Mehr Sicherheit? Im Verkehrsausschuss des Gemeinderats gingen die Meinungen auseinander.
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Mehr Sicherheit? Im Verkehrsausschuss des Gemeinderats gingen die Meinungen auseinander.

Staatliches Bauamt aber rät ab

Testlauf mit Trixi-Spiegeln: Karlsfelder Verkehrsausschuss beschließt nach langer Diskussion probeweise Einführung

  • VonThomas Leichsenring
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An zwei, drei Karlsfelder Ampelkreuzungen werden Trixi-Spiegel installiert – probeweise. Das hat der Verkehrs- und Umweltausschuss des Gemeinderats am Mittwochabend beschlossen.

Karlsfeld ‒ Trixi-Spiegel werden an Ampelmasten angebracht, um womöglich folgenschwere Unfälle beim Rechtsabbiegen zu verhindern. Vor allem Radfahrer sind in diesen Situationen gefährdet. In Dachau starb vor zehn Jahren eine 14-Jährige Radfahrerin an der Kreuzung Theodor-Heuss-Straße/Sudetenlandstraße – ein Lastwagenfahrer hatte die Radfahrerin im Toten Winkel übersehen.

Ob Trixi-Spiegel tatsächlich für mehr Sicherheit an Ampelkreuzungen sorgen, wurde im Ausschuss lange diskutiert. Denn viele sehen die Spiegel durchaus kritisch. Das Staatliche Bauamt, das für die Kreuzungen auf der Münchner Straße und der Bajuwarenstraße – die einzigen beiden Straßen in Karlsfeld mit großen Ampelkreuzungen – zuständig ist, lehnt die Installierung ab: „Insbesondere bei verstellten Spiegeln entsteht eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer durch Blendeffekte bei Dämmerung und in der Nachtzeit.“ Deshalb werde das Bauamt keine Trixi-Spiegel anbringen. Die Gemeinde Karlsfeld könne dies allerdings gerne tun, sofern sie die Kosten und Verkehrssicherungspflichten übernimmt.

Davon riet Alfred Rustler, der Verkehrsexperte im Karlsfelder Rathaus, ab. Die Gemeindeverwaltung habe Trixi-Spiegel „anfangs auch positiv gesehen“, habe ihre Meinung aber inzwischen geändert. Rustler: „Das Geschehen im Spiegel wird verkleinert dargestellt, was zu Fehleinschätzungen im Abbiegevorgang führen kann und ein trügerisches Sicherheitsgefühl vermittelt. Ein weiteres Problem ist, dass die Spiegel oftmals verschmutzt, vereist oder durch Vandalismus zerstört werden.“ Zudem könne der Spiegel verdreht werden. Der Lkw-Fahrer sehe dann im Spiegel einen ganz anderen Teil der Straße, der Radfahrer im Gefahrenbereich bleibe unentdeckt.

Zustimmung kam von Franz Trinkl. Der SPD-Gemeinderat ist Fahrradreferent der Gemeinde. Trinkl sprach von „falscher Sicherheit“, die Trixi-Spiegel vermittelten.

Christian Bieberle von der CSU, die die Installierung von Trixi-Spiegeln beantragt hatte, warb um Zustimmung. In Dachau und München habe man sehr gute Erfahrungen mit Trixi-Spiegeln gemacht. Thomas Nuber (Grüne) sagte, dass ihm kein Unfall wegen eines verschmutzten oder verstellten Trixi-Spiegel bekannt sei, „aber Unfälle ohne Spiegel sehr wohl“.

Schließlich fand der Kompromiss, Trixi-Spiegel an einigen Kreuzungen zu testen, eine klare Mehrheit. Die Gemeindeverwaltung soll die Standorte aussuchen. Zudem soll sie Informationen einholen, inwieweit auf die Gemeinde nach Unfällen Regressansprüche zukommen könnten, sollten die Spiegel beispielsweise verdreckt oder verdreht gewesen sein.

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