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Alle wollen raus: die ungeliebte Karlsfelder Traglufthalle.

Bloß raus aus der Traglufthalle

Hungerstreik der Asylbewerber

Karlsfeld – Rund 40 Männer aus der Traglufthalle in Karlsfeld begaben sich am vergangenen Mittwoch in einen fünftägigen Hungerstreik. Am Sonntag war er dann wieder beendet.

Mit dem passiven Widerstand wollten die Asylbewerber ihren Ärger über die Lebensverhältnisse in der Notunterkunft im Karlsfelder Gewerbegebiet ausdrücken, so Landrat Stefan Löwl: „Sie fordern Plätze in Containern oder Wohnungen. Aber was ich nicht habe, kann ich nicht hergeben.“

Bereits Anfang März konnten zwölf Flüchtlinge aus der Traglufthalle in die neu fertiggestellten Holzhäuser an der Parzivalstraße einziehen und somit die temporär angelegte Unterkunft verlassen: „Wir vermuten, dass das der Auslöser für den Hungerstreik war, dass diese Asylbewerber zuerst in die Häuser einziehen durften“, so Landrat Löwl.

Denn in den Holzhäusern an der Parzivalstraße wohnen die Asylbewerber in abgetrennten Wohnungen mit eigenen Küchen und Bädern. In der Traglufthalle wiederum stehen anstatt fester Wände provisorische Faltwände. Die rund 270 Bewohner teilen sich jeweils zu sechst ein Mehrbettzimmer und haben dadurch nur wenig Privatsphäre. Außerdem bekommen sie in der aufgeblasenenen Massenunterkunft kein Tageslicht. Seit vergangenen Mittwoch verweigerten rund 40 Flüchtlinge deshalb fünf Tage lang die Nahrung und verließen stattdessen während der Essensausgabe einfach die Traglufthalle.

Am nächsten Tag fand daher ein Gespräch zwischen Mitarbeitern des Landratsamtes und den beteiligten Asylbewerbern statt, in dem die Asylbewerber ihre Forderungen aussprachen. Nach dem Disput mit dem Abteilungsleiter des Bereichs Soziales, Erik Stegner, dem Pressesprecher des Landratsamtes, Wolfgang Reichelt und dem wegen des Hungerstreiks eingeschalteten Amtsarzt Hans Bergemann, reduzierte sich die Zahl der protestierenden Flüchtlinge. „Nach dem Gespräch waren es noch etwa 15 bis 20 Personen. Genau können wir es auch nicht sagen, wir zählen beim Essen nicht durch“, so Landrat Löwl. Am Ostersonntag beendeten schließlich alle Flüchtlinge den Hungerstreik.

Jedoch sorgten am nächsten Tag Demonstranten der Münchner Ostermärsche für weiteren Aufruhr vor der Traglufthalle. Zunächst verlangten sie Zutritt zur Unterkunft, den das Sicherheitspersonal aber verweigerte. Danach demonstrierten die Aktivisten aus München gegen die schlechten Bedingungen in der Traglufthalle. Auch Bürgermeister Kolbe und Vertreter des Helferkreises waren vor Ort. „Sie verweigerten aber jedem das Gespräch und haben nur mit ein paar Asylbewerbern gesprochen“, so der Landrat.

In Zukunft sollen die rund 270 Asylbewerber aus der Massenunterkunft sukzessive auf andere Unterkünfte im Landkreis verteilt werden, so Landrat Löwl. Beispielsweise werden einige Bewohner in die neuen Container am Himmelreichweg in Dachau oder in das letzte noch freistehende Holzhaus an der Parzivalstraße einziehen.

Wer die Traglufthalle verlassen darf, entscheide sich anhand von drei Kriterien, so Löwl: Neuankommende Familien müssen grundsätzlich nicht in die Traglufthalle einziehen. Personen, die mehr Ruhe brauchen und zum Beispiel eine Schule besuchen, können ebenso schneller die Notunterkunft verlassen. Außerdem ist die Länge des Aufenthalts in der Traglufthalle ein Kriterium.

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