Badende Menschen
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Das Wasser lockte halt: Das Bild entstand im Sommer 1952 an der Südseite des damals noch kargen Karlsfelder Sees.

Die Geschichte des Karlsfelder Sees

See dank Rangierbahnhof

Dass es den Karlsfelder See gibt, ist im Grunde dem Rangierbahnhof in Moosach zu verdanken. Denn für dessen Bau wurde tonnenweise Kies benötigt – der auf der Fläche des Sees abgebaut wurde.

Karlsfeld – Mit 23 Hektar Fläche ist er mit Abstand der größte See im Landkreis Dachau. Da mag man kaum glauben, dass dort, wo sich heute der Karlsfelder See befindet, bis vor 80 Jahren Felder waren. Ohne Bäume außenrum, kein Wasser weit und breit. 1940 begann die an einigen außergewöhnlichen Begebenheiten reiche Geschichte des Karlsfelder Sees.

In Moosach sollte ein Rangierbahnhof gebaut werden. Dazu wurde tonnenweise Kies benötigt. Und der wurde ab 1940 auf der Fläche des heutigen Sees abgebaut. Um den Baustoff abzutransportieren, wurden sogar Gleise für eine Schmalspurbahn verlegt und ein kleiner Lokschuppen errichtet.

Niemand hatte im Sinn, einen See anzulegen. Dies geschah mehr oder weniger nebenbei. „Nachsickerndes Wasser füllte die Grube, sodass die Flächen rundherum versteppten“, schreibt Ilsa Oberbauer in ihrem Buch „200 Jahre Karlsfeld“.

Für die Landwirte war das nicht gut, sie erhielten vom Staat zum Ausgleich einen sogenannten „Trockenpfennig“. Die Abbauarbeiten kamen schon 1942 zum Erliegen – kriegsbedingt.

Nach Kriegsende übte die US-Armee mit Panzern

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs tat sich für Jahre so gut wie nichts. Grube und Abraumhalden blieben unberührt, Müll sammelte sich an, der sich zum Teil sogar entzündete. Doch das Wasser zog schon bald auch erste Badegäste an. Dann fand die US-Armee Verwendung für den kleinen See. Auf dem Gewässer konnten sie prima mit ihren Schwimmpanzern üben. Aber auch Pioniereinheiten der Bundeswehr und die MAN nutzten den See zu Test- und Übungszwecken.

Doch mit den Jahren stieg das Interesse der Karlsfelder, aus dem See ein Erholungsgebiet zu machen. Ilsa Oberbauer schreibt von „langwierigen Verhandlungen mit amerikanischen Offizieren“, dann wurde der See endlich freigegeben.

Das Baden war dort allerdings kein uneingeschränktes Vergnügen. Zwar war die Wasserqualität gut, aber es gab keine gemütlichen Liegewiesen, immer noch keine Bäume und keinen Schatten. Obendrein war der Zugang zum Wasser ziemlich steil.

Am 29. September 1971 griff der damalige Landrat Dr. Hubert Pestenhofer zum Spaten – mit einer kleinen Feier zum Spatenstich begannen die Umbauarbeiten zum Erholungsgebiet. Schon im Mai 1973 waren die Arbeiten auf der Ostseite des Sees fertig, 1977 wurde der Ausbau abgeschlossen.

Der etwa 20 Meter hohe Hügel auf der See-Westseite entstand aus Abraum und Müll, der sich angesammelt hatte. Er wurde bei den Ausbauarbeiten mit Humus bedeckt und mit Tausenden Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Eine kleine Aussichtsanhöhe, die im Winter als Schlittenberg dient.

Der Karlsfelder See wird vom Erholungsflächenverein betreut. Der Verein kümmert sich um Erhalt und Gestaltung des insgesamt 58 Hektar großen Erholungsgebiets. Seit einigen Jahren laufen am Karlsfelder See Sanierungs-, Modernisierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen. So wurden zum Beispiel einige Uferstellen gesichert.

See ist maximal zehn Meter tief

Der Karlsfelder See ist 980 Meter lang und bis zu 300 Meter breit. Er ist nur maximal zehn Meter tief. Der See wird im Süden von Grundwasserquellen gespeist. Über den Moosgraben und den Tiefen Graben läuft das Wasser wieder ab. Dies bedeutet einen Komplettaustausch etwa alle vier Wochen, wie Ilsa Oberbauer beichtet. Am Westufer liegt, ein wenig versteckt, der Schallweiher. Es handelt sich um ein Biotop, Baden ist dort verboten. Im und am großen See nebenan tummeln sich derweil an heißen Sommertagen Tausende Badegäste und Sonnenhungrige.

Auch Klaus Hager hat den Karlsfelder See gern besucht, und der Mann aus Dachau war dabei nicht allein. Hager hatte Emil dabei, doch der entwischte eines Tages und verschwand im Wasser. Das kleine Krokodil brachte Karlsfeld damals im August 1967 in die Schlagzeilen. Sogar Zeitungen im Ausland berichteten über den 1,30 Meter großen Kaiman, der im für ihn viel zu kalten Karlsfelder See leider nicht mehr lange überleben konnte.  

tol/dn

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