verletzten mit Schürf- und Platzwunden. Die Traglufthalle musste geräumt werden – woraufhin die Hülle einsank und von Mitarbeitern des Landratsamtes und Helfern des THW wieder aufgestellt werden musste. „Es ging wohl um ein Lärmproblem. Eine Gruppe von Nigerianern fühlte sich von einigen Pakistanern in ihrer Ruhe gestört“, sagte Landrat Stefan Löwl (CSU), der am Dienstag vor Ort war.

Es ist nicht der erste Einsatz in der erst Anfang November eingerichteten Unterkunft. Schon nach wenigen Wochen hatten mehrere kleinere Vorfälle – es ging wohl unter anderem um ein gestohlenes T-Shirt und ungewollte Foto-Aufnahmen – zu einem großen Streit geführt. Der Unmut der Beteiligten richtete sich auch gegen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, außerdem versuchte ein Unbekannter, die Traglufthalle von innen mit einem Feuerzeug anzuzünden.

Randale, Feueralarm, Prügel: Keine Ruhe in der Traglufthalle

Eine Woche später randalierte ein betrunkener 21-jähriger Nigerianer in der Halle und schlug einem 30-jährigen Mitbewohner mit der Faust ins Gesicht. Nur wenige Tage später: Feueralarm in der Halle, wohl ohne Grund ausgelöst. Auch hier war die Hülle wegen der geöffneten Notausgänge zusammengesackt. Wenige Stunden später ein erneuter Einsatz, wieder wegen Streitigkeiten unter den Bewohnern. Mitte Dezember der nächste Vorfall: Ein Streit über einen vom Helferkreis bereitgestellten Tischkicker eskaliert – es kommt zu einer Massenschlägerei. Von bis zu 80 Beteiligten ist erst die Rede, später sagt Polizei, es seien deutlich weniger gewesen.

Lesen Sie auch: Massenschlägerei in Flüchtlingsunterkunft: 7 Verletzte

Die Traglufthalle ist für bis zu 300 Bewohner ausgelegt und vor allem mit Flüchtlingen aus Pakistan, Nigeria und dem Senegal besetzt. „Die großen ethnischen und kulturellen Unterschiede sorgen immer wieder für Probleme“, sagt Landrat Löwl. „Die Leute sind verzweifelt“, sagt Elfriede Peil vom örtlichen Helferkreis. „Keine Privatsphäre, ein hoher Lärmpegel, dieser ständige Geruch, der durch die Halle wabert und dazu diese Schleuse. Das gibt schon so ein Gefühl von Isolation.“ Wer an die frische Luft will, muss durch die Schleuse. Erst die eine Tür zu, dann die andere auf. Sonst fällt der Druck ab und die Decke fällt herunter. Dass in dieser eingepferchten Atmosphäre immer wieder jemand ausrastet, kann Peil nachvollziehen. „Diese Traglufthallen können nicht mehr als eine Übergangslösung sein“, sagt sie. Löwl sieht das ähnlich – auch wenn im benachbarten Bergkirchen am Dienstag die zweite Traglufthalle im Landkreis eröffnet wurde. In den nächsten Monaten sollen aber neue Lösungen mit Containern und Anlagen in Holzständerbauweise vorangetrieben werden, kündigte er an.

Die Helfer in Karlsfeld wollen derweil ihre Präsenz in der Halle erhöhen. „Und wir wollen etwa mit Sportangeboten dafür sorgen, dass die Leute rauskommen aus der Halle“, sagt Peil. Raus aus der Enge. Doch nachts bleibt das Problem. Peil wohnt nicht weit entfernt von der Halle. Wenn sie nachts laute Stimmen hört, hofft sie immer, dass nicht schon wieder etwas passiert ist. „Es ist mühsam“, sagt sie. „Mühsam, aber nicht hoffnungslos.“

Torge Wester mit

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