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Fachkräftemangel, Geldsorgen und Geflüchtete - Karlsfelds Bürgermeister: „Wir stehen vor großen Aufgaben“

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Von: Verena Möckl

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Besorgt und stolz: Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe blickt mit gemischten Gefühlen zurück – und voraus. vm
Besorgt und stolz: Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe blickt mit gemischten Gefühlen zurück – und voraus. © Verena Möckl

Im Neujahresinterview spricht Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe über seine Vorsätze, Geldsorgen und warum er sich von der Regierung alleingelassen fühlt.

Karlsfeld - Die Gemeinde Karlsfeld hatte im vergangenen Jahr einiges zu bewältigen. Und auch im Jahr 2023 warten so manche Herausforderungen auf die größte Gemeinde im Landkreis Dachau. Im Interview spricht Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe darüber, warum er sich von der Regierung im Stich gelassen fühlt, welche Vorsätze er in diesem Jahr für seine Gemeinde hat und worauf sich die Bürger freuen können.

Herr Kolbe, wir würden Sie das Jahr 2022 mit einem Wort beschreiben?

Stefan Kolbe: Unruhig. Aufgrund der Pandemie und der Entwicklung in der Ukraine, was natürlich auch direkte Auswirkungen auf die Kommunen hatte.

Wie hat die Gemeinde Karlsfeld den großen Andrang an geflüchteten Ukrainern gemeistert?

Ich war sehr erfreut über die große Bereitschaft in Karlsfeld, den Geflüchteten Unterkunft zu geben und privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Wenn wir als Gemeinde die Frauen und Kinder hätten unterbringen müssen, wäre das zu einem großen Problem geworden. In der Spitze waren das 200 Personen. Ich muss sagen: Respekt und danke von meiner Seite an alle, die mitgeholfen haben!

Wir erleben gerade wieder einen großen Flüchtlingsstrom. Kann Karlsfeld das noch stemmen?

Unsere beiden Unterkünfte an der Hochstraße und an der Parzivalstraße sind nicht voll belegt, aber wenn das so weitergeht, dann werden wir ein Problem bekommen. Ich befürchte, dass wir im Landkreis wieder Turnhallen als Unterkünfte benutzten müssen. Wir befinden uns in einer schwierigen Situation, auch wegen des Rechtskreiswechsels.

Die Menschen, die da sind, fallen den Kommunen auf die Füße – bei den Themen Obdachlosigkeit und Unterbringung. Wer den Wohnungsmarkt kennt, weiß: Das ist ein Problem. Wir können das nicht mehr länger schultern. Meine Kinderbetreuungseinrichtungen sind voll, meine Schulen sind voll. Mehr geht einfach nicht!

Was erwarten Sie von der Regierung?

Sie soll die Ströme an Geflüchteten besser leiten und organisieren. Wir haben in Karlsfeld eh schon mehr aufgenommen, als wir eigentlich müssten.

Was bereitet Ihnen momentan die größten Sorgen in Ihrer Gemeinde?

Der Personalmangel im Öffentlichen Dienst. Mir fehlen die Leute im Rathaus. Wir haben 13 offene Stellen, die dringend besetzt werden müssten. Personal bei der Kinderbetreuung zu finden, ist mein kleinstes Problem. Die größten Sorgen sind aber nach wie vor die Finanzen.

Die Gemeinde Karlsfeld hat immer versucht, die Lebensbedingungen hier zu verbessern. Das ist meine Motivation und die des Gemeinderats. Doch wir müssen mittlerweile feststellen, dass sich die finanzielle Ausstattung der Kommunen im Gesamten nicht verbessert. Wir stehen vor großen Aufgaben, haben aber Haushalte, die uns keinen Spielraum lassen.

Trotz Krieg, Krisen und finanziellen Problemen: Was lief gut im Jahr 2022?

Der Bau der neuen Grundschule. Es hat mich gefreut, dass wir im Zeitplan waren. Auch der Spatenstich des Gymnasiums. Wir haben uns lange dafür eingesetzt.

Was ich aber immer wieder herausstellen will, ist das ehrenamtliche Engagement in unserer Gemeinde. Was in so einer großen Gemeinde, die schon mehr einen städtischen Charakter hat, dass das Ehrenamt nach wie vor da ist. Der Zusammenhalt und das Miteinander. Dass wir nach zwei Jahren Coronapandemie die ersten kulturellen Veranstaltungen wieder machen konnten, das Siedlerfest, der Hüttenzauber.

Was sind die wichtigsten Zukunftsprojekte?

Das Ludl-Gelände und die Sanierung der Dreifach-Turnhalle. Beim TSV ist es zuletzt mit der Kapazität der Hallen eng geworden. Es wäre auch schön, wenn wir das Problem mit der Einkaufsmöglichkeit westlich der Bahn in diesem Jahr lösen können.

Wie geht es mit dem Hallenbad weiter?

Wir freuen uns, dass wir die Förderzusage bekommen haben, aber das verbessert das Gesamtthema Karlsfelder Hallenbad nicht. Wir werden uns in der Gemeinderatssitzung Ende des Monats damit befassen.

Steht ein neuer Pächter für das Bürgerhaus fest?

Wir haben jemanden gefunden. Das werden wir in Kürze bekannt geben.

Was möchten Sie heuer für Karlsfeld erreichen?

Wir wollen das Klimaschutzkonzept fertigstellen und auch dementsprechende Maßnahmen ergreifen. Wir erwarten in Kürze auch das Fahrradkonzept. Ich hoffe, dass wir mit dem Bebauungsplan vom Ludl-Gelände weiterkommen und dass wir mit dem Verfahren zu dem Gewerbegebiet an der Schleißheimerstraße beginnen können. Das ist essenziell für uns, um Einnahmen zu bekommen.

Welche drei Wünsche haben Sie für das Jahr 2023?

Ich hoffe, dass friedliche Lösungen für Kriegsgebiete gefunden werden, damit die Menschen in ihr Heimatland zurückkehren können. Natürlich Gesundheit.

Letztlich würde ich mir aber auch wünschen, dass wir Kommunen vom Freistaat und vom Bund finanziell besser unterstützt werden. Ich wünsche mir, dass endlich einmal darüber nachgedacht wird, das Finanzierungssystem der Kommunen zu reformieren.

Blicken wir positiv in die Zukunft: Worauf können sich die Karlsfelderinnen und Karlsfelder freuen?

Auf viele kulturelle Veranstaltungen. Gerade die Kultur hat in der Coronazeit fürchterlich gelitten. Die Kultur wird in Karlsfeld wieder Fahrt aufnehmen.

Interview: Verena Möckl

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