Drei Menschen auf Badeinsel
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Karlsfelder Selbsthilfegruppe: Birgit Niederreiter, Thomas Buchberger und Paulina befreiten die völlig verdreckte Badeinsel vom stinkenden Gänsekot. Foto: privat

Paulinas Universum soll sauber bleiben

  • Thomas Zimmerly
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Seit geraumer Zeit ist die Badeinsel im Karlsfelder See von Gänsekot übersät. Niemand reinigt sie. Birgit Niederreiter (47) fackelte jetzt nicht lange. Gemeinsam mit Tochter Paulina (9) und ihrem Nachbarn Thomas Buchberger (50) griff sie selbst zum Besen. Für die Zukunft hat sie eine Idee: eine Vogelscheuche.

VON THOMAS ZIMMERLY

Karlsfeld – Für die neunjährige Paulina ist die Badeinsel im Karlsfelder See „das Universum“, wie ihre Mutter Birgit Niederreiter (47) sagt. Vom Ufer rüberschwimmen, raufklettern, wieder reinhüpfen oder sich einfach nur sonnen – immer wieder ein Riesenspaß für das Mädchen mit dem Downsyndrom. So wie Paulina empfinden viele kleine und große Wasserratten, die die Insel ansteuern. Doch es gibt noch weitere, allerdings ungebetene Insel-Gäste: Wildgänse lassen sich immer wieder auf der knallblauen, fünf mal fünf Meter großen Plattform nieder und verschmutzen sie mit ihrem Kot.

Seit vielen Wochen sei die Badeinsel, die 12 000 Euro gekostet hat und 2014 eingeweiht wurde, unbenutzbar, so Birgit Niederreiter, die mit ihrer Tochter in der Badesaison fast täglich am See zu finden ist. „Jeder, der da hin schwimmt, dreht sofort wieder um, weil es so ekelhaft ist“, so die Karlsfelderin. Also wollte sie wissen, wer für die Reinigung zuständig ist. Sie kontaktierte die Wasserwacht, den Erholungsflächenverein, die Gemeinde Karlsfeld sowie das Landratsamt Dachau. Doch keiner habe ihr eine befriedigende Antwort geben können, so die 47-Jährige. Statt jedoch zu verzagen, nahm Birgit Niederreiter am Dienstag das Problem selbst in Angriff.

Gemeinsam mit Paulina und ihrem Nachbarn Thomas Buchberger (50) schrubbte sie die Insel sauber. „Es war eine Sache von einer halben Stunde, alles sehr einfach“, so die Karlsfelderin, die vor allem auf ihre Tochter stolz ist, die „ganz besonders viel gearbeitet hat“. Als das dynamische Trio fertig war, trauten sich auch die übrigen Badegäste wieder auf die Plattform. „Alle sind wieder rauf und waren glücklich“, beobachtete die 47-Jährige. Leider musste sie am Mittwoch feststellen, dass die Insel schon wieder voller Kot war.

„Die Problematik am Karlsfelder See ist uns sehr bewusst und beschäftigt uns hier regelmäßig – auch zusammen mit externen Fachleuten. Das Thema ist äußerst vielschichtig, und es gibt derzeit leider keine praktikable Lösung, die natürliche Gänsepopulation nachhaltig vom Karlsfelder See fern zu halten bzw. in einen störungsfreien Einklang mit der Badenutzung zu bringen“, sagt Landrat Stefan Löwl, dessen Behörde für die Insel-Reinigung verantwortlich ist. Maßnahmen wie etwa Hecken zwischen den Liegeflächen und dem Wasser, um den Vögeln die Sicht zu nehmen, seien nicht praktikabel. Der Versuch, die Population durch die Entnahme von Eiern zu reduzieren, sei gescheitert.

Das Gesundheitsamt überprüfe regelmäßig die Wasserqualität und die Situation auf den Wiesen. Konkret gesundheitsgefährdende Feststellungen seien nicht zu machen, so der Landratsamtchef weiter. Es bleibe der leidige Ekelfaktor. Diesem versuche das Amt mittels Maßnahmen wie der Bejagung der Tiere oder dem Einsatz eines Saugmähers, der die Wiesen vom Kot befreit, Herr zu werden. Löwl: „Eine darüber hinausgehende ,Pflege’ der Natur bzw. das manuelle ,Sauberhalten’ der Uferbereiche und Liegeflächen durch den Ordnungsdienst ist nicht finanzierbar, insbesondere nicht die – gegebenenfalls mehrfach tägliche – Beseitigung des Kots. Im Gegensatz zu einem Freibad ist die Nutzung des Sees dafür auch kostenlos.“

Auch Birgit Niederreiter ist klar, dass die Badenden mit den Vögeln leben müssen. Aber sie hat eine Idee: Sie möchte eine Vogelscheuche auf der Badeinsel errichten.

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