VdK Karlsfeld wird 70 Jahre alt

Im Gemeindeleben unverzichtbar

Der VdK Karlsfeld tut seit 70 Jahren Gutes. Vom ehemaligen Kriegsopferverband wurde er zum großen Sozialverband. Die große Feier aber folgt später

VON ELFRIEDE PEIL

KarlsfeldEigentlich soll man ja die Feste feiern, wie sie fallen. Nach diesem Sprichwort hätte der VdK Karlsfeld in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiern können. Aber weil das immer mit viel Arbeit verbunden ist und sich im Vorstand des Ortsverbandes gerade ein Generationenwechsel vollzieht, setzt man auf die Zahl 75 im Jahr 2024. Wenn Gerda Sackmann von den vielen Aufgaben erzählt, die die ehrenamtlichen Mitglieder jetzt schon übernehmen, dann ist das durchaus nachvollziehbar.

Der VdK Ortsverband Karlsfeld wurde am 1. April 1949 gegründet und hat 850 Mitglieder. Wer von den älteren und langjährigen Mitgliedern einen runden Geburtstag hat, wird persönlich besucht. Krankenbesuche mit einem Geschenk werden ebenfalls vom Vorstand durchgeführt. Aber da zeige sich, so Gerda Sackmann, dass Karlsfeld eher städtisch sei: „Wir wissen oft gar nicht, ob jemand krank ist oder gar verstorben ist. Das ist auf dem Dorf anders.“ Zumal sie auch Mitglieder haben, die in Ludwigsfeld wohnen oder sogar in Hebertshausen.

Beliebt, aber auch aufwendig in der Vorbereitung sind die Ausflüge und Mehrtagesfahrten. Letztens ging es für vier Tage in die Lüneburger Heide. „Das ist für Viele der einzige Urlaub, den sie sich leisten können“, sagt Frau Sackmann. Zu Weihnachten gibt es traditionell eine Feier mit „Platzerln und Stubnmusi.“ Da kommen schon mal 80 Mitglieder und Gäste. Vorträge und Informationsveranstaltungen bietet der VdK Karlsfeld im Bürgertreff am Rathausplatz an. Demnächst geht es um „Internetkriminalität“, und danach um ein Problem, das viele Ältere betrifft: Schwindelanfälle. Darüber wird eine Professorin vom Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum am Klinikum Großhadern informieren.

Barrrierefreiheit eine Herzensangelegenheit

Ein Thema, das dem Verband sehr am Herzen liegt, ist die Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden. Unter dem Motto „Weg mit den Barrieren“ haben sie sich im letzten Jahr mit dem Bürgermeister, der Behindertenbeauftragten und dem Seniorenvertreter Bürgerhaus, Rathaus und Mittelschule angesehen. Damals hatte Bürgermeister Stefan Kolbe sich wirkungsvoll in einen Rollstuhl gesetzt und selber im wahrsten Sinne „erfahren“, wo es unüberwindbare Schwierigkeiten gibt. „Wenn du mit dem Rollator oder am Stock gehst, bekommst du einen ganz anderen Blick für die Barrieren,“ weiß Gerda Sackmann.

Die 64- Jährige ist seit April 2011 Vorsitzende des VdK Karlsfeld und Nachfolgerin des verstorbenen Franz Trinkl senior. Sie ist gelernte Industriekauffrau mit der Zusatzausbildung zur Industriefachwirtin und hat lange Zeit als Betriebsrätin bei BMW gearbeitet. Ihr liegt es, mit Menschen zusammen zu kommen. „Es macht mir Spaß. Ich lerne viele Leute kennen und bekomme viel zurück.“ Seit vier Jahren engagiert sie sich auch als „Lotsin“ im Kreisverband Dachau. Die VdK-Lotsen sind Ansprechpartner für die Themen außerhalb des Sozialrechts. Sie geben Tipps, wo die Betroffenen Hilfe bekommen, etwa bei Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Behörden. „Ganz wichtig ist das Zuhören. Das erfahren viele Menschen heute gar nicht mehr.“ Die Vorsitzende hat einen ganzen Fundus an Informationsbroschüre über Hilfsmöglichkeiten gesammelt, um gezielt weiter zu helfen. „Wir vermitteln keine Wohnung oder Arbeit, aber wir können sagen, wo man Hilfe finden kann.“

Der Verbandsname war ursprünglich eine Abkürzung, die 1950 stand für „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e.V.“ Die Beratung und Betreuung der Kriegsbeschädigten sowie der Witwen und Waisen stand im Mittelpunkt der Arbeit. Heute hilft der Verband bei Fragen zur Rente, bei Behinderung und Pflege.

In den vergangenen 60 Jahren hat der Verband sich vom ehemaligen Kriegsopferverband zum großen Sozialverband entwickelt. Jetzt heißt er offiziell „Sozialverband VdK Deutschland e.V.“ Er hat sich damit einen Namen gemacht, ohne dass die historischen Abkürzungen noch eine Rolle spielen. Auch in Karlsfeld.

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