Karlsfeld verabschiedet Gemeindehaushalt 2017

Heuer geht’s noch ohne neue Schulden

Der Karlsfelder Gemeinderat hat am Donnerstagabend den Haushalt für das Jahr 2017 verabschiedet. Es gab nur eine Gegenstimme – versehen mit einer nachvollziehbaren Begründung.

Karlsfeld – Theoretisch steht jeder Karlsfelder am Ende des Jahres mit 328 Euro in der Kreide. So hoch ist die von Kämmerer Alfred Giesinger errechnete Pro-Kopf-Verschuldung. Karlsfeld liegt damit deutlich unter dem bayerischen Schnitt (2015: 715 Euro). Doch das wird nicht mehr lange so bleiben. Denn das Jahr 2017 wird aller Voraussicht nach für eine Weile das letzte sein, in dem Karlsfeld ohne neue Schulden auskommen wird.

Giesinger rechnet für das Jahr 2018 mit einer zusätzlichen Kreditaufnahme in einer Gesamthöhe von 7,9 Millionen und 2019 noch mal mit 11,6 Millionen. Hauptgrund: Karlsfeld will an der Krenmoosstraße eine neue Schule bauen. Die wird mindestens 28 Millionen Euro kosten. Obendrein drücken dringend notwendige Sanierungen – Kanalnetz, Wasserleitungsnetz – Straßen.

Um eine Neuverschuldung kam die Gemeinde heuer nur herum, weil aus den Rücklagen 5,4 Millionen entnommen wurden. Der Rücklagenstand ging damit zurück auf 470 000 Euro. Das ist nicht viel mehr als die gesetzliche Mindesthöhe.

Der Haushalt 2017 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 47,9 Millionen Euro. Größte Einnahmequellen sind die Einkommensteuerbeteiligung mit 15,4 Millionen Euro und die Gewerbesteuer mit 7,8 Millionen.

Die Ausgaben im Kinder- und Jugendbereich schnellen in die Höhe. Im sogenannten Einzelplan „Soziale Sicherung“ (Kindergärten, Jugendzentrum, Spielplätze, Streetwork usw.) hatte Giesinger im Jahr 2011 5,4 Millionen Euro stehen. Im Jahr 2017 sind es 12,6 Millionen. Obwohl ihm diese Zahlen längst bekannt waren, entfuhr Bürgermeister Stefan Kolbe am Donnerstag beim Blick auf die Grafik noch einmal aus tiefstem Herzen ein: „Wahnsinn“. Das Defizit bei der „Sozialen Sicherung“ beträgt etwas mehr als 6,85 Millionen. Allein 6,1 Millionen Euro davon lösen die Kindertagesstätten aus.

Erfrischend kollegial gingen die Gemeinderäte in der Haushaltssitzung miteinander um. In allen Haushaltsreden (siehe Kasten) wurde die offene und konstruktive Zusammenarbeit gewürdigt. Sehr häufig fand man im vergangenen Jahr in wichtigen Angelegenheiten Konsens, etwa bei der sozialgerechten Bodennutzung und beim Sozialwohnungsbau.

Nur Mechthild Hofner stimmte schließlich gegen den Haushalt. Die Fraktionsvorsitzende des Bündnis’ für Karlsfeld lehnt das Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße nach wie vor entschieden ab. Weil darin Planungskosten für das Gewerbegebiet eingestellt sind, lehnte sie den Haushalt konsequenterweise ab. Sie wolle darauf hinweisen, „wie ernst es mir mit dem Erhalt der verbliebenen Grünzugreste ist.“

thomas leichsenring

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