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Symbolische Scheckübergabe im Haus am Eichendorffring mit Rüdiger Kiefer, Armin Suckow und Norbert Blesch (v.l.).

Einweihung

Das "Sternstundenhaus": Wohngruppe für Jugendliche

Karlsfeld - Sie sind jung, 14 bis 18 Jahre. Und haben doch schon so viel Schlimmes erlebt. Im Karlsfelder „Sternstundenhaus“ haben diese Jugendlichen nun ein neues Zuhause gefunden.

Dank der Unterstützung des Sternstunden e.V. sowie weiterer Spender – darunter Sparkasse und Volksbank Raiffeisenbank Dachau – war es möglich, ein altes Haus im Karlsfelder Eichendorffring zu sanieren und so zu erweitern, dass junge Menschen dort langfristig wohnen vom Kinderschutz München betreut werden können. Gestern wurde das Haus offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Vor acht Wochen schon haben acht Jugendliche zwischen 14 und 18 das Haus bezogen. Darunter sind drei Flüchtlinge, sie stammen aus Eritrea, Nigeria und Somalia. Die anderen Jugendlichen wurden von Jugendämtern vermittelt, auch junge Menschen aus dem Landkreis Dachau sind darunter.

Jugendliche mit schweren Schicksalen

Der Kinderschutz e.V. führt insgesamt fünf solche stationäre Wohngruppen. Die Kinder und Jugendlichen, die dort untergebracht sind, haben schwere Schicksale erlebt. Sie wurden vom Jugendamt aus ihren Familien heraus genommen. Andere haben Krieg und Terror erlebt. Viele sind als seelisch behindert diagnostiziert.

Das Haus im Karlsfelder Eichendorffring ist über 50 Jahre alt. Es wurde dem Kinderschutz e.V. 1994 zur Nutzung überlassen. Weil es aber schließlich den Bedürfnissen junger Menschen sowie den Anforderungen, die an stationäre Wohngruppen gestellt werden, nicht mehr entsprach und obendrein erhebliche Schäden aufwies, wurde die Wohngruppe 2013 geschlossen.

„Wir waren ratlos, was mit dem Haus passieren soll“, gestand Rüdiger Kiefer, einer von zwei Vorständen des Kinderschutz e.V., gestern bei der offiziellen Einweihung. Das Engagement des Sternstunden e.V. sei ein „großer Glücksfall“ gewesen. Dank der 300 000 Euro von Sternstunden war mit einem Mal ein Großteil der Sanierungskosten gedeckt. Das Haus konnte modernisiert und mit einem Anbau erweitert werden. Es ging flott: Baubeginn war erst im Juni 2014 gewesen.

Kiefer und der zweite Vorstand des Kinderschutz e.V., Norbert Blesch, nahmen gestern von Armin Suckow vom Sternstunden e.V. einen symbolischen Scheck entgegen. „Ich stehe hier stellvertretend für die vielen, vielen Spender, die uns unterstützen“, betonte Suckow. Sternstunden ist eine Benefizorganisation des Bayerischen Rundfunks. Sie unterstützt vor allem junge Menschen in Not.

Ein eigenes Zimmer für jeden Jugendlichen

Im Karlsfelder Haus haben die Jugendlichen jetzt alle ein eigenes Zimmer, ihnen stehen zudem Gemeinschaftsräume und ein kleiner Garten zur Verfügung. Betreuerin Tanja Wimmer zeigte sich bei der Eröffnungsfeier begeistert: „Die großzügige räumliche Gestaltung entspannt das Zusammenleben erheblich und ermöglicht Rückzugsräume vom oftmals dichten Gruppengeschehen“.

Zuvor waren die Jugendliche in Doppelzimmern untergebracht. Die Nachfrage der Jugendämter nach Angeboten für stationäre Wohngruppen in München und den angrenzenden Landkreisen ist enorm hoch. Geeigneter Wohnraum für Gruppen der Kinder- und Jugendhilfe im Raum München und Dachau ist jedoch extrem schwer zu finden, wie Kiefer deutlich machte: „Das Angebot auf dem Wohnungsmarkt geht hier gegen Null.“

Der Kinderschutz München e.V. wurde 1901 gegründet. Rund 400 Frauen und Männer arbeiten aktuell in etwa 40 Einrichtungen in München sowie den Landkreisen Dachau und Aichach/Friedberg. Auch die Elisabeth-Bamberger-Schule in der Ohmstraße im Karlsfelder Gewerbegebiet ist ein Haus des Vereins.

dn

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