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Michael Schewe ist der neue Flüchtlingsberater der Gemeinde Karlsfeld. 

Zuerst war das Misstrauen da

Michael Schewe spricht über seine Arbeit als Flüchtlingsberater in Karlsfeld

Im November hatte Michael Schewe die neu geschaffene Stelle eines Flüchtlingsberaters des Landratsamtes Dachau angetreten. In Karlsfeld, der Gemeinde mit den meisten Flüchtlingen, berät und unterstützt er sie in ihren Unterkünften an der Parzivalstraße und an der Hochstraße.

Ende März durfte er seine neue Arbeitsstätte nicht mehr betreten. Fast fünf Wochen war Michael Schewe im Homeoffice. Jetzt ist er wieder vor Ort: „Ich berate mit Termin und unter Einhaltung aller nötigen Vorsichtsmaßnahmen. Die Leute halten sich alle an die Regeln, wodurch die Arbeit ohne Probleme möglich ist.“ Er ist genauso erleichtert wie die Bewohner: „Ich war zwar per Handy und Telefon in Kontakt. Man konzentriert sich auf die Problemlösung. Aber das Menschliche, Persönliche kam zu kurz.“

Lange hatte der Helferkreis um diese Stelle gekämpft. Zwar gab es von der Caritas an einigen Tagen Sprechstunden für die Bewohner. Das hatte nach Meinung des Helferkreises aber keineswegs ausgereicht. Und auch die Ehrenamtlichen fühlten sich überfordert und alleingelassen mit den persönlichen Krisen, die bei den Geflüchteten immer wieder auftraten: Ängste, Depression, Hoffnungslosigkeit. Der Helferkreis schrieb in einem „Hilferuf“ an die verantwortlichen politischen Kräfte in der Gemeinde Karlsfeld und im Landkreis Dachau und forderte einen professionellen „Asyl-Streetworker“. Das war im November 2017. Durch eine zusätzliche Fördermöglichkeit des Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration war es dem Landkreis nach eineinhalb Jahren möglich, diese Stelle zu schaffen.

Michael Schewe war vorher Integrations- und Flüchtlingsberater bei der Inneren Mission im Landkreis Starnberg. Der 52-Jährige ist studierter Ethnologe, kennt sich aus mit fremden Kulturen und Gesellschaften. Die ersten Monate ist er bei seinen Besuchen in den Unterkünften in Karlsfeld auf viele Vorbehalte gestoßen. „Sie haben teilweise richtig Angst vor mir gehabt, sind zurückgewichen, wenn ich vor ihrer Tür stand.“ Anders als bei seinem kirchlichen Träger vorher wurde er jetzt als Vertreter des Staates angesehen. Es ging das Gerücht um, dass er an Listen für Abschiebungen mitarbeite. Er hat sich nicht aufgedrängt, aber beharrlich seine Hilfe angeboten, die nach und nach mehr angenommen wurde, auch durch positive Mundpropaganda der Flüchtlinge untereinander.

Das Misstrauen hat sich in Vertrauen umgewandelt. Seit Anfang des Jahres waren die Beratungen enorm gestiegen, sie hatten sich verdreifacht. Er hat zwar ein Büro in den Unterkünften, trifft die Ratsuchenden aber bevorzugt in ihren Wohnungen – solange das noch ging vor Corona. Die wichtigsten Themen sind die Angst vor Abschiebung, Arbeits- und Wohnungssuche. Aber auch psychische Probleme und Konflikte in der Familie oder in Beziehungen werden an ihn herangetragen. Nicht in allen Fällen kann der Berater helfen. „Ich leite die Klienten dann weiter an spezielle Fachdienste, an Ärzte, Anwälte oder Psychologen.“

Bei seinen Beratungen hält sich Michael Schewe an das Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe.“ Das heißt für ihn: „Ich bin nicht der Vollkasko-Sozialdienst. Ich mache dir die Tür auf – aber gehen musst du schon selber.“ Das kommt auch rüber, und so lassen sie ihn nicht mehr Anträge ausfüllen, die sie selbst schaffen können.

Über das „Ankommen“ in Karlsfeld ist Michael Schewe sehr zufrieden – auch was den viel kürzeren Weg aus Schwabhausen zur Arbeitsstelle betrifft. Besonders freut ihn, dass er bei den Bewohnern „ankommt“. Weil „Herr Schewe“ nicht ganz leicht auszusprechen ist, nennen ihn manche schlicht „Chef“ – und dem vertrauen sie. Elfriede Peil 

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