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Was für ein Auftritt! Anton Klotzner, Elaine Ortiz-Arandes und Bernhard Koch (stehend, v.l.) im Bürgerhaus.

Begeisternde Camerata-Gala in Karlsfeld

„So zart und so a Stimm’!“

So wie dieses Jahr begonnen hat, darf es gerne weitergehen: Mit bester Musik, die beste Laune macht, mit Liebe und Flirten und Lachen und Freude. Die Neujahrsgala der Camerata München mit seinem Dirigenten Bernhard Koch hat im Karlsfelder Bürgerhaus einen tollen Start für 2019 hingelegt.

Das kleine Orchester spielte mit Hingabe und Vergnügen und großartigem Klang. Bernhard Koch war höchst engagiert und mit vollem Körpereinsatz dabei. Und die Solisten Elaine Ortiz-Arandes und Anton Klotzner: ein Augen- und ein Ohrengenuss.

Mit der Ouvertüre zu Mozarts Oper „Entführung aus dem Serail“ eröffnete das Orchester feierlich die Gala. Im ersten und dritten Teil schwungvoll und klangvoll, im mittleren Teil klingt zart die Sehnsuchtsarie des Belmonte an seine Konstanze an.

Ein witziger Einfall war es, die Sänger selbst ihren Part ansagen zu lassen. Tenor Anton Klotzner machte das unwiderstehlich mit seinem charmanten Südtiroler Akzent. Er habe sich schon immer geärgert, welcher Stuss, gewissermaßen, heldenhaften Tenören in den Mund gelegt werde. Sie rufen „zu Hilfe“ oder fallen in Ohnmacht wegen einer Schlange. Nicht so Pedrillo alias Anton Klotzner. Er will sein liebstes Blondchen unbedingt retten und schreitet „Frisch zum Kampfe, frisch zum Streite“. Er singt es mutig und trotzig wie ein 200-Prozent-Mann und hat im Nu alle auf seiner Seite. Im Laufe des Abends wird er auch noch andere Seiten aufziehen, aber immer ist er Verführer und Charmeur. Wie das bei Tenören halt so ist.

Und wie das bei Sopranistinnen halt auch so ist, fühlt man ebenfalls mit ihnen und ist auf ihrer Seite. Elaine Ortiz-Arandes bezaubert mit ihrer mal sanften, mal energischen, mal leidenden, mal jubelnden Stimme und ihrer umwerfenden Mimik sofort das Karlsfelder Publikum. Mit spitzbübischem und mädchenhaftem Schalk gleichermaßen erfüllt sie ihre Rolle.

Seit Jahren singt Ortiz-Arandes bei der Neujahrsgala, ist sozusagen ausgeliehen vom Gärtnerplatztheater, wo sie festes Ensemblemitglied ist. Der ehemalige Kultusminister Ludwig Spaenle hatte die Künstlerin aus Puerto Rico 2014 zur „Bayerischen Kammersängerin“ ernannt.

Dank sei ihm. Bürgermeister Stefan Kolbe sollte ihr den Ehrentitel „Karlsfelder Lieblingssängerin“ verleihen. In der Arie der Gräfin Almaviva aus der Mozart-Oper „Die Hochzeit des Figaro“ beklagt sie traurig ihren untreuen gräflichen Mann. Und wird dann höchst tatenlustig und aufgekratzt, als ihr die List mit dem Kleidertausch ihrer Zofe in den Sinn kommt. „Einmalig“, hört man aus der Reihe hinter einem, „so zart und so a Stimm’!“

Wenn Elaine Ortiz-Arandes und Anton Klotzner im Duett singen, wird einem das ganze Programm geboten, dass Frauen und Männer so drauf haben: Verliebtheit und Entlieben, Treue und Untreue, Verführung und Verrat. Man glaubt es ihnen aufs Wort, auch wenn es italienisch ist, und den Ton treffen sie sowieso: Mal kokett (sie), mal forsch (er), mal durchtrieben (beide).

Giuseppe Verdi passt mit seiner tragischen Oper La Traviata insofern auch in eine Neujahrsgala. „Man lernt viel aus der Oper fürs Leben,“ sinniert Klotzner. „Bevor‘s dem Ende zugeht, soll man sich noch an die schönsten Augenblicke seines Lebens erinnern.“ Das ist bei ihm als Mario Cavaradossi natürlich die „Amore“.

Vielfach begabt ist der Tenor übrigens: Er hat Bauingenieur an der Technischen Universität München studiert und sich einen ausgezeichneten Ruf als Brückenbauer erworben.

Auch die reinen Orchesterstücke begeistern das Publikum: Die feurige Ouvertüre von Gioachino Rossini aus der „Italienerin in Algier“ und der bekannte und mitreißende „Einzug der Toreros“ aus der Carmen von Georges Bizet. Und Johann Strauß mit der superschnellen und superdynamisch gespielten Polka „Donner und Blitz“.

Bernhard Koch motiviert, lobt mit Augen und Händen, schmunzelt, freut sich – wie auch „seine“ Camerata. Dass als Zugabe noch die blaue Donau und von Franz Lehár das „Lippen schweigen, ‘s flüstern Geigen: Hab’ mich lieb!“ erklingen, beseelt alle.

Aber der Radetzkymarsch ist immer noch das Allerschönste. Und da sind die Karlsfelder beim Klatschen viel besser als die Wiener. Aber die hatten ja auch in der Pause keinen Sekt spendiert bekommen von der Kulturreferentin Ingrid Brünich höchstpersönlich. Elfriede Peil

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