Ein großes Konzert in zwei Teilen: Das Sinfonieorchester Karlsfeld zeigte sich heuer besonders vielseitig. Foto: habschied

Karlsfelder Sinfonieorchester brilliert mit Hollywood-Filmmusik

Karlsfeld - Das Karlsfelder Sinfonieorchester ist einem derzeit aktuellen Trend gefolgt: Bei seinem Frühjahrskonzert im Bürgerhaus widmete es sich auch der Filmmusik.

Nach der Pause erklangen - etwas ungewöhnlich für ein Orchester, das sich normalerweise mit klassischer und romantischer Musik beschäftigt - Soundtracks und Medleys aus großen Hollywood-Erfolgen. Dafür hatte sich das Orchester eigens mit Posaunen, Trompeten, Tuba und einem gewaltigen Schlagwerk verstärkt.

Die Musik zu „Herr der Ringe“ war einst Hollywood einen Oscar wert. Der Komponist Howard Lesley Shore, 1946 geboren, hatte die FantasyGeschichte nach Tolkien um Hobbits, Mittelerde und den magischen Ring mit passenden Leitmotiven ausgestattet, die vom Sinfonieorchester als Suite vorgetragen.

Mit dem Sound zu „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp in der Rolle des Captain Sparrow gelang dem deutschen bis dahin unbekannten Klaus Badelt unter Mitwirkung von Hans Zimmer ein Kassenschlager. Der Piratenklamauk wurde nicht zuletzt durch die an elektronische Musik angelehnten Rhythmen der jungen Generation schmackhaft gemacht.

Dass das Orchester unter seinem Dirigenten Bernhard Koch mit diesem Experiment den Geschmack der meisten Zuhörer getroffen hatte, zeigte der langanhaltende mit Bravorufen gemischte Beifall.

Das galt vor allem für den letzten Vortrag. Hier boten neben dem Orchester besonders Schlagwerk und Bläser ihr ganzes Können auf. Die Buben der Dachauer Schlagzeugschule Drums unter Jan van Meerendonk meisterten die schwierigen Passagen mit viel Enthusiasmus und Rhythmusgefühl. Für den Beifall bedankte sich das Orchester mit einem kurzen Medley aus „Die glorreichen Sieben“.

Begonnen hatte das Konzert jedoch klassisch mit der Ouvertüre aus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“, die das Orchester in einem flotten Tempo vortrug. Die von Mozart vorgegebenen „türkischen“ Instrumente Becken, große Trommel und Triangel wurden ebenfalls von Drums-Schülern bedient.

Höhepunkt des Abends war das Cellokonzert in h-Moll op. 104 von Antonin Dvorak, das an den Solisten wie das Orchester große Ansprüche stellt. Das einzige Cellokonzert des Komponisten ist auch eines der bekanntesten und meistgespielten Cellokonzerte überhaupt. Johannes Brahms soll ausgerufen haben: „Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle, aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben.“

So schwelgt das Cello auch im h-Moll-Konzert in traumhaft schönen Melodien. Dvorak schrieb das klanglich und harmonisch farbige Werk mit 53 Jahren, als er noch in Amerika lebte. Er verarbeitet darin Einflüsse seiner slawischen Heimat. Im ersten Satz dieses fast 45 Minuten langen Konzerts haben das groß besetzte Orchester und der Solist nahezu gleiche Bedeutung. Dagegen brilliert das Cello, dem Dvorak keine Kadenz gestattet hat, im zweiten langsamen Satz mit langen Solopassagen, während im Orchester viele Pausen vorgesehen sind und die Begleitung oft Bläsern und den Celli des Orchesters obliegt. Im dritten Satz, der wie der erste von Bläsern eingeleitet wird, bringt Dvorak nochmals Reminiszenzen an die ersten Sätze.

Die junge Solistin Raphaela Gromes bewältigte die schwierigen Passagen des Werks und vor allem des zweiten Satzes mit großer Virtuosität. Sie beherrschte ihr Instrument vorzüglich und entlockte ihm wunderbare Töne, Triller und Arpeggien.

Raphaela Gromes, die an der Münchener Hochschule für Musik studiert, tritt nebenbei schon seit früher Jugend in Konzerten auf und hat eine bemerkenswerte Reihe von Preisen gewonnen. Sie wird das Konzert im April auch mit den Münchner Symphonikern in Garching aufführen.

Das Publikum spendete reichlich Beifall, die zahlreichen Bravorufe galten wohl in erster Linie der Solistin. Man hätte gerne von ihr noch mehr gehört. (mm)

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