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Musiker, dem Motorsport verbunden: Aus der Gruppe „Sechs-Zylinder“  wurde wenig später die Pichlstoana Blasmusi.

Sogar im Ausland kennt man sie

„Wos Kracherts werd net g’spuilt!“: Vor 40 Jahren wurde in Karlsfeld die Pichlstoana Blasmusi gegründet

Auf einer Floßfahrt des Motorsportclubs (MSC) Karlsfeld war die Musik, die dort zu hören war, „nicht gut, aber teuer. Das bringen wir auch noch zam“, dachten sich die Blasmusiker von der Gruppe „Sechs-Zylinder“. Und im nächsten Sommer 1980 spielten sie dann tatsächlich besser und günstiger auf – für ein Fassl Bier. So entstand vor 40 Jahren die Pichlstoana Blasmusi. Gründungsmitglied Klaus-Peter Drescher erinnert sich mit Vergnügen an diese Anfänge.

Ihren allerersten Auftritt hatten sie am 1. November, im Jahr davor beim Geburtstagsfest des Betreibers vom Karlsfelder Neuwirt. Da waren sie noch zu sechst, wie es der Name andeutet. Den hatten sie sich zugelegt, weil sie damals in den Motorsport verliebt waren und Spaß an starken Autos hatten. Gerald Grimme, ebenfalls von Anfang an dabei, hatte ja auch als MSC-Mitglied beste Beziehungen zu diesem Verein. Und vielleicht war es auch der Sound, der sie anmachte. Wie heißt es so treffend in einer Suchmaschine von heute: „Motoren mit sechs Brennräumen verleihen Fahrzeugen Laufruhe, souveräne Kraftentfaltung und einen seidigen Sound beim Fahren.“ Das verleihen sie bestenfalls auch Blasinstrumenten.

Die Musiker der ersten Stunde 1979 waren neben Klaus Peter Drescher (Schlagzeug) und Gerald Grimme (Klarinette) Wilfried Groh (Trompete), Dieter Groh (Tuba), Georg Lechermann (Tenorhorn) und Josef Reischl (Bariton). Bei der Floßfahrt waren es schon sieben, mit Manfred Groh und seiner Klarinette.

Im Laufe der Jahre kamen noch weitere Musiker dazu. Da passte der 6er-Name nicht mehr. So wurden sie ab 1981 die „Pichelstoana Musi“. Peter Drescher erklärt das so: „Den Pichelsteiner haben wir immer gern gegessen.“ Dieser kräftige bayerische Eintopf wird aus verschiedenen Fleischsorten vom Rind, Schwein und Kalb samt diversen Gemüsen gekocht. „Bunt zusammen gewürfelt wie unsere Kapelle“, sagt Drescher. Und gut für Leib und Seele, wie ihre Musi.

Heute hat die Kapelle elf Mitglieder. Mit Drescher und Grimme musizieren Anton Maier (Akkordeon), Hans Peter Kaspar (Flügelhorn), Karl Renauer (Tenorhorn), Helmut Sperlich (Klarinette), Mario Joham (Flügelhorn), Heinz Osterholzer (Tuba), Günther Korschun (Flügelhorn), Alexander Grimme (Bariton) und Gerd Hellberg (Klarinette).

Nach der Floßpremiere war der erste große öffentliche Auftritt die Feier zum zehnjährigen Bestehen – genau: des MSC, der heuer sein 50. Jubiläum feierte. Ihr Musikstil war von Anfang solide mit Melodien der Oberkrainer und Dixieland. Was damals „in“ war und in den Hitparaden stand, wollten sie nicht. Daher kam es zu dem oft zitierten Ausspruch: „Wos Kracherts werd net g’spuilt!“

Mit Jakob Tombek gab es neue Impulse und die Vorliebe für bairisch-böhmische Blasmusik. Und, wie sie es selbst beschreiben: „Echte und harmonische Klänge.“

Und die waren im Laufe der 40 Jahre sehr gefragt. Die Karlsfelder Formation spielte in der Schweiz, in Südtirol und in Österreich, auch bei Festen in Fürstenfeldbruck, Oberschleißheim, Erlebach und Schweinfurt. In Karlsfeld wurden sie oft zu Geburtstagen eingeladen, begleiteten Umzüge etwa des Schützenvereins oder die Kinder beim Martinsumzug am See, neuerdings am Bruno-Danzer-Platz. Sie sind immer dabei in der Partnerstadt Muro Locano. Seit rund 15 Jahren veranstalten sie das beliebte Christkindl-Anblasen am 23. Dezember in der Handwerkersiedlung.

„Früher haben wir an jeder Laterne gespielt“, sagt Peter Drescher. „Aber dann nur noch an jeder zweiten, das wurde zu lang.“ Einen offiziellen Leiter oder Dirigenten gibt es nicht, alle machen alles im Team. Konkurrenz zu anderen Musikgruppen? „Nein, wir ergänzen uns. Einige Ensemblemitglieder spielen auch bei anderen Formationen mit.“

Durch ihre zahlreichen Einsätze haben sie über 20 000 Euro eingespielt, die sie an verschiedene soziale Einrichtungen spendeten. Elfriede Peil


Geburtstagsständchen:

Wegen der Corona-Einschränkungen konnte die Pichlstoana Blasmusi ihr 40-jähriges Bestehen nicht in großem Rahmen feiern. So sollte am vergangenen Sonntag, 7. Juni, nur ein kleines Straßenkonzert stattfinden. Doch bei Dauerregen war das nicht möglich. Spontan beschlossen die Musiker, auf den nächsten Sonntag, 14. Juni, auszuweichen. Von 13 bis 14 Uhr soll dann das Straßenkonzert in der Schwarzhölzlstraße stattfinden, mit der Bitte, dass die Anwohner in ihren Häusern oder auf den Grundstücken bleiben, um sich an die gegebenen Vorschriften zu halten.

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