Zwischen den Seilen: zwei Teilnehmerinnen hangeln sich tapfer durch den Parcours. foto: betz

Selbstvertrauen tanken im Niederseilgarten

Karlsfeld - Balance, Geschicklichkeit, Kraft und auch ein bisschen Mut. Das waren die Eigenschaften, die Kinder und Jugendliche für den Niederseilgarten in der Mittelschule Karlsfeld mitbringen mussten. So mancher junge Kletterer stieß allerdings an seine Grenzen.

Die Geräteräume sind leer. Dafür ist in der Sporthalle ein Kletterwald aus Seilen, Matten, Sprossenwänden und zahlreichen anderen Turngeräten entstanden. Zum fünften Mal gibt es den Niederseilgarten, der von den Mittelschülern und anderen Schulen genutzt werden kann. Körperliche Fähigkeiten sollen verbessert, soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Selbsbewusstsein gefördert werden.

Bevor sich die Siebtklässler auf die Hindernisse stürzen können, erklären die „Guides“, zehn Schüler aus der 8. Klasse, die Regeln. Zum Job gehören auch: Hilfestellung leisteten und für Disziplin sorgen. Für ihren Posten mussten sie sich eigens bewerben.

Anfangs wirken die Schüler im Niederseilgarten noch sehr unkoordiniert, haben aber Spass. Und in der Halle ist schnell zu erkennen: Teamwork und Vertrauen sind gefragt. Überall werden Hände gereicht und Tipps für die nächsten Schritte gegeben. Dabei zeigen kleine Erfolgserlebnisse im Parcours große Wirkung auf die Schüler. Mit immer mehr Selbstvertrauen bewegen sie sich.

Auf die Herausforderungen reagieren die Schüler unterschiedlich. Aman steht oben an einer Rutsche aus Weichbodenmatten und ruft: „Hier rauf zu klettern war ein Fehler.“ Aber sie überwindet ihre Angst doch und rutscht. Und darum geht es in diesem Projekt.

Julia aus der 8. Klasse war schon im vergangenen Jahr Helferin. Sie steht neben der Rutsche und unterstützt Tomasz beim Überwinden der Hindernisse. Die haben Namen wie „Die Schlucht“, „Der Wall“ oder „Die wackelige Brücke“. Nachdem die Schüler eine halbe Stunde mutig den Niederseilgarten durchlaufen haben, wird der Schwierigkeitsgrad erhöht. Nun sollen sich die Schüler mit verbunden Augen, mit all ihren übrigen Sinnen fortbewegen. Tomasz hat die Hand auf Julias Schulter, während er über einen Schwebebalken balanciert. Mit verbundenen Augen ist es noch schwieriger, das Gleichgewicht zu halten. Julia hält ihn ganz fest am Arm. Beim mutigsten und sportlichsten Schüler werden die Bewegungen ganz langsam, be- und durchdacht.

Geduldig gibt Julia Anweisungen. Kommen ihre Antworten auf Fragen, „Wo soll ich denn als nächstes hin?“ oder „Worauf laufe ich gerade?“ nicht präzise genug, wedelt Tomasz vorsichtig mit den Armen, um zu ertasten, wo er sich gerade befindet. Er schreckt zurück, wenn er etwas Unvorhergesehenes berührt oder - wie im Niederseilgarten vermieden werden sollte - mit den Füßen den Boden berührt. Aber das macht nichts. Tomasz hangelt sich weiter mit Julias Hilfe an und auf Seilen über Kästen und Medizinbälle bis zum Ende des Parcours. Ganz stolz ist er, dass er ihn trotz einiger Fehltritte so mutig überwunden hat: „War doch ganz einfach.“

Der Initiator, Sportlehrer Christian Steinberger, sagt über das Projekt Niederseilgarten und besonders über die „Guides“: „Es geht darum, Kindern etwas zuzutrauen und ihnen eine Aufgabe zu geben. Die undiszipliniertesten Schüler erfüllen ihre Aufgaben großartig und zeigen eine ganz neue Seite. Weil man ihnen etwas zutraut.“

Rosi Seifert

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