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Die Lösung gibt es zum Dessert

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Rätsel über Rätsel gibt es beim Krimi-Dinner der Muckerl-Bühne.  Foto: HAB
Rätsel über Rätsel gibt es beim Krimi-Dinner der Muckerl-Bühne. Foto: HAB

Karlsfeld - Mord und Zauber der 1930er Jahre. Mit einem selbstgeschriebenen Stück beschwor die Muckerl-Bühne Karlsfeld Spannung beim Krimi-Dinner herauf.

Spukende Geister. Wichtige Dokumente, die plötzlich verschwinden. Gift. Ein Mord. Viele mögliche Täter, unzählige Motive und noch mehr Verwicklungen. Sehr mysteriös war das Krimi-Dinner, das die Muckerl-Bühne Karlsfeld auf die Bühne brachte.

Der Abend war eine Reise zurück in die 1930er Jahre. Eine Zeit, in der Marlene Dietrich als Femme Fatal im Blauen Engel die Männer betörte, eine Zeit, in der in den Clubs Swing und Jazz der letzte Schrei waren und vor allem eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruch. Eine Zeit, in der auch das Theaterstück, das Veronika Schwarzmaier von der Muckerl-Bühne selbst geschrieben hat, spielt.

Im Mittelpunkt steht die Familie von Stein, eine alte Adelsfamilie, die wegen der für sie immer schwieriger werdenden Umstände beschlossen hat, nach Amerika auszuwandern. Alles scheint für die Ausreise vorbereitet, alles ist perfekt organisiert. Bevor es losgehen kann, müssen die Hausherren jedoch noch etwas erledigen. Tochter Judith, gespielt von Veronika Schwarzmaier, soll in ihrer Abwesenheit derweil auf die wichtigen Papiere zum Auswandern aufpassen. Es kommt, wie es kommen muss, plötzlich sind die Dokumente verschwunden. Irgendjemand von den Familienmitgliedern oder den Angestellten der von Steins hat sie gestohlen. Nur wer?

Darüber konnten die Theaterbesucher beim ersten Gang des Dinners erst einmal ausgiebig rätseln. War es etwa Judiths Cousine Lilli (Anna Siegl), die überhaupt keine Lust darauf hat, auszuwandern? Oder der Opa, gespielt von Willi Kirsch, der sich so gerne mit seiner verstorbenen Frau (Sylvia Haas) unterhält, die in den alten Gemäuern des alten Herrenhauses als Geist spukt? Oder vielleicht doch jemand ganz anders?

Viele offene Fragen also zu Beginn des zweiten Aktes. Fragen, auf die Angélique (Margarete Weissmann), die Französischlehrerin der Familie von Stein, eine Antwort weiß: „Isch abe die Papiere gefunden. Isch abe mit dem Dieb gesprochen“, kann sie mit ihrem französischen Akzent Judith gerade noch mitteilen - und fällt im nächsten Moment tot um. Vergiftet. Vom Täter wieder keine Spur.

Zeit für den Hauptgang, den Leichenschmaus, wie es die spukende Oma ausdrückte. Gelegenheit für das Publikum, erneut seine detektivischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, um dem Täter auf die Schliche zu kommen. Theorien gab es viele, Beweise aber keine.

Diese konnte auch Akt drei nicht liefern: Die Geschichte wird immer komplizierter. So gut wie jede der Personen im Haushalt hat ein Motiv: Peter, der langjährige, steife und monotone Butler der Familie (Rudi W. Siegl) etwa würde durch die Auswanderung seinen Job verlieren. Der unmotivierte Gärtner Harald (Martin Skrebsky) wiederum hat augenscheinlich ein Verhältnis mit der Cousine Lilli. Und dann sind da ja auch noch die beiden ominösen Freunde des Hausherren: Die Schmettelerlingsforscherin Frau Bücker (Franziska Amend) und der Schauspieler Hannes Klausner (Rudi Siegl), der „einmal wer ganz anderes sein“ will. Die Beziehungsgeflechte sind wirr, komplex und undurchsichtig.

Schließlich sollten die Theaterbesucher beim Dessert noch einmal so richtig knobeln, bevor beim großen Finale die letzten Geheimnisse gelüftet wurden: Mit Lust identifiziert Judith den wahren Täter. Der Schauspieler hat tatsächlich eine neue Rolle gefunden: die des Mörders. Am Ende heißt es also: Alles wieder auf Anfang: „Die Nacht ist vorbei, dann werden wir wohl alle gehen müssen“, so Judiths Schlusswort. Zurück blieb nur ein erstauntes Publikum. (cla)

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