Zeugin ist unsicher

Eigentlich hat sie nichts gesehen

Karlsfeld – Er soll am Eichinger Weiher auf einer Bank gesessen und seinen Penis aus der Hose gestreckt haben. Und das gleich zwei Mal an zwei verschiedenen Tagen. Das warf die Staatsanwaltschaft Alexandros K., 24, (Name geändert) vor.

Der Karlsfelder musste sich deshalb vor Richter Lukas Neubeck wegen Exhibitionismus verantworten. Bei der Verhandlung gab es jedoch eine überraschende Wendung.

Es war ein Tag im März, als Alexandros K. gar nicht wusste, wie ihm geschah. Er saß auf einer Bank, in der Hand ein Handy, und wartete. Ein wenig später wollte er sich mit einem Freund treffen, er war zu früh dran. Plötzlich kam die Polizei – und nahm K. mit aufs Revier. „Da hab ich erst einmal blöd geschaut“, sagte er vor Gericht. Der Vorwurf gegen ihn: Exhibitionismus. „Aber so etwas mach’ ich nicht“, beteuerte K. auf der Anklagebank.

Eine ältere Dame, 70, hatte im März die Polizei gerufen. Sie gab an, dass ein Mann mit unbedecktem Glied auf der Bank am Eichinger Weiher sitzen würde. Ein paar Tage zuvor hätte sie den gleichen Exhibitionisten schon einmal beobachtet, sagte sie. Sofort fuhr eine Polizeistreife zum See und entdeckte dort Alexandros K.

Der bestritt bei der Verhandlung beide Taten. Am ersten Tag sei er nicht einmal am Weiher gewesen, erklärte er. „Ich hab mich mit Freunden im Café getroffen.“ Auch als er einige Tage später wirklich am See war, habe er nichts Verbotenes gemacht. „Ich hab mich nur auf die Bank gesetzt und mit dem Handy gespielt.“

Umso gespannter waren alle auf die Aussage der Belastungszeugin. Etwas unbeholfen betrat die Frau den Gerichtssaal und setzte sich gleich zum Publikum. Richter Neubeck musste ihr zuerst erklären, wo denn der Zeugenstuhl ist. Unsicher war die Frau dann auch bei ihrer Aussage. Sie berichtete, dass sie mit dem Fahrrad vom Einkaufen heimgefahren sei, als sie den Exhibitionisten zum ersten Mal gesehen hätte. „Da war ein vermummter Mann“, erzählte sie. „Er hat mit seinem Unterleib rumgespielt und seinen Penis rausgestreckt.“

Die Polizei habe sie jedoch nicht gerufen. „Ich war ganz deppert und hab nur schnell das Weite gesucht“, meinte sie. Drei Tage später ist die Frau den gleichen Weg nochmal gefahren – und sah wieder einen Mann auf der Bank. „Ich wollte gar nicht mehr genauer hinschauen“, sagte sie. Ob sie seinen Penis denn überhaupt gesehen hat, fragte daraufhin Richter Neubeck. Die Frau verneinte: „Nein, ich habe nur jemanden sitzen sehen.“ Ob denn der Mann die gleiche Person gewesen sei wie der Vermummte, fragte Neubeck weiter. Wieder verneinte die Zeugin: „Es war jemand anders, der Vermummte war viel größer.“ Bei der Polizei hatte sie aber noch das Gegenteil gesagt. „Aber da war ich lange geschockt, das war vor lauter Aufregung“, erklärte sie sich. „Jetzt hab ich nochmal nachgedacht, es war anders.“

Richter Lukas Neubeck glaubte deshalb Alexandros K. „Die Angaben der Zeugin waren äußerst verwunderlich“, fand er. „Und Sie machen auch wirklich nicht den Eindruck eines solchen Herren, der so etwas macht“, bescheinigte er dem Angeklagten. K. wurde deshalb freigesprochen.
cla

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