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Wenn die Vergangenheit umzieht

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Alle Hände voller Exponate: Die Ehrenamtlichen des Karlsfelder Heimatmuseums müssen den Umzug alleine stemmen, (von links): Emil Klein, Heidemarie Hofer, Ilsa Oberbauer, Horst Lackner, Hans Willibald und Horst Rubröder. Foto: sch
Alle Hände voller Exponate: Die Ehrenamtlichen des Karlsfelder Heimatmuseums müssen den Umzug alleine stemmen, (von links): Emil Klein, Heidemarie Hofer, Ilsa Oberbauer, Horst Lackner, Hans Willibald und Horst Rubröder. Foto: sch

Karlsfeld - Ausräumen, etikettieren, verpacken, Kisten schleppen - so verbringt das Team des Karlsfelder Heimatmuseums derzeit jede freie Minute. Denn alle Exponate müssen in die neuen Räume gebracht werden. Mit dem Umzug kommen den Helfern viele neue Ideen - doch der Platz dafür ist künftig sehr begrenzt.

Im Karlsfelder Heimatmuseum stehen alle Zeichen auf Umzug - und das bereits seit Ende Dezember. Die sechs ehrenamtlichen Helfer und Vereinsmitglieder stemmen seitdem in Eigenregie den Auszug der Sammlung aus dem alten Haus an der Münchner Straße 187 ins Alte Rathaus. Weil das Freis-Anwesen demnächst einem Ärztehaus weicht, müssen hunderte Ausstellungsstücke des Heimatmuseums weichen. In ihr neues Domizil kommen die Exponate in den Privatfahrzeugen der Helfer. Denn die Karlsfelder sind Leute, die selbst anpacken, bevor sie lange bitten. Nur bei den Möbeln und Vitrinen wird den Ehrenamtlichen die Freiwillige Feuerwehr zur Hand gehen.

Für die schon in die Jahre gekommenen Helfer - in der Regel sind sie Rentner - bedeutet der Umzug eine enorme Anstrengung. Sie müssen alle Exponate zwei Stockwerke hinauftragen und stoßen dabei manchmal an körperliche Grenzen. Trotzdem herrscht bei allen Arbeiten stets gute Laune.

Gründungsmitglied Hans Willibald hat in vielen Stunden eigenhändig die Wände gestrichen und die Teppichböden gereinigt. Viele Eimer voller Wasser hat er dazu die schmale Holztreppe hinaufgeschleppt. Ilsa Oberbauer ordnete und etikettierte viele hundert Textilien und Trachtenkleider, damit beim Aufbau alles wieder richtig zusammen passt.

Die Ausstellungsfläche im Alten Rathaus ist allerdings auf den ersten Stock und das Dachgeschoss beschränkt. Das Erdgeschoss bleibt nach wie vor den Senioren- und Behindertengruppen der AWO vorbehalten, bis sich irgendwann einmal mit dem Bau der Neuen Mitte eine Alternative ergibt.

Die Helfer betrübt es ein wenig, dass die Ausstellungsfläche im Alten Rathaus kleiner ist als bisher. Viele Leihgaben müssen deshalb an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden. Im neuen Heimatmuseum wird kein Platz mehr dafür sein. Und: „Wir werden keine Sonderausstellungen mehr zeigen können“, bedauert Ilsa Oberbauer.

Gerade Sonderausstellungen zogen immer wieder Besucher ins Museum. Beispielsweise beim Thema Weinanbau in Karlsfeld, den die Flüchtlinge nach dem Krieg aus den Donaugebieten der Batschka einführten. Auch die Ausstellung der Miniaturkutschen von Georg Stein hatte viele Besucher nach Karlsfeld gelockt.

Die steile und schmale Treppe könnte künftig für viele ältere oder gehbehinderte Menschen ein unüberwindbares Hindernis werden. Gerade die Senioren interessieren sich allerdings sehr für die Siedlungsgeschichte. Auch sonst muss das Team um Ilsa Oberbauer erhebliche Abstriche machen. Die Karlsfelderin wünscht sich ein museumspädagogisches Konzept für nichtstaatliche Museen - ein Wunsch, der sich wohl so schnell nicht realisieren lassen wird. Denn es mangelt am Geld. Oberbauer hat die Hoffnung allerdings noch nicht verloren, besteht doch die Hoffnung, dass das Heimatmuseum zusammen mit anderen kleinen Museen im Landkreis beworben wird.

Stärker betonen möchten die Heimatkundlerin und Horst Rubröder künftig die beiden Alleinstellungsmerkmale des Museums: mehr als 200 Jahre Karlsfelder Geschichte sowie der Themenbereich Flucht, Vertreibung und Integration. Die Vertriebenengeschichte ist in der Geschichtswerkstatt der vhs und im Dachauer Forum aufgearbeitet worden. Die dort gewonnenen Erkenntnisse sollen im Lauf des Jahres in die Sammlung einfließen. Noch gar nicht bearbeitet ist bislang die dritte Siedlungswelle der Karlsfelder Gastarbeiter. „Wir haben bisher noch keine Exponate“, berichtet Ilsa Oberbauer.

Dafür besitzt das Karlsfelder Heimatmuseum auch ein Schauexemplar von Emil, dem ausgebüchsten Krokodil, das im Juli 1967 den Karlsfelder See unsicher gemacht haben soll und dann nie wieder gesehen wurde.

(sch)

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