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Abwasch gehört dazu: Patin Gabi Garkisch mit Meri und Gzona (beide 14).

Mittelschüler haben Rotarier als Paten

Wichtige Anschubhilfe für junge Leute mit Potenzial

Dachauer Rotarier helfen Karlsfelder Mittelschülern beim Einstieg ins Berufsleben. Um sich besser kennenzulernen, wurde gemeinsam gekocht.

Karlsfeld – Der Duft von geschmolzenem Käse und geschmortem Rindfleisch verrät, warum in der Mittelschule Karlsfeld noch so spät abends Licht brennt. In der Schulküche herrscht geschäftiges Treiben. Ein Junge schnippelt Paprika, ein Mädchen holt vier Küchenzeilen weiter Lasagne-Nudeln aus dem Topf, ein älterer Herr füllt eine Schinken-Lauch-Mischung in eine Form. Wenn in der Mittelschule Erwachsene mit Schülern kochen, dann ist es das Kennenlern-Kochen mit den Berufspaten des Rotary Clubs Dachau.

Es fand zum zweiten Mal statt. 2014 war es noch „ein Experiment, mit dem wir ins kalte Wasser springen“, sagt der damalige Schulleiter Peter Wummel, gerade mit dem Anrösten von Pinienkernen befasst. Heute hält er das Experiment für geglückt.

Wummel kam für diesen Tag seine alte Schule besuchen. Der neue Rektor, Hakan Özcan, erklärt das Projekt so: „Ich finde es toll, dass es Menschen wie die Rotarier gibt, die ihre Erfahrungen weitergeben und junge Menschen mit Potenzial helfen.“

Diese junge Menschen sind in diesem Jahr fünf Schüler aus achten Klassen, die von zu Hause nicht die Unterstützung bekommen können, die sie bräuchten. Meistens, weil die Eltern kein Deutsch sprechen, wie beim 15-jährigen Arbnor. Er kam mit seinen Eltern vor zwei Jahren aus dem Kosovo nach Karlsfeld.

Die Rotary-Clubs gibt es auf der ganzen Welt. Ziel ist es, ehrenamtlich Dienste an der Gesellschaft zu leisten. Die fünf Paten, allesamt Akademiker oder ehemalige Manager, haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Schützlinge ins Berufsleben zu begleiten. Damit sich Paten und Schüler besser kennenlernen, wird gemeinsam gekocht und gegessen. Beim Salate waschen, Schaschlik pfeffern oder Tomaten schneiden lässt es sich gut plaudern.

Rotarier Joachim Raff war Controller bei BMW. Er weiß, worauf es bei Bewerbungen ankommt. Er kann seinem Schützling unter die Arme greifen. Ähnlich wie beim Quiche zubereiten. Die beiden werden besonders für ihre kunstvoll angerichteten Teller gelobt.

Die 14-jährige Meri aus Albanien wird von Gabi Garkisch betreut. „Wir fahren nächste Woche nach München in die Kanzlei ihres Mannes“, erzählt Meri. Garkisch will ihr zeigen, wie es in einer Kanzlei so zugeht und ihr die Angst vor dem S-Bahnfahren nehmen, damit sie auch einmal alleine nach München kommt. „Natürlich wird alles mit den Eltern abgesprochen“, versichert die Patin.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Rotarier und Schüler von Erfolg geprägt sein kann, weiß Hans Stahl. Er kümmert sich bei den Dachauer Rotariern um den Bereich Berufsvorbereitung und war schon beim letzten Mal dabei, genau wie Mariateresa. „Heute hat sie einen Job, den sie sich damals nie erträumt hat“, berichtet Lehrer Sascha Eichelmann: Die 17-Jährige macht bei Media Markt eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement.

In diesem Jahr betreut Stahl Mariateresas 15-jährige Schwester, die entweder Drogistin oder Altenpflegerin werden möchte. Praktika hat sie schon gemacht. Ihr Vater und die Schwester unterstützen beim Zubereiten eines Salats.

Hans Stahl weiß auch: „Wir müssen uns auch eingestehen, wenn es nichts wird.“ So lassen sich Motivation für Treffen und Zusammenarbeit bei den Schülern nicht immer hervorrufen. „Es gab schon einige, die sind abgesprungen“, sagt Stahl. „Vor allem Mädchen war es unangenehm, wenn ein älterer Herr mit Mercedes dasteht und sie mitnehmen will“, fügt Eichelmann hinzu.

Um 21 Uhr brennt in der Schule noch immer Licht. Die fünf Schüler und fünf Berufspaten sitzen mit Lehrern an zwei bunt geschmückten Tischen, verputzen Schaschlik, Lasagne und Salate und unterhalten sich über traditionelle Gerichte aus den Herkunftsländern. Und über ihre Zukunft. Miriam Kohr

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