Zehn Jahre Krebsselbsthilfegruppe karlsfeld

Trost, Mut, Hoffnung schenken

„Gemeinsam stark gegen den Krebs!“ So lautet der Leitspruch der Krebsselbsthilfegruppe Karlsfeld. Vor zehn Jahren hat Maria Hiechinger die Gruppe gegründet. Seit zehn Jahren spendet sie Krebspatienten Hoffnung, Trost, Hilfe, Mut – und auch wieder ein Stück Lebensfreude. Maria Hiechinger weiß selbst genau, was Betroffene durchmachen.

Karlsfeld – Die Diagnose ist ein Schock: Krebs. Den Betroffenen wird der Boden unter den Füßen weggezogen, die Angst vor dem Tod, zuvor allenfalls unscharf und weit entfernt, wird plötzlich greifbar. Familie und Freunde wollen helfen, wollen Trost spenden, sind aber oft überfordert.

In dieser Ausnahmesituation und in der so schwer zu bewältigenden Zeit danach bietet Maria Hiechinger mit der Krebsselbsthilfegruppe Karlsfeld Beistand an; den Erkrankten, ebenso wie deren Angehörigen. Und nicht zuletzt: Sie will Mut machen. Denn längst kommt eine Krebsdiagnose nicht mehr einem Todesurteil gleich.

Maria Hiechinger selbst hat den Kampf gegen den Krebs aufgenommen und ihn gewonnen. 2001 erfuhr sie, dass sie Brustkrebs hat. Gerade 40 war die Karlsfelderin damals und Mutter zweier Kinder. Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen – und extrem gefährlich. Die Prognosen für Maria Hiechinger waren schlimm.

Aber sie ergab sich nicht in ihr Schicksal, begegnete dem Krebs sogar mit Humor: „Zu meinem Mann hab ich gesagt, ich gönn Dir eh keine andere Frau!“

Der Weg war lang und hart, eine Abfolge von Untersuchungen, Therapien, weiteren Diagnosen. Maria Hiechinger musste allein neun Chemotherapie-Sitzungen über sich ergehen lassen – einher gingen Schmerzen und Nebenwirkungen. „Und immer wieder die Angst, sie blieb.“

Stück für Stück und Tag für Tag arbeitete sich Maria Hiechinger zurück in ein normales Leben. Um das Erlebte zu verarbeiten und sich mit anderen auszutauschen, die Ähnliches durchmachen oder durchgemacht haben, schloss sie sich gemeinsam mit Brigitte Merz der Krebsselbsthilfegruppe in Dachau an. „Da hab ich viele Geschichten gehört von Menschen, die es geschafft haben“, erinnert sich Maria Hiechinger. „Das macht Mut, man denkt sich: Das schaff ich auch.“

Irgendwann wollte sie diese Erfahrungen ihrerseits weitergeben. Halt hatte sie in schweren Zeiten bei der Gruppe in Dachau gefunden, jetzt wollte sie Halt geben. Sie und Brigitte Merz entschlossen sich, eine eigene Selbsthilfegruppe in Karlsfeld zu gründen. Am 18. April 2007 war es so weit. 18 Frauen kamen damals zum ersten Treffen ins Gemeindehaus der Korneliuskirche. Mehr als Maria Hiechinger erwartet hatte. Es kommen fast ausschließlich Frauen. Männern fällt es viel schwerer, über ihre Krankheit zu sprechen, hat Maria Hiechinger festgestellt.

Im Gemeindehaus trifft sich die Gruppe immer noch. Dort geht es bei den Gesprächen um den Krebs, natürlich. Es gibt aber nicht selten Treffen, da kommt die Erkrankung nicht einmal zur Sprache. „Dann reden wir auch mal eine Stunde über Alltägliches, was man wann am besten im Garten pflanzt, zum Beispiel.“ Außerdem unternehmen die Mitglieder der Gruppe gern etwas zusammen. Es geht ins Restaurant oder ins Theater, auch die gemeinsamen Ausflüge sind beliebt. „Wir haben schöne Stunden zusammen“, betont Maria Hiechinger, „wir sind nicht nur eine traurige Gruppe.“

Doch die Krankheit gehört dazu. Und der Tod auch. Immer wieder verlor die Gruppe von Maria Hiechinger Mitglieder an die Krankheit. So leider auch Brigitte Merz, die Mitbegründerin der Karlsfelder Gruppe.

Um sich selbst zu schützen, muss sie sich in diesen traurigen Momenten ein Stück weit abgrenzen, weiß Maria Hiechinger: „Man muss eine kleine Schutzwand aufbauen.“

Seit zehn Jahren haben Krebspatienten in Karlsfeld die Gelegenheit, mit Menschen offen über Ängste und Probleme zu sprechen, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben, die aus der Patientenperspektive authentisch berichten können. Viele Betroffene sind nach der niederschmetternden Diagnose allein mit der Angst und den Sorgen. Und nicht wenige ziehen sich zurück. Die Selbsthilfegruppe will Wege aufzeigen, die aus dieser Isolation führen.

Das zehnjährige Bestehen der Gruppe wird im kleinen Rahmen gefeiert. Im Gemeindehaus findet am heutigen Samstag ab 14.30 Uhr ein Umtrunk statt.

Die Krebsselbsthilfegruppe

Karlsfeld ist Mitglied der Bayerischen Krebsgesellschaft. Sie finanziert sich über Spenden (IBAN: DE68 7005 1540 0000 8039 99, BIC: BYLADEM1DAH). Die Treffen im Gemeindehaus der Korneliuskirche finden jeweils am zweiten Mittwoch eines Monats von 15.30 bis 18 Uhr statt.

Thomas Leichsenring

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