Grundwasserentnahme von MAN bringt Karlsfelder auf die Palme

„Massiv eingreifen“

Es war für viele Karlsfelder eine alarmierende Nachricht, vor allem für die Eigentümer von älteren Häusern: Die MAN Truck & BUS AG, die an der Grenze der Landeshauptstadt München zur Gemeinde Karlsfeld ihren Sitz hat, will zu Kühlungszwecken Grundwasser entnehmen und erwärmt wieder dem Grundwasserstrom zuführen. Durch die Maßnahme könnte in Karlsfeld der Grundwasserspiegel steigen (wir berichteten).

Karlsfeld – Jakob Stärk ist einer der Hauseigentümer, die leider schon mehrfach Wasser im Keller hatten. Denn der Grundwasserspiegel in Karlsfeld ist ohnehin hoch. Nun befürchtet er eine Verschlimmerung der Situation, sollte MAN das Vorhaben umsetzen. Am Donnerstagabend wurde Stärk im Gemeinderat vorstellig. Er forderte die Gemeinde auf, „massiv einzugreifen“.

Doch das ist offenbar nicht so einfach, wie Mathias Reitberger Stärk und den anderen Gästen im Zuschauerbereich verdeutlichte. Reitberger ist Fachanwalt für Bau- und Planungsrecht, er vertritt häufig die Gemeinde Karlsfeld. Die Gemeinde habe „relativ wenig Möglichkeiten“ gegen den Genehmigungsbescheid der Landeshauptstadt München vorzugehen. Allenfalls über das Planungsrecht könne die Gemeinde eine Verletzung von Rechten geltend machen. Dazu müsste das Vorhaben der MAN AG jedoch eine konkrete Planung „unmöglich machen oder deutlich erschweren“. Ein solch konkretes Bauvorhaben gibt es derzeit nicht. Privatpersonen hingegen könnten den Klageweg beschreiten. „Ich rate Ihnen, anwaltliche Hilfe zu nehmen“, sagte Reitberger an die Zuhörer gerichtet.

Das hat Stärk schon getan. „Die Anwälte sagen, die Klage kannste vergessen“, rief er, hörbar erregt.

Der 25 Seiten starke Genehmigungsbescheid der Landeshauptstadt München ging an die Gemeinde (und blieb dort offenbar eine Weile unbeachtet, weil die zuständige Mitarbeiterin im Krankenstand ist) und nur an die Karlsfelder Hauseigentümer, die eine Grundwasserwärmepumpe haben. Auch das hat Stärk verärgert, nur zufällig erfuhr er vom Vorhaben der MAN.

Die Gemeinde weiß davon schon seit November 2016. Damals gab sie eine Stellungnahme ab. Sie habe keine Einwände, vorausgesetzt, die Maßnahme hat keine Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt.

Jakob Stärk lässt sich weiter anwaltlich beraten. Aber er beschreitet auch noch einen anderen Weg. Die 2010 gegründete Interessengemeinschaft Hochwasser Karlsfeld wurde gewissermaßen reaktiviert. Jetzt will man in einem ersten Schritt Unterschriften sammeln.

Ob sich die Grundwasserentnahme bei MAN noch verhindern lässt? In der Gemeinderatssitzung sagte Bürgermeister Stefan Kolbe: „Wir werden den Genehmigungsbescheid genau untersuchen und schauen, wo die Hebel sind.“

Bei MAN glaubt man nicht, dass sich die Grundwasserentnahme negativ niederschlagen wird. Unternehmenssprecher Manuel Hiermeyer verweist auf das „langwierige Genehmigungsverfahren“, demzufolge seien Auswirkungen auf Anwohner nicht zu erwarten.

Die Umstellung der Kühlung von Klimaanlagen auf Kühldecken, durch die das zwölf Grad kühle Wasser gepumpt wird, ist bei MAN Bestandteil des Umweltprogramms „Green Production“. Hiermeyer: „Durch den Verzicht auf stromfressende Klimaanlagen reduzieren wir den Stromverbrauch und damit den CO2-Ausstoß.“

Thomas Leichsenring

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