Karlsfeld steuert auf den Verkehrsinfarkt zu

Karlsfeld - Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU) befürchtet nicht weniger als den Verkehrsinfarkt. Denn der Verkehr in Karlsfeld nimmt immer mehr zu. Und zu schnell wird auf den Durchgangsstraßen auch noch gefahren. Das ist das Fazit der ersten Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung.

Wie Dr. Christoph Hessel vom beauftragten Büro Gevas Humberg & Partner im Gemeinderat mitteilte, fahren an Werktagen 57 000 Fahrzeuge durch Karlsfeld durch - in eine Richtung. Hinzu kommt der so genannte Ziel- und Quellverkehr: Fahrten nach Karlsfeld hinein und aus Karlsfeld hinaus. Das sind täglich 77 000. Hessel und seine Kollegen wollen den noch nicht untersuchten Binnenverkehr noch ermittelt. Dazu wird es im Mai eine Haushaltsbefragung geben. Die Teilnahme ist freiwillig. Bürgermeister Stefan Kolbe hofft aber, dass möglichst viele Karlsfelder mitmachen werden, um eine möglichst große und aussagekräftige Datenmenge zu erhalten.

Der mit Abstand größte Verkehr findet auf der Münchner Straße statt. 44 000 Fahrzeuge hat Hessels Büro pro Tag gezählt, 1800 davon Lkw. „Ein Lastwagen ist in etwa so lärmintensiv wie zehn Pkw“, sagte Hessel. Gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 1999 hat der Verkehr auf der vierspurigen Durchgangsstraße um 15 Prozent zugenommen.

Wanka und seine Gemeinderatskollegen wollen die besorgniserregende Entwicklung stoppen: „Wir werden durch die Verkehrsuntersuchung alle notwendigen Instrumente in die Hand bekommen, um uns zur Wehr zu setzen.“ Denn Karlsfeld kann das Problem nicht alleine lösen. Verhandlungen mit anderen Gemeinden, mit dem Landkreis, mit Behörden und auch mit den großen Arbeitgebern sind erforderlich. 7550 Autos haben an Werktagen MAN und MTU zum Ziel, wie Hessel mitteilte.

Unter Applaus der vielen Zuhörer im Sitzungssaal wurde abermals die Forderung laut, auf der Münchner Straße Tempo 50 einzuführen. Hessel bezeichnete eine Geschwindigkeitsreduzierung dort als „Schräubchen, an dem man drehen sollte, um, den Lärmpegel zu senken“.

Weniger Hoffnungen machte der Verkehrsexperte den Gemeinderäten, was die „große Schraube“ betrifft: den Tunnel. Wie berichtet, ist der Karlsfelder Tunnel in eine Projektliste für die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans 2015 aufgenommen worden. Ob der Bau des Millionenprojekts deshalb auch realistisch sei, könne er nicht einschätzen, so Hessel, auf eine Nachfrage von Peter Neumann (Bündnis). „Aber es hat schon Großprojekte gegeben, die sehr hoch eingestuft waren. Und dann hat der Bund doch kein Geld dafür gehabt.“ (tol)

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