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Wichtiger Dienst für die Allgemeinheit: Doch immer weniger wollen mitmachen bei der Feuerwehr.

Personalnot bei der Karlsfelder Feuerwehr – Gemeinde unterstützt Profi-Werbekampagne

„Daraus ergeben sich Risiken!“

Der Karlsfelder Feuerwehr geht es wie vielen anderen in ganz Deutschland: Sie braucht dringend neue Leute.

Karlsfeld – „Wir können das Leistungsniveau nicht mehr halten“, sagte Feuerwehr-Sprecher Michael Konrad am Dienstagabend in der Sitzung des Hauptausschusses des Karlsfelder Gemeinderats. Und: „Daraus ergeben sich Risiken!“

Konrads Appell blieb nicht ungehört: Einstimmig beschloss der Ausschuss, die Feuerwehr bei der Finanzierung einer professionellen Werbekampagne zu unterstützen. Dafür werden 25 000 Euro in den Haushalt für das Jahr 2020 eingestellt. Die Kampagne kostet insgesamt rund 35 000 Euro. 10 000 Euro kommen von Sponsoren.

Wie Konrad mitteilte, blieben in der Vergangenheit alle Maßnahmen, weitere Mitglieder zu gewinnen, ohne Erfolg. Deshalb habe man sich entschlossen, Marketingfachleute ins Boot zu holen. Die Dachauer Werbeagentur Paulus & Weimer erstellt eine Kampagne, die im März 2020 starten soll.

72 aktive Dienstleistende hat Kommandant Michael Peschke aktuell zur Verfügung. Das sind in etwa so viele wie im Jahr 1987, wie Konrad in seiner Präsentation verdeutlichte. Seither ist die Gemeinde Karlsfeld um etwa 70 Prozent gewachsen, die Zahl der Einsätze pro Jahr ist nach Konrads Aussage sogar um 270 Prozent angestiegen. Die Belastung für die Dienstleistenden ist also enorm.

2018 wurde die Karlsfelder Wehr 270 Mal alarmiert, „heuer sind es vielleicht sogar ein bisserl mehr Einsätze“, sagte Konrad. Zudem müsse jeder Aktive im Jahr rund 700 Bereitschaftsstunden leisten.

Erfreulich sei zwar, dass die Jugendfeuerwehr in Karlsfeld immer wieder Zugänge verzeichnen könne. „Die Mitgliederwerbung bei den über 18-Jährigen blieb aber erfolglos“, sagte Konrad. Gerade im Ballungsraum München sei es schwer, neue Mitglieder zu bekommen. Es ziehen viele zu, auch in Karlsfeld, deren Interesse an einer Mitgliedschaft ist laut Konrad aber besonders gering. Ohnehin ziehe das Ehrenamt nicht mehr so wie früher. Gerade hier solle der Staat mehr Anreize schaffen, forderte der Feuerwehr-Sprecher, „der macht zu wenig“.

In den kommenden Monaten wird die Karlsfelder Feuerwehr sogar weitere aktive Mitglieder verlieren. Einige ziehen weg, andere erreichen die Altersgrenze von 65 Jahren. Mithilfe der Kampagne sollen bis Ende 2020 zehn neue Mitglieder gewonnen werden. Wie Konrad bestätigte, sei ein Einstieg auch mit 30 Jahren problemlos möglich.

Die Agentur Paulus & Weimer hat zuletzt auch das Karlsfelder Siedlerfest mit Erfolg beworben. Sie soll nicht nur Werbung über verschiedene Kanäle professionell gestalten (Internet, Soziale Medien etc.), sondern auch das Image der Feuerwehr verbessern und über deren Tätigkeiten in formieren. Konrad: „Viele wissen gar nicht, was die Feuerwehr macht, dass wir freiwillig Dienst tun und neue Mitglieder suchen.“

Bei der Freiwilligkeit soll es auch bleiben, wie Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) betonte. Auf hauptamtliche Feuerwehrleute zurückzugreifen, ist in Karlsfeld derzeit wohl allein aus finanziellen Gründen nicht zu machen.

Die 25 000 Euro gab der Hauptausschuss bereitwillig frei. Bernd Wanka (CSU) sprach von „gut investiertem Geld“, Adrian Heim (Bündnis für Karlsfeld) sagte, dass es „eine Dummheit wäre, das nicht zu bezahlen“.

Nach kurzer Diskussion verständigten sich die Gemeinderäte zudem darauf, den Feuerwehrverein Karlsfeld mit einem jährlichen Pauschalzuschuss in Höhe von 12 000 Euro zu unterstützen. Einen Zuschuss gab es auch vorher schon, allerdings wurde die Höhe nach Einsatzstunden errechnet. Was mit dem Geld passiert, entscheidet der Feuerwehrverein.

Thomas Leichsenring

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