Karlsfelder Sinfonieorchester begeistert im Bürgerhaus

Mit Harfenklängen in den Frühling

Einen musikalischen Genussabend hat das Karlsfelder Sinfonieorchester unter der engagierten Leitung von Bernhard Koch an das Publikum verschenkt. Eine selten aufgeführte Sinfonie von Fanny Hensel, die brillante Harfenistin Serafina Jaffé und die berührende „Pastorale“ von Ludwig van Beethoven erfreuten Herz und Seele.

Die „Ouvertüre für Orchester in C-Dur“ von Fanny Hensel stimmte die Besucher des Konzerts des Karlsfelder Sinfonieorchesters unmittelbar auf das sinfonische Erleben ein. Sie beginnt sanft, steigert sich allmählich und überrascht mit fulminantem Streichereinsatz. Die Celli bringen wieder mehr Sanftmut ein, bis zum Schluss im Crescendo das Orchester zum vollen Klang kommt. Eine schwungvolle Musik, die gute Laune machte und viel Applaus brachte.

Dank sei Bernhard Koch, dass er mit dieser Ouvertüre auf das Werk und das Leben einer Komponistin aufmerksam gemacht hat, die ein typisches Frauenschicksal in der oft gar nicht so guten alten Zeit erfahren hat. Sie war die ältere Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy und musste sich von ihrem Vater Abraham Mendelssohn diesen Satz sagen lassen, der in die Musikgeschichte eingegangen ist: „Die Musik wird für ihn vielleicht Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbass Deines Seins und Tuns werden kann und soll.“ Ihr war nur die Rolle der Ehefrau und Mutter gestattet. Eine Publikation ihrer über 450 Kompositionen wurde ihr untersagt. Nur bei privaten „Sonntagskonzerten“ konnte sie einen Teil ihrer Werke aufführen.

Als nach der Ouvertüre die große Konzertharfe auf die Bühne gerollt wird, steigt die Spannung. Prächtig ist sie, mit golden glänzender Vorderstange. Das Harfenkonzert in C-Dur des französischen Komponisten François-Adrien Boieldieu steht auf dem Programm. Er lebte von 1775 bis 1834 und wurde von seinen Zeitgenossen wegen seiner Beschwingtheit der „französische Mozart“ genannt. Solistin ist die 20-jährige Serafina Jaffé. Sie ist die Tochter den bekannten Cellisten Ramon Jaffé. Ihr erstes Musikinstrument war auch ein Cello. Mit zwölf Jahren lernte sie dann Harfe. Sie wurde später Jungstudentin an der Universität Graz und gewann 2017 beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ den ersten Preis. Viele Preise, Anerkennungen, Auftritte folgten. Dass Koch sie für diesen Auftritt in Karlsfeld gewinnen konnte, ist der zweite Dank, der an ihn geht.

Serafina Jaffé verzauberte mit ihrem eleganten und feinen, aber auch kräftigen und temperamentvollen Spiel das Publikum. Klanglich wunderbar und technisch brillant zieht sie alle in ihren Bann. Im beschwingten ersten und letzten Satz fasziniert ihre Dynamik und Ausstrahlung, im melancholischen Mittelteil berührt ihr gefühlvoller Ausdruck. Das Zusammenspiel mit dem Orchester ist harmonisch-gekonnt. Sie ergänzen sich beide aufs Beste. Serafina Jaffé bezaubert auch ein wenig ihren Dirigenten. Lächelnder Blickkontakt zwischen beiden, immer wieder. Was sie ihrem Instrument entlockt, ist so spannend, dass es mucksmäuschenstill im Saal ist. Unglaublich, wie sie von den tiefsten zu den höchsten Tönen zupfend hinaufklettert. Ein toller Applaus. Und dann sagt doch dieses charmante engelsgleiche Wesen: „Als Dankeschön für‘s Zuhören spiele ich Ihnen La source, die Quelle, von Alphonse Hasselmans.“ Und man fühlt sich umgeben von munter sprudelndem Wasser, mal quirlig sanft, mal wild rauschend. Donnernder Applaus.

Nach der Pause gibt es eine weitere „Programm-Musik“ zu genießen: Ludwig van Beethovens sechste Sinfonie, die Pastorale. Mensch und Natur kommen im Einklang zusammen. Heiteres Erwachen im ersten Satz, das aber dann schon mit dem Klang des großen Sinfonieorchesters allmählich mächtiger wird. Dann die Szene mit den berühmten Rufen von Nachtigall (Flöte), Wachtel (Oboe) und Kuckuck (Klarinetten). Beim dritten Satz, dem Lustigen Zusammensein, meint man stampfende Füße auf dem Tanzboden zu hören, mal im Dreiviertel-, mal im Vierviertel-Takt. Zum Lieblingstakt könnte der vierte werden, da wimmern erst die Celli, dann grummeln sie, die Flöten pfeifen wie der Wind, der Pauken-Donner lässt zusammenzucken. Gibt es Schöneres als ein zünftiges Gewitter? Ja. Die Entspannung danach, wenn sich alles beruhigt hat.

Das Publikum beruhigt sich allerdings erst, als Koch nach etlichen „Vorhängen“ noch mit einer Zugabe auftrumpft, dem 5. ungarischen Tanz von Johannes Brahms. Elfriede Peil

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