Auch die Werksfeuerwehr von AMN/MTU war in der Wehrstaudenstraße vor Ort.
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Auch die Werksfeuerwehr von AMN/MTU war in der Wehrstaudenstraße vor Ort.

Viele Fragen sind offen

Einsatz von Rettungskräften in Karlsfeld: Was geschah nach der Feuerbeschau 2017?

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Im Fall des umstrittenen Einsatzes der Sicherheitsbehörden am Freitag in Karlsfeld wegen des mangelnden Brandschutzes bei drei neunstöckigen Wohnblocks in der Wehrstaudenstraße gilt es nun vor allem einen Sachverhalt aufzuklären: Was geschah nach einer Feuerbeschau dort im Jahr 2017?

Karlsfeld – Nach einer Ortsbesichtigung von Gemeinde, Landratsamt und Hausverwaltung am Donnerstag sowie einem sogenannten „Anleiterversuch“ der Feuerwehr Karlsfeld hätten sich „gefährliche Mängel“ im Treppenhaus (erster Rettungsweg) und in den Wohnungen ergeben. Zudem seien 41 der insgesamt 96 Wohnungen, die 1967/68 entstanden, weder mit Steckleitern, noch mit der Drehleiter (zweiter Rettungsweg) zu erreichen, so das Landratsamt am Samstag in einer Pressemitteilung. Am Freitag noch begab sich am Freitag gegen 17 Uhr ein Aufgebot an Sicherheitskräften zur Wehrstaudenstraße. Das führte bei den Bewohnern, darunter zahlreiche ältere Menschen, zu Verwirrungen. Das Wort von einem „Überfall“ machte die Runde.

Rückten am Freitag in Karlsfeld an: Rettungsdienst und THW mit ihren Fahrzeugen.

Der Einsatz der Behörden sei laut Landratsamt aufgrund eines Hinweises erfolgt, dass die bei der Feuerbeschau 2017 „festgestellten Mängel im baulichen Brandschutz – wohl auch coronabedingt – nur teilweise beseitigt wurden“. Von Seiten des Beirats der Wohngemeinschaft hieß es hingegen, die bei der Beschau zu Tage getretenen Mängel seien „alle behoben worden“.

Dazu wollte die Hausverwaltung gestern keine weitere Stellungnahme abgeben. Man wolle sich juristischen Rat einholen, hieß es auf Nachfrage der Heimatzeitung. Auch Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe bat um Geduld. Die Verwaltung seiner Gemeinde brauche noch Zeit, um den Sachverhalt aufzuklären.

Fraglich ist unter anderem, warum die Behörden nicht schon 2017, also vor vier Jahren, diese Maßnahmen zur Sicherheit der Bewohner ergriffen haben, nachdem die gravierenden Mängel bekannt geworden waren. Auch das Dachauer Landratsamt will der Sache auf den Grund gehen, was aber laut Landrat Stefan Löwl einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Der Landrat war am Freitagnachmittag selbst vor Ort. Er sagt, dass sich nach den Anleiterversuchen der Feuerwehr Karlsfeld herausgestellt habe, dass 41 von insgesamt 96 Wohnungen „problematisch“ seien, da sie aufgrund der räumlichen Situation, den Stellplätzen sowie dem Baumbewuchs weder mit Steckleitern, noch mit der Drehleiter zu erreichen seien. Daraufhin habe man temporäre Lösungen gefunden: eine nächtliche Brandwache, Rauchmelder auf allen Stockwerksfluren, zwei Überdrucklüfter zur Entrauchung und Halteverbote, damit ein Hubfahrzeug der MTU-Werksfeuerwehr eingesetzt werden kann. Von 19 bis 20.45 Uhr hätten die Werksfeuerwehr und das THW die Erreichbarkeit der Wohnungen mittels des Spezialfahrzeugs getestet. Wie das Landratsamt mitteilt, stellt eine Gerüstbaufirma zusätzlich zu den temporären Maßnahmen bis Mitte der Woche provisorische Rettungstreppen auf.

Alle betroffenen Bewohner seien informiert worden, dass sie „freiwillig und auf eigene Gefahr“ in den Wohnungen bleiben könnten, so der Landrat weiter. Kein Bewohner sei zum Verlassen seiner Wohnung gezwungen worden. Gegen 18.15 Uhr seien die Bewohner wieder in ihre Wohnungen gegangen, so Löwl, der betont, dass bei dem Einsatz „kein einziges Blaulicht geblinkt“ und es sich nicht um einen Großeinsatz gehandelt habe.

Das sehen der Beirat der Wohngemeinschaft sowie viele der Bewohner anders. Es sei sehr wohl der Eindruck vermittelt worden, dass es besser wäre, die Wohnungen zu verlassen. Und was den Einsatz angeht: So waren neben dem Landrat sowie einem Dutzend Kräften von Werksfeuerwehr und THW samt Einsatzfahrzeugen und großen Lichtstrahlern ein Vertreter der Bundeswehr, ein Architekt sowie Bürgermeister Stefan Kolbe an Ort und Stelle. Vor allem die älteren Bewohner hatten große Angst. Fragen wie: Werden jetzt die Häuser abgerissen?, machten die Runde. „Das hätte man besser machen können“, so Beirat Engin Ersan am Freitag. Sprich, die Behörden hätten die temporären Maßnahmen auch ohne großes Aufgebot in Ruhe kommunizieren können. Zumal es in der Anlage in den vergangenen 54 Jahren nicht gebrannt habe.

Kreisbrandrat Franz Bründler wollte sich zum Thema gestern nicht äußern.

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