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Straßenunterhalt ist eine Millionenaufgabe

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Vom Idealzustand meilenweit entfernt: Die Allacher Straße in Karlsfeld.
Vom Idealzustand meilenweit entfernt: Die Allacher Straße in Karlsfeld. © rds

1,2 Millionen Euro muss die Gemeinde Karlsfeld investieren, um den gegenwärtigen Zustand der Straßen zu erhalten. Das teilte Lorenz Banzer, Mitarbeiter von der Berliner Spezialfirma Eagle Exes Technologies, den Gemeinderäten bei der jüngsten Sitzung mit.

Karlsfeld – Banzers Firma hatte den Zustand der insgesamt 92 Kilometer langen Gemeindestraßen erfasst und ein Konzept für die kommenden zehn Jahre ausgearbeitet.

Das Problem: In Karlsfeld gibt es einen gegenwärtigen Investitionsrückstau von bereits 7,4 Millionen Euro, der sich laut Banzer bis 2032 bis auf 26 Millionen Euro erhöhen kann. Die Gemeinde Karlsfeld hat 600 000 Euro als Jahresbudget für den Straßenunterhalt vorgesehen, was dem Experten zufolge nicht ausreicht und zu einer deutlichen Verschlechterung des Straßenzustandes führt. Besonders sanierungsbedürftige Beispiele Karlsfelder Straßen sind laut Eagle Eyes die Schul-, Allacher-, Hoch-, und Krenmoosstraße.

Insgesamt attestierte Banzer den Gemeindestraßen einen Gesamtwert (GW) von 2,6. Der Durchschnitt ist 2,5. Das entspricht auf einer Skala von eins bis acht der Zustandsklasse (ZK) vier.

Fast ein Drittel der Karlsfelder Straßen fallen in die Kategorien eins bis drei – sind also in einem neuen, sehr guten und guten Zustand. Etwas mehr als die Hälfte der Straßen befinden sich in einem mittelmäßigen Zustand. Knapp neun Prozent gehören zu ZK sechs und sieben. Und die gute Nachricht: In Karlsfeld muss keine Straße wegen ihres Zustandes gesperrt werden.

Wie kann es also zukünftig weitergehen? Eagle Eyes entwickelte drei Konzepte jeweils bis 2032. Erstens: Nichts tun. Zweitens: weiter wie bisher mit den 600 000 Euro pro Jahr sowie, drittens, ein unbegrenztes Erhaltungs-Budget für Karlsfelds Straßen. An diesem Punkt konnten sich die Gemeinderäte angesichts des leeren Gemeindesäckels ein gequältes Lachen nicht verkneifen.

Zum ersten Szenario: Würde also gar nichts gemacht, werden bis 2032 nach den Worten von Lorenz Banzer 20 Prozent der Karlsfelder Straßen in die schlechteste ZK acht – Sperrung – abrutschen. Weitere rund 45 Prozent würden in ZK sieben und sechs rangieren – was bedeutet: Warnwert überschritten, schlechter Zustand, intensive Beobachtung erforderlich und Maßnahmen planen. Damit wäre man bei fast zwei Dritteln aller Karlsfelder Straßen. Betroffen wären vor allem Flächen mit einer Asphalt-Deckschicht. Karlsfeld würde damit insgesamt in ZK sechs abrutschen. Es muss also etwas geschehen.

Dagegen würde sich bei Szenario zwei, einem „unbegrenzten Budget“, konkret wurde von 7 Millionen Euro für 2023 und 25 Millionen Euro in zehn Jahren gesprochen – der Zustand der Straßen um eine Zustandsklasse von 4 auf 2 verbessern.

Als drittes Szenario nahm Eagle Eyes die derzeitigen 600 000 Euro Jahresbudget an, was den Straßenzustand in Karlsfeld deutlich verschlechtert. „Wir haben jetzt schon kein Geld und kein Personal zur Betreuung dieser Maßnahmen“, warf Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) ein, was sicher wieder bei den Haushaltsberatungen für 2023 eine wichtige Rolle spielen werde.

Sein Stellvertreter Stefan Handl (CSU) erkundigte sich, ob es reiche, nur die Straßen in den ZK sechs bis acht zu sanieren. Banzer warnte, bei ZK sieben und acht müsse auch der Straßenunterbau teuer saniert werden.

Das größte Potenzial, mit relativ wenig Geld den Straßenzustand bestmöglich und langfristig zu erhalten, läge bei den ZK drei, vier und fünf. Unbedingt noch vor der teilweisen Tunnelsperrung des Autobahnrings A99 in Allach müsse die Münchner Straße (Bundesstraße 304) rechtzeitig saniert werden, forderte Marco Brandstetter vom Bündnis für Karlsfeld, „sonst werden wir überfahren“. Doch das ist Sache des Staatlichen Straßenbauamtes Freising.

„Eigentlich bin ich überrascht, dass unsere Straßen noch in diesem Zustand sind.“ Kolbe versprach, kommendes Jahr möglichst frühzeitig die Straßenbaumaßnahmen fürs ganze Jahr ausschreiben zu wollen, da es dann noch relativ günstige Preise gebe. Reinhard-Dietmar Sponder

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