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Freuen sich über Ehrenamtliche, die ihnen bei den Hausaufgaben helfen: die Flüchtlingskinder Silvia und Arash.

Helferkreis Karlsfeld

Wer hilft uns bei den Hausaufgaben?

Beim Helferkreis in Karlsfeld läuft eine Initiative für Flüchtlingskinder, die zur Schule gehen.Ehrenamtliche helfen den Schülern, die Schwierigkeiten haben bei den Hausaufgaben. Davon profitieren nicht nur die Kinder, wie einige Helfer berichten.

Karlsfeld – „Ich brauche Hilfe“, ruft der neunjährige Arash aus Afghanistan. Er kommt gerade nicht zurecht mit Deutsch und den verschiedenen Vergangenheiten: „Ich gehe, ich ging, ich bin gegeht?“ Was denn? Wie denn nun? Da hilft nur üben, üben – und dabei helfen den Flüchtlingskindern, die in der Hochstraße und in der Parzivalstraße wohnen, ehrenamtliche Betreuer und Betreuerinnen.

In der Parzivalstraße gibt es die Unterstützung schon seit 2016 mit acht Ehrenamtlichen. In der Unterkunft an der Hochstraße, die ja erst im Frühjahr 2017 entstand, sind es zwölf Ehrenamtliche, die sich abwechselnd immer zu zweit eine „Schicht“ von zwei Stunden teilen. Es sind meistens Frauen, die schon ihren Kindern und jetzt ihren Enkeln beim Lernen über die Schulter schauen . Aber auch zwei Schülerinnen und eine Studentin sind mit dabei.

Deshalb sind die wenigen Männer besonders bei den Jungen begehrt. Einmal, als nach den Hausaufgaben noch „schwarzer Peter“ gespielt wurde, sagte Helfer Peter Stainer: „So, jetzt hören wir auf mit Spielen. Ich muss noch einkaufen.“ „Ach“, meinte Schüler Arash enttäuscht, „Warum warst du nicht gestern einkaufen?“

„Die Motivation der Kinder, ihre Hausaufgaben vollständig zu machen, ist nicht immer auf höchstem Niveau, um es mal so zu formulieren“, sagt Betreuerin Karin Boger. Silvia, die gerade in die 1. Klasse geht, soll „lesen, lesen, lesen“, wie ihre Lehrerin ins Hausaufgabenheft schreibt. Aber was ist, wenn Silvia nicht will? Die Ehrenamtlichen wissen sich zu helfen: Belohnungen in Aussicht stellen – spielen etwa. Oder auch mal was Süßes zum Abschluss. „Ich esse alle Bonbons, die mit Gelatine und die ohne Gelatine. Schmeckt alles gut. Aber der Mohammed darf nur die ohne Gelatine essen“, lässt Silvia die Betreuerin wissen. Aber der Mohammed isst sowieso am allerliebsten eine Leberkässemel ohne Schweineleberkäse. Die stellt ihm seine Mama in Aussicht, wenn er seine Aufgaben ohne all zu viel Zappeln geschafft hat.

Es ist ja auch nicht einfach, nach einem Schultag auch noch still zu sitzen und sich zu konzentrieren. Zwischendurch ein bisschen ratschen, muss auch mal drin sein. Nawid aus Afghanistan, 3. Klasse, zupft Jürgen Vollmer am Bart: „Der ist ja ganz weiß. Wie alt bist du?“ Er soll raten: „60?“ „Nein, älter“. „61?“ „Viel älter.“ „100?“ „Ich bin 75 und schon Opa.“ Arash: „Nein! Du siehst gar nicht aus wie ein Opa!“ „Danke, Danke. Man gibt so einiges, aber man bekommt hier auch einiges zurück“, sagt der verjüngte Opa.

Helfer gesucht

Wer Interesse hat, bei der Hausaufgabenbetreuung mitzumachen, kann sich an Peter Stainer (01 51/22 90 72 02) wenden.

Elfriede Peil

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