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„Kleiner Eisbär, nimm mich mit“: Wenn Inge Straub in der Karlsfelder Gemeindebücherei vorliest, hat sie aufmerksame Zuhörer.

Eine Mischung aus Kinder- und Bücherliebe

Wie „Vorleserin“ Inge Straub zu einer Institution in Karlsfeld wurde

Sie fesselt, bezieht ihr Klientel mit ein und ist für Überraschungen gut: Wenn Inge Straub in der Gemeindebücherei in Karlsfeld vorliest, lauschen bis zu 20 Kinder gebannt den Geschichten. Selbst in den Ferien gönnt sich Inge Straub keine Pause. Mittlerweile ist sie eine Institution, wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Dabei hatte Karlsfeld vor 14 Jahren viel Glück, sie zu „bekommen“.

Sie kennen sich aus: „Du musst Deine Schuhe ausziehen“, weisen sie die Neulinge ein. Erst dann dürfen sie auf die Leseecke mit den Kissen und Polstern. Es ist Donnerstagnachmittag, 15 Uhr, und wie an fast allen Donnerstagen des gesamten Jahres ist in der Karlsfelder Gemeindebücherei Vorlesezeit mit Inge Straub.

Die Kinder kennen sie alle als „die Inge“. Und die Inge wiederum kennt alle ihre Lesefans mit Namen und weiß, wie alt sie sind. Sie bekommen ein Kärtchen und einen Stempel fürs Dabeisein, und wenn sie zehn Mal zugehört haben, gibt es eine „Überraschung“ in Form eines Buches.

Heute, an diesem Donnerstag in den Ferien, sind einige von Straubs Stammgästen nicht da. Dafür sind einige Neue gekommen, von denen sie ebenfalls ein Lesekonto anlegen möchte. Beim siebenjährigen Paul sagt die begleitende Mutter: „Das lohnt sich nicht. Nach den Ferien gehst Du ja wieder zum Tanzen.“ Er bekommt trotzdem sein Kärtchen.

Bei Neuzugang Olaf ist sein Alter nicht ganz klar: „Wie alt bin ich?“ fragt er seine Nachbarin. Die weiß es leider auch nicht. Aber Olaf erkennt dann am Würfel, den Inge Straub ihm zurollt, die passenden Punkte. „Ich bin drei“, verkündet er stolz.

Eigentlich ist das Vorlesen für Kinder ab vier Jahren gedacht. „Aber ich sehe das nicht so eng“, sagt Inge Straub lachend. „Wenn da ein jüngeres Geschwisterkind mitkommt, ist das doch prima.“ Sie freut sich über alle, die kommen. Meistens sind es zwischen 15 und 20, die ihr zuhören.

Und sie hat sichtlich Spaß an ihrem Tun. Seit 14 Jahren liest sie ehrenamtlich, als Belohnung die strahlenden Kinder und dankbaren Mütter: „Sie macht das so toll“, sagt eine von ihnen, „mein Sohn kommt immer ganz begeistert her. Er hat schon mehrere Bücher bekommen.“

Es muss wohl diese Mischung sein aus Kinderliebe und Bücherliebe, die den Erfolg von Inge Straub ausmacht. Sie liest ja nicht nur vor, sondern zeigt auch die Bilder aus den illustrierten Werken und bezieht die Kinder aktiv in das jeweilige Buch mit ein.

Heute ist es von Hans de Beer das Bilderbuch „Kleiner Eisbär, nimm mich mit“. De Beer, geboren 1957 in der Nähe von Amsterdam, ist gewissermaßen der Vater des kleinen Eisbären Lars. Er hat ihm etliche Werke gewidmet und ihn zu einem allseits geliebten Knuddeltier gemacht.

Das Abenteuer, das er heute überstehen muss, nimmt die Kinder sichtlich mit. Er gerät in eine Falle, zusammen mit anderen Tieren. „Oh Mann!“, leidet Marcel mit. „Was macht man, wenn einem so was passiert?“, fragt Inge Straub die Zuhörerschaft. Genau, man ruft um Hilfe! Und das machen sie dann auch alle.

Das muss wohl geholfen haben, denn schließlich wird Lars zusammen mit den anderen Tieren vom Walross gerettet und lernt dabei noch ein nettes Bärenmädchen kennen, das aber nicht weiß, sondern braun ist. Wie nennt man das? Genau: einen Braunbären. Gibt es auch am Nordpol Braunbären? Empörtes „Neiiiin“!

Je nach Temperament der Kinder möchten sie am liebsten der Vorleserin auf den Schoß krabbeln oder wenigstens ins Bilderbuch kriechen. Oder sie träumen versonnen auf den Polstern von einem eigenen kleinen Eisbären zum Liebhaben. Nach einer halben Stunde ist aber so oder so die höchste Konzentrationsstufe überschritten, und alle holen sich noch ihren Stempel ab. „Bis nächste Woche“, ruft Marcel, und weg ist er. Dann trifft er am Donnerstag mit Sicherheit wieder Inge Straub und hört ihr hingerissen zu.

Wie gut, dass seinerzeit die Allacher Bücherei das Angebot der Münchnerin Straub zum Vorlesen nicht angenommen hat, aber die damalige Leiterin der Karlsfelder Bücherei, Brigitte Speer, die Idee super fand: „Machen Sie das bei uns! Nichts lieber als das!“ Und dass so aus Inge Straub eine Karlsfelder Institution wurde. Elfriede Peil

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