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Trotz Einigung: Der Lkw-Bauer MAN strecht Tausende Stellen

Lkw-Bauer streicht auch in MÜnchen/Karlsfeld Stellen

MAN: Die Sorge bei den Mitarbeitern bleibt

MAN baut Stellen ab, aber nicht so viele, wie ursprünglich geplant. Und die Einigung zwischen Konzern und Betriebsrat hat noch einen Haken.

Karlsfeld/München – Auf den ersten Blick sind es gute Nachrichten, die bei MAN am Dienstag verkündet wurden. Nur 1500 anstatt der zunächst geplanten 3000 Stellen sollen im Standort in München-Ludwigsfeld abgebaut werden. Doch vieles ist nur vorläufig, was jetzt als Erfolg gefeiert wird. Zahlreiche Mitarbeiter sorgen sich weiter um ihren Arbeitsplatz.

In einem gemeinsam vereinbarten Eckpunktepapier haben sich der Vorstand der MAN Bus & Truck, der MAN-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall darauf verständigt, dass der Standort München die weltweite Unternehmenszentrale von MAN Truck & Bus bleibt. München ist weiterhin das Hauptproduktionswerk für Lkw mit Fahrerhausausstattung und Montage sowie das Zentrum der MAN-Entwicklung. Ende 2022 sollen 7500 unbefristete Stammmitarbeiter am Standort beschäftigt sein, momentan sind es mehr als 9000 Mitarbeiter. Viele der hier Beschäftigten leben im Landkreis Dachau.

Doch schaut man genauer hin, zeigt sich, dass vieles noch vorläufig ist, was bereits als großer Erfolg gefeiert wird: Wie der Münchner Merkur in seinem Wirtschaftsteil bereits berichtete, soll das Eckpunktepapier als Grundlage für einen noch zu verhandelnden Tarifvertrag dienen, der eine Neuausrichtung des Unternehmens zum Ziel hat. Bereits besprochen ist, dass in Deutschland zwar nicht, wie ursprünglich geplant, 9500 Stellen, aber immerhin noch rund 3500 Stellen über alle Beschäftigungsgruppen sozialverträglich abgebaut werden.

Auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten teilte ein MAN-Sprecher mit, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau gesagt werden könne, wie viele Stellen in den einzelnen Standorten abgebaut werden. Die Details müssten erst verhandelt und in einem Zukunftstarifvertrag festgeschrieben werden.

Ziel des Konzerns: acht Prozent Umsatzrendite

Auf die Frage, ob die Klage des Betriebsrats vor dem Arbeitsgericht München wegen der Aufkündigung der Beschäftigungsgarantie durch die Unternehmensleitung durch die Vereinbarung der Eckpunkte vom Tisch sei, wollte der Sprecher nicht antworten. Er wies jedoch darauf hin, dass MAN Truck & Bus weiter eine durchschnittliche operative Umsatzrendite von acht Prozent anstrebe. Dies bedeute, dass das Ergebnis des Unternehmens um 1,7 Milliarden Euro pro Jahr verbessert werden müsse. Dies sei Voraussetzung dafür, dass MAN mittelfristig weiter in wichtige Zukunftstechnologien investieren könne.

Das Unternehmen plane jetzt, 550 Millionen pro Jahr bei Personal- und Sachkosten einzusparen. Durch „zusätzliche Vertriebsleistungen“ sollen jährlich rund 450 Millionen Euro zusätzlich erwirtschaftet werden, hinzu kommen geplante Einsparungen auf der Materialkostenseite in Höhe von rund 700 Millionen Euro pro Jahr.

Gerade diese Zielvorgaben sind es, die bei den Mitarbeitern des Unternehmens nicht nur Freude über die vorläufige Verständigung von Vorstand und Betriebsrat auslösen. Zwar gebe es in der Belegschaft durchaus eine Gruppe, die froh darüber ist, dass es Bewegung in den Verhandlungen zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern gegeben hat, jedoch gebe es auch zahlreiche Kollegen, die weiterhin Sorgen um ihren Arbeitsplatz haben, so berichtet eine langjährige MAN-Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte.

Betriebsbedingte Kündigungen seien vorläufig nur bis Ende September 2021 nicht möglich, ein weiterer Ausschluss solcher Kündigungen müsse erst noch in dem noch zu verhandelnden Zukunftstarifvertrag detailliert geregelt werden. Auch ein Abbau von etwa 1500 Jobs am Standort München sei ein Einschnitt, wenn auch ursprünglich von einem Abbau von 3000 Jobs die Rede war. Die Mitarbeiterin stellt auch die Frage, was passiere, wenn sich zu wenige Mitarbeiter freiwillig für Abfindungs- oder Vorruhestandsprogramme finden würden.

Weitaus zufriedener zeigt sich dagegen Andreas Tostmann, Vorsitzender des Vorstands der MAN Truck & Bus SE: „Wir freuen uns, dass wir nach intensiven Gesprächen mit diesem Eckpunktepapier eine gemeinsame Basis gefunden haben. Gemeinsam werden wir die Neuausrichtung von MAN konsequent umsetzen und in die Zukunftsfelder Digitalisierung, alternative Antriebe und Automatisierung sowie in die Qualifizierung unserer Mitarbeiter investieren“, so der Vorstandschef.

Auch die lokale Politik zeigt sich bereits erleichtert. Der SPD-Bundestagsabgeordnete für Dachau, Michael Schrodi, findet, dass ein deutschlandweiter Abbau von 3500 Stellen zwar „immer noch zu viel“ sei. Er lobt aber auch, dass MAN jetzt auf sozialverträgliche Lösungen wie Abfindungen auf freiwilliger Basis oder Altersteilzeitregelungen und die Vermittlung von Mitarbeitern innerhalb des VW-Konzerns setze.

Ähnlich sieht die Situation Bernhard Seidenath, der CSU-Landtagsabgeordnete für den Landkreis Dachau: „Der Stellenabbau konnte auf ein sozialverträgliches Maß reduziert werden.“ Viele Beschäftigte wohnten im Landkreis Dachau und es gehe darum, „eine Deindustrialisierung unserer Region zu verhindern“, so Seidenath. Mit der nun gefundenen Lösung konnten die Befürchtungen weitestgehend abgewendet werden.

Bernhard Hirsch

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