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Die beiden Protagonisten: Dienstmann Aloisius alias Oliver Keim (links) und Alfred Mertl. 

Starkbierfest in Karlsfeld

Das Bier schoss in Strömen

Karlsfeld - Bier und Blasmusik, dazu ein voller Saal. Das Starkbierfest des TSV Eintracht Karlsfeld zog. Alfred Mertl war allerdings schon mal besser in Form, aber der Traditionsredner hatte natürlich auch seine Momente.

Das Bier floss nicht nur, es schoss sogar. Aus dem hübsch vorn auf der Bühne drapierten Holzfass nämlich, dass Bürgermeister Stefan Kolbe am Freitagabend fürs traditionelle Starkbierfest des TSV Eintracht Karlsfeld anzapfte. So landeten nicht wenige Liter des guten Gebräus auf der Bürgerhaus-Bühne. Was das Anzapfen betrifft , war Kolbe schon mal besser in Form.

Ähnliches gilt für Alfred Mertl. Seit einer halben Ewigkeit ist er in Karlsfeld Starkbierredner. Diesmal bewegte er sich ein wenig zu sehr an der Oberfläche. Mertl wollte irgendwie niemandem weh tun, so fehlte der Rede dann doch der Biss.

Und noch etwas: Der Zuhörer hatte den Eindruck, dass Mertl jeden Karlsfelder Gemeinderat mindestens einmal aufs Korn nehmen wollte. Weniger wäre hier mehr.

Das Schwarzbuch, in dem Mertl beim letzten Startkbierfest vor zwei Jahren die Fehltritte aus der großen und kleinen Politik notiert hatte, blieb diesmal daheim. Stattdessen gab es ein Zettelsammelsurium, das Dienstmann Aloisius dem Redner auf die Bühne trug. Den singenden und dichtenden, vor allem aber stets bedächtig dahinschlurfenden Dienstmann gab kein Geringerer als Oliver Keim, Vorsitzender der Theatergruppe TSV-Brettl, das beim Starkbierfest stets zwei Ratschkathln auf die Bühne schickt. Monika von Mulert und Gabi Timm (die damit eine Bühnen-Premiere feierte) analysierten auf unterhaltsame Weise das Alltagsgeschäft der Gemeinde Karlsfeld, von der Abschleppwut am Marktplatz bis zum Verkehrschaos reichte da die Palette.

Auch Mertl hatte natürlich seine Momente und seine Lacher. Und obendrein handfeste Empfehlungen: Den imposanten, satte 179 Meter langen Riegelbau, der derzeit an der Bayernwerkstraße gebaut wird, solle man doch besser waagrecht errichten. Mit dem Sitzungssaal im obersten Stockwerk, „damit der Gemeinderat endlich den nötigen Weitblick bekommt“.

Mertl wörtlich:

- Die Politik in Karlsfeld werde beherrscht vom Buchstaben „g“: „Geld, Gewerbe, Grünzug, gute Luft. Und ois kost a Goid, do helft die Erhöhung der Hundesteuer nix!“

- Zur schwachen Frauenquote von drei zu neun in der CSU-Gemeinderatsfraktion: „Christliche Männer hom’s ned gern, dass Frauen mitred’n wollen.“

- Mechthild Hofner werde 2020 abermals als Bündnis-Bürgermeisterkandidatin ins Rennen gehen, ist sich Mertl sicher. Zur Melodie von Helene Fischers Hit „Atemlos“ singt Christa Nuffert vom TSV-Brettl daraufhin „Chancenlos, bei der Wahl, auch beim dritten Mal...“

- Die CSU tue sich da leichter bei der Kandidatensuche. Neben Amtsinhaber „Stefan I. von Karlsfeld“ gebe es schließlich noch den Reservebürgermeister Stefan Handl, der sich allerdings beizeiten eine Lederhose zulegen und Schafkopf-Unterricht nehmen müsse.

- Ein Ärgernis: die vielen abgestellten Wohnwagen entlang der Hochstraße. „Sind da Leut’ drin?“, fragt Mertl. Die Gemeinde solle dies nach Einbruch der Dunkelheit doch mal kontrollieren, da ließe sich doch vielleicht Gewerbesteuer kassieren.

- Bernd Wanka, CSU-Gemeinderat und Verkehrsreferent und demnach „da Dobrindt von Karlsfeld“ solle endlich die Straßen in Ordnung bringen. „Jeder Feldweg im Hinterland is besser beieinander als unsere Rathausstraß’“.

- „Bei den Dächern tröpfelt’s nei, bei den Brunnen tröpfelt gar nichts mehr. Beim Stelen-Brunnen war’s besser, den würde wer stehlen“ (zu den schadhaften Dächern und den außer Betrieb gesetzten Brunnen).

- Früher hod ma wuid baut, heit baun’s wia de Wuidn.“

- Mertl fragt sich, warum nur 18 der über 200 Wohnungen im Betreuten Wohnen westlich der Bahn Sozialwohnungen werden: „Ihr seid’s im Gemeinderat doch mitm Bürgamoasta Fünfazwanzge!“

- Karlsfeld gehört deutschlandweit zu den Gemeinden mit dem höchsten Altersschnitt. Mertl sieht hier große Gefahren, wenn der demografische Wandel noch mehr durchschlägt: „Alloa scho wega de Hendl-Gutscheine beim Siedlerfest!“

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