Stefan Kolbe, Bürgermeister von Karlsfeld
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Sieht Zertifizierung kritisch: Stefan Kolbe.

Kreisräte befürworten teure Bau-Zertifizierung

Diskussion über geplantes Karlsfelder Gymnasium: 4 Millionen Euro für ein weißes Blatt Papier?

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Geht es nach der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, dann soll der Bau des vierten Landkreisgymnasiums in Karlsfeld eine Zertifizierung in Gold der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten. Die Diskussion darüber im Schul- und Kreisausschuss warf zwei Fragen auf: Sollte der Neubau die umfassenden DGNB-Standards erfüllen, ist er dann ein derart „wertvolles Konstrukt“, dass sich darin viele Generationen von Schülern wohl fühlen, wie Carsten Schleh (Grüne) meint.

Landkreis/Karlsfeld ‒ Oder stellt das DGNB-Label lediglich ein teuer erkauftes „weißes Blatt an der Wand“ dar, wie der Karlsfelder Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) befürchtet.

Laut der Beschlussvorlage des Landratsamtes Dachau soll es die Auszeichnung in Gold sein. Ein mit der Vorzertifizierung beauftragtes, externes Büro (Honorar 13 000 Euro) schätzt diese Stufe als „ambitioniert, aber erreichbar“ ein; es hätte auch eine Zertifizierung nur in Silber oder gar in Platin sein können.

Um Gold zu erreichen, müsste das neue Gymnasium, das in Karlsfeld westlich der Bahn gebaut wird und 2025 fertig sein soll, in sechs Themenbereichen besondere Qualitäten erfüllen: bei der Ökobilanz, der Wirtschaftlichkeit, im soziokulturellen Bereich (Klima, Luft, Akustik oder Barrierefreiheit), bei der Technik (Schallschutz, Mobilitätsinfrastruktur), bei der Planung und Bauausführung sowie nicht zuletzt beim Standort (Verkehrsanbindung, Nähe zu nutzungsrelevanten Objekten und Einrichtungen).

Eine Zertifizierung in Gold würde das Bauprojekt nach einer aktuellen Grobkostenschätzung um 2,4 bis 3,6 Millionen Euro verteuern. Dazu kämen weitere Honorarkosten in Höhe von 375 000 Euro.

Viel Geld also, das auf die bislang veranschlagten Gesamtbaukosten in Höhe von knapp 88,5 Millionen Euro oben drauf käme.

Und das passte nicht jedem. Stefan Kolbe gab zu bedenken, dass sich der Landkreis in finanziell schweren Coronazeiten Gedanken machen müsse, um „Potenziale zur Einsparung zu finden“. Daher stellte er die Zertifizierung „infrage“.

Landrat Stefan Löwl meinte zwar, dass sein Herz nicht an der Zertifizierung hänge. Aber „wir wollen uns benchmarken“, sprich mit anderen vergleichen, „um zu wissen, wo wir stehen“.

Der Sachgebietsleiter Hochbau im Landratsamt Jörg Bögeholz wies zudem darauf hin, dass die aktuelle Planung bereits einzelne DGNB-Kriterien erfülle, beispielsweise beim Energiestandard, der Barrierefreiheit oder der Flexibilität des Gebäudes. Nun ist es so, dass die Entscheidung für den endgültigen Zertifizierungsprozess spätestens mit Abschluss der Entwurfsphase zu treffen ist. Die Planungen sehen dafür den August 2021 vor. Daher haben die Mitglieder des Schul- und Kreisausschusses noch ein wenig Zeit.

Jedoch: Sie mussten sich in der Sitzung zumindest im Klaren sein, wohin die Reise geht. Denn die Bearbeitung in der Entwurfsphase ist eine besondere Leistung, für die weitere Honorarkosten in Höhe von rund 25 000 Euro anfallen. Darüber hatten die Kreisräte also zu befinden. Sie taten dies einstimmig, wobei sie diesen Betrag freigaben.

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