Das Neue-Mitte-Grundstück wird verkauft

Karlsfeld - Die Karlsfelder Bürger warten seit mehr als zwei Jahren darauf, dass mit der großen Baugrube direkt vor dem Rathaus etwas vorangeht. Nun ist eine Entscheidung gefallen in Sachen Neue Mitte. Der Investor gibt seine Pläne auf. Eine Nachricht, die beide Seiten als Chance beurteilen.

Es ist nicht zu ignorieren, das große Loch, direkt vor dem Karlsfelder Rathaus. Seit zweieinhalb Jahren werden die Gemeindemitarbeiter jeden Morgen auf ihrem Weg zur Arbeit daran erinnert, dass das 80-Millionen-Euro-Projekt Neue Mitte noch immer ein ferner Zukunftstraum ist. Nun kommt wieder Bewegung in das Bauvorhaben - wenn auch anders als geplant.

Der Investor, die Hamburgische Immobilien Handlung (HIH), hat ihre Pläne, in Karlsfeld ein Ortszentrum zu bauen, begraben. Das 2,2 Hektar große Grundstück ist seit einigen Wochen wieder auf dem Markt. Für Bürgermeister Stefan Kolbe ist das eine gute Nachricht. Er hofft auf neuen Schwung, den ein neuer Investor in das Projekt bringen könnte. „Ich hoffe, dass die Neue Mitte endlich wieder Fahrt aufnimmt, wenn der Eigentümer des Grundstücks wechselt“, sagt er.

Die HIH hatte die Arbeiten auf dem Grundstück im Juli 2009 eingestellt, weil sie in dem geplanten Fachmarktzentrum an der Münchner Straße eine direkte Konkurrenz befürchtete. Es folgten monatelange Diskussionen und öffentliche Streitereien. Auch eine Moderation konnte zwischen Gemeinde und Investor nicht vermitteln. Die HIH hatte viele Festsetzungen im Bebauungsplan gefordert, um den Einzelhandel im Fachmarktzentrum einzuschränken. Der Gemeinderat hatte mit der Eingrenzung der Verkaufsflächen und des Warensortiments einen Schritt auf die HIH zu gemacht, der Geschäftsführer Dr. Stefan Best äußerte sich damals jedoch enttäuscht, dass damit nur ein Teil der Absprachen eingehalten sei. Im Februar zog Best sogar eine Klage in Erwägung.

Die vergangenen Monate ist es ruhiger geworden. Fast schien es so, als ob sich die Gewitterwolken über dem großen Bauloch verzogen hätten. In dieser Zeit ist bei der HIH jedoch die Entscheidung gefallen, das Grundstück zu verkaufen. „Kaufanfragen haben wir auch früher schon kontinuierlich bekommen“, sagt der einstige Projektleiter Jan Finke. „Nun sind wir bereit zu verkaufen.“ Es gebe mehrere Gründe, warum sich das Unternehmen nun für diesen Schritt entschieden habe, sagt Finke, betont jedoch, dass die HIH das Projekt Neue Mitte immer noch als sehr reizvoll beurteilt. Das Verhältnis mit der Gemeinde ist nicht zerrüttet, betont er, die Verhandlungen jedoch festgefahren. „Es gibt zu viele Punkte, in der wir grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sind. Der Bebauungsplan für das Fachmarktzentrum ist uns einfach zu weit gefasst.“

In einem Punkt jedoch sind sich der einstige HIH-Projektleiter und Bürgermeister Stefan Kolbe nun einig: Der Verkauf bedeutet für die Gemeinde eine Chance. „Das Projekt hat nach wie vor städtebaulich eine große Anziehungskraft“, sagt Finke. Er geht zwar von einigen konzeptionellen Änderungen durch einen neuen Investor aus, glaubt aber, dass die Gemeinde Karlsfeld offen dafür ist. „Wer das Grundstück jetzt kauft, wird es nicht brach liegenlassen.“

Stefan Kolbe sieht das ähnlich - zumal das Baurecht für ein Grundstück nach vier Jahren erlischt, wenn der Eigentümer keine Verlängerung beantragt. Der Karlsfelder Bürgermeister geht davon aus, dass ein neuer Investor „mit Vollgas an die Sache rangeht“.

Auf die Kaufverhandlungen und das Grundstück selbst hat die Gemeinde bis auf baurechtliche Festsetzungen keine Einflussmöglichkeiten, betont Kolbe. „Wir können niemanden zwingen, dort zu bauen. Aber wir würden uns wünschen, dass dort bald etwas vorangeht“, sagt er. Der Leidensdruck westlich der Bahn sei zu groß, um bis auf den St.-Nimmerleinstag mit einer Nahversorgung zu warten. Die Entscheidung der HIH sieht er als klaren Neubeginn für das Projekt Neue Mitte. „Und der Gemeinderat wird nichts tun, was einen Neuanfang gefährden könnte.“

(kwo)

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