Mut machen zum Mitmachen

„Voices for future“ begeistern in Karlsfeld

Dieses Konzert machte beschwingt und hoffnungsfroh. Was manchmal in der Klimadebatte bedrückend wirkt, wurde hier in eine heitere Zuversicht verwandelt: Durch die Musik, durch die ermutigenden Worte und durch die spürbar optimistische Grundstimmung aller Beteiligten.

Die Korneliuskirche hatte zum Chorkonzert „Voices for Future“ eingeladen, und viele Interessierte waren gekommen, auch Bürgermeister Stefan Kolbe und sein Stellvertreter Stefan Handl, SPD-Bürgermeisterkandidat Bernhard Goodwin, sowie zwei Vertreter aus der Dachauer Friday-Gruppe.

Der Gospelchor „Kornelius Voices“ unter der Leitung von Ingo von Bargen war gewissermaßen namensgebend für diesen Nachmittag, ebenso wie die Fridays-for-Future-Bewegung. Dass die Stimmen für die Zukunft gemeinsam viel wirkungsvoller klingen als eine einsame Stimme wurde durch die Choreografie des ersten Gospels eindrücklich hörbar. Erst singen nur zwei einsame Männer, dann kommen drei Frauenstimmen dazu, und nach und nach füllt sich der Altarraum mit dem gesamten Ensemble. Schließlich entsteht eine Bewegung mit viel Schwung, mit Fingerschnipsen und Klatschen – genau wie es in dem Lied von Ralf Grössler „Joyful voices“ heißt: „Mehr und mehr Menschen erheben ihre freudigen Stimmen. Steht auf und klatscht in die Hände.“

Für Marco Brandstetter, der durch den Abend führt, ist die Parallele zu Greta Thunberg ganz offensichtlich: Auch sie war zunächst eine „einsame Stimme“, bis sich ihr „Hunderttausende“ angeschlossen haben, um „unserem kranken Planeten“ zu helfen. Dabei gehe es nicht darum, zu jammern oder ohnmächtig zu verstummen. „Wir wollen ganz bescheiden bei uns selbst anfangen.“ Es sind die kleinen Schritte, die praktischen konkreten Dinge, wie sie Lena und Marlene aus der evangelischen Jugend in ihrem Appell anschaulich aufzählen: eine Woche auf Fleisch verzichten, oder zwei Wochen nur saisonal und regional einkaufen, beim Duschen das Wasser „beim Einseifen“ abstellen. „Aber dann auch wieder anstellen“, tönt es gut gelaunt aus dem Publikum.

Überhaupt ist die Stimmung gelöst. Wenn mal ein Baby fröhlich kräht, schmunzeln die Sitznachbarn. Und es sind vor allem die Lieder, die aufmuntern, wie die Hymne „All things bright and beautiful“, alles ist hell und schön und von Gott gegeben. Die Beiträge der Jugendsinggruppe greifen dieses Gotteslob auf: „Der Herr schuf unsre Erde gut, sie zu bewahren gib uns Mut“. Dieser Klassiker der modernen Kirchenlieder erinnert daran, dass Klimaschutz schon immer ein großes religiöses Thema war, seinerzeit eben unter dem Begriff die „Schöpfung bewahren“.

Was wir jetzt tun können, um die Schöpfung zu retten, machte Eckardt Moj in einem persönlichen Plädoyer für weniger Kunststoff deutlich. Er selbst hat am Anfang seiner beruflichen Laufbahn für den Chemiekonzern Bayer Leverkusen gearbeitet und für die Verbreitung von synthetischen Fasern in der Möbel- und Heimtextilienindustrie gesorgt. Rückblickend sagt er: „Ich schäme mich heute fast dafür.“ Umso wichtiger sei es jetzt, den gedankenlosen Verbrauch von diesen „verheerenden“ Synthetics zu beenden.

Wie ein kleiner Schritt aussehen kann, demonstrierte Kirchenvorsteherin Karola Bühler. 250 kleine Säckchen für‘s Einkaufen von Obst und Gemüse hatten Fleißige genäht. Die warteten jetzt nur noch darauf, verschenkt zu werden und „am Montag gleich zum Einsatz zu kommen.“ Da gab es den einen und anderen Bravo-Ruf. Zum Schluss des Abends wurde es noch einmal sehr bewegend, als alle aufstanden und den Refrain von Michael Jacksons Song „Heal the world“ mitsangen: „Heile die Welt, schaffe einen besseren Ort für Dich und für mich.“

Ein toller Ort zum Ausklang waren Foyer und Gemeindesaal, mit köstlichen herzhaftem und süßem Gebäck, natürlich selbst gemacht. Und viele Informationen und Anregungen präsentierten sich auf sieben Stellwänden, etwa wie man Zahncreme oder Zitrusspray plastikfrei selbst herstellen kann. Es war ein Abend, der Mut machte zum Mitmachen. Elfriede Peil

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